„2018 wird der Hoßplatz neu gestaltet”

„2018 wird der Hoßplatz neu gestaltet”

Interview: Bezirksvorsteher Georg Papai über die Verbauung des Donaufelds, neue Projekte und seine Kritiker.

Abschluß unserer Interviewreihe mit Abschluß unserer Interviewreihe mit Bezirkspolitikern: Bezirkvorsteher Georg Papai (SPÖ) im Gespräch mit DFZ-Chefredakteur Hannes Neumayer.

Sie sind nun seit über drei Jahren Bezirksvorsteher – Ihre Bilanz?

Georg Papai: „Das erste Jahr ist natürlich das Erfahrungs- und Lernjahr. Jede Veranstaltung, jede Maßnahme ist eine Neue. Nicht alles ist ab dem zweiten Jahr Routine. Ich muss ehrlich sagen, Bezirksvorsteher ist eine ganz tolle Aufgabe, die ich auch noch lange machen möchte!“

Für die FPÖ ist das wohl eine Drohung. Ihr FP-Stellvertreter Karl Mareda meinte, ‘Georg Papai hat keine einzige positive Maßnahme für Floridsdorf gesetzt’.

„Ich glaube, die Bilanz der ersten drei Jahre kann sich mehr als sehen lassen. Noch nie hat sich so viel in Floridsdorf getan wie derzeit.“

Als Beobachter der Bezirksarbeit der Parteien könnte man den Eindruck gewinnen, Hauptgegner der SPÖ ist die 3-Mandate-Partei WIFF von Hans Jörg Schimanek. Woher kommt diese Hass-Liebe?

„Das ist leicht erklärt: Ich gestehe dem Herrn Schimanek zumindest zu, dass er inhaltlich sehr viele Positionen anreißt. Bei der FPÖ passiert nicht mal das und damit kann es auch wenig inhaltliche Auseinandersetzung geben. Viele der Positionen, die Herr Schimanek anreißt, tut er nur, um Medienecho zu erzeugen. Nicht wirklich, um eine Lösung zu erarbeiten. So entsteht dieser Eindruck – aber insgesamt ist natürlich die FPÖ der größte Mitbewerber.“

Kritiker bemängeln  Ihr zu zaghaftes Auftreten im Wiener Rathaus …

„Wenn man auf den Tisch haut, bringt man nur Scherben zusammen. Um wirklich etwas zusammen zu bringen, muss man verhandeln und Lobbying betreiben.“

Was sind die inhaltlichen Leitlinien der jetzigen Funktionsperiode?

„Neue Impulse im Floridsdorfer Bezirkszentrum. Viel ist umgesetzt worden, viel ist auf Schiene. Es entwickelt sich rund um das Bezirkszentrum viel frei finanzierter Wohnbau – der auch nötig ist, um die Kaufkraft zu stärken. Und die brauchen wir, um wieder das eine oder andere neue Geschäft in unser Zentrum zu bringen. Zweitens, jedes Jahr ein neuer oder generalsanierter Park. Das gibt es erst, seit ich Bezirksvorsteher bin. Und ich will den Wirtschaftsstandort Floridsdorf stärken. Das Quartiersmanagement ist dafür der wichtigste Motor. Wir waren nicht der einzige Bezirk, der sich dafür beworben hat – deshalb bin ich  unheimlich stolz, dass wir das bekommen haben.

Stehen die nächsten Projekte fest?

„2018 haben wir zwei Riesenprojekte. Die Neugestaltung Pius-Parsch-Platz inklusive der Promenade und die Neugestaltung Hoßplatz.“

Und wann ist endlich die Aufwertung des Schlingermarktes an der Reihe?

„Von der Wichtigkeit hat der Schlingermarkt die gleiche Dimension, finanziell ist es noch nicht abschätzbar. Der Schlingermarkt ist Kommunikationsdrehscheibe und Nahversorger für Foridsdorfer – er ist der letzte Markt in Transdanubien! Wir als Bezirk müssen Rahmenbedingungen verbessern und da braucht es auch Budget. Eine Studie der MA19 um 28.000 Euro, die bis August fertig ist, läuft. Es geht um Verkehrsfragen, verbessertes Wegenetz, der Wunsch nach einem Brunnen …Was wir als Bezirk nicht können, sind die Hausaufgaben der Marktstandler machen: Also gemeinsame Öffnungszeiten oder ein großangelegtes Werbekonzept.“

Die kritisierten Standler sagen: Wir hören jetzt seit 30 Jahren, dass was passiert!

„Ich habe zweimal die Standler eingeladen – nur ein Drittel ist gekommen. Aus meiner Sicht haben wir in den letzten 30 Jahren gut gemeint in den Tag gearbeitet. Wir wollen jetzt das große Ganze. Und wir werden die MA59 bitten sich anzusehen, ob man die Marktordnung strenger auslegen kann oder bei denen, die den Stand nur zum Produzieren nutzen, eingreifen kann. Da sind sich alle Fraktionen einig.“

Bezirksvorsteher Georg Papai (rechts) beim Interview mit DFZ-Chefredakteur Hannes Neumayer im Gasthaus Birner an der Alten Donau. Bilder: Robert Sturm. cordbase.com
Bezirksvorsteher Georg Papai (rechts) beim Interview mit DFZ-Chefredakteur Hannes Neumayer im Gasthaus Birner an der Alten Donau. Bilder: Robert Sturm. cordbase.com

Wie kann die Sicherheit am Bahnhof Floridsdorf erhöht werden?

„Der Franz-Jonas-Platz ist der fünftgrößte Bahnhof Wiens. Wir haben die typischen Probleme eines Bahnhofvorplatzes erst seit ein paar Jahren. Wir haben das Fair-Play-Team, die Polizeipräsenz erhöht, dreimal pro Woche kommt die Bereitschaftseinheit der Stadt Wien, die ÖBB haben einen eigenen Sicherheitsdienst und wir haben eine engagierte Grätzlpolizistin – und diese Maßnahmen sind auch wahrnehmbar. Eine Polizeistation am Bahnhof würde gar nichts verbessern. Am Praterstern hat es auch nichts gebracht. Wir brauchen Polizei die draußen ist!“

Sie sind selbst Donaufelder – wie sehr schmerzt es Sie, dass nun auch der letzte Teil des ‘Feldes‘ komplett verbaut wird?

„Wir haben dort im Moment die Radieschen mit der besten Infrastruktur der Welt. Die haben zwei Straßenbahnlinien, eine fertige Erholungsversorgung, gute Einkaufsmöglichkeit, gute Arztversorgung, gute Bildungseinrichtungen. Ich möchte, dass die Menschen diese Infrastruktur genießen können. Und nicht die Radieschen. Wir haben eindeutig Bedarf an Wohnbau: Jede Woche kommen Menschen zu mir in die Sprechstunde, die sagen ‘können Sie mir helfen, wir suchen eine Wohnung’. Natürlich gibt es rundherum Anrainer, denen das nicht recht ist, weil zum Beispiel ihr Blick verbaut wird oder weil es zusätzlichen Lärm und Verkehr geben wird.“

Die Verkehrsinfrastruktur an der Donaufelder Straße, Dückegasse, Fultonstraße und An der Oberen Alten Donau ist jetzt schon überfordert – wie soll das mit 15.000 Menschen mehr funktionieren?

„Da wird es Maßnahmen brauchen. Es ist vorgesehen, dass es eine neue Straßenbahnlinie durch das Gebiet gibt – in der Stufe 2 des Ausbaus. Ganz unten an der alten Donau wird der 33A durchfahren. Die Kreuzung Dückegasse und Donaufelder Straße braucht eine bauliche Änderung, um mehr Autos bei der gleichen Grünphase über die Kreuzung zu bekommen. Insgesamt soll es ein autoreduzierter Stadtteil sein: An der Oberfläche soll es keine großen öffentlichen Parkräume geben. Das Grundkonzept sah für 6.000 Wohnungen 1.200 Parkplätze vor, davon 400 für Besucher. Ich habe gekämpft und mit der Stadtplanung vereinbart: Für 6.000 Wohnungen 3.000 Parkplätze. 50% in Sammelgaragen und 50% in herkömmlichen Tiefgaragen. Dafür haut mich jetzt die Bürgerinitiative Donaufeld!“

Im Stadterweiterungsgebiet Donaufeld werden 15.000 Menschen leben, in der Seestadt Aspern 20.000. Das Donaufeld bekommt am Ende eine neue Straßenbahn, in Aspern gab es vorab eine U-Bahn. Läuft da nicht was falsch?

„Das Donaufeld hat auf einer Seite vier Stationen zur U1 auf der anderen zur U6. So schlecht liegt es verkehrstechnisch nicht.“

Es geht auch darum wie gebaut wird: Ist das benachbarte Gebiet in der ‚Tokiostraße‘ das Vorbild?

„Nein, so wie es in der Tokiostraße ist, darf es auf keinen Fall passieren. Das sind einfach Straßenschluchten. Ich würde mich mehr mit der Höhe spielen. Zum Beispiel an der Ecke Dückegasse und Donaufelder Straße könnte ein Leuchtturmprojekt entstehen. Und zur alten Donau hin könnte man flacher werden.“

Am Papier ist ein großzügiger Grünzug eingezeichnet, kommt der auch?

„Der Grünzug ist zu 100 Prozent gewidmet. Er ist also nachhaltig vor Verbauung geschützt. Die Flächen, die nicht im Besitz der Stadt sind, könnten von privaten Besitzern natürlich auch eingezäunt werden.“

Sollen diese Besitzer enteignet werden?

„Langfristig sollte man die Eigentümer schon dazu drängen, die Flächen der Allgemeinheit zu einem ortsüblichen Preis – also Grünwidmung – zur Verfügung zu stellen! Momentan wollen die Eigentümer einen Baulandpreis.“

Viele Floridsdorfer meinen, es wird zu viel im Bezirk gebaut.

„Ich verstehe, dass es da einen Diskurs gibt. Darum ist es wichtig, dass 2015 ein Drittel der Bezirksfläche zum Landschaftsschutzgebiet erklärt wurde. Ein Großteil ist Schutzwald und Wiese, die langfristig vor Verbauung geschützt sind. Denn was sind die Goodies von Floridsdorf? Die Grünraumversorgung, die hohe Naherholungsqualität  – und das soll auch so bleiben. Diskurs gibt es immer nur bei konkreten Projekten, wenn es um eine persönliche Betroffenheit geht. Und ich merke, die die kurz hier wohnen, schreien lauter, als die, die schon 20, 30 Jahre in Floridsdorf wohnen.“

Im Wahlkampf 2015 hat die SPÖ eine Beschleunigung der Straßenbahnen und eine neue Linienführung mit den Worten „was wir versprechen, hat nicht nur Hand und Fuß, sondern kann auch unmittelbar nach der Wahl umgesetzt werden“, angekündigt. Nichts davon ist umgesetzt. Ein gebrochenes Wahlversprechen?

„Nein. Wir haben gesagt, mit der Inbetriebnahme des Krankenhauses Nord, die sich verzögert. Durch den 15-Minuten-Takt auf der S3 haben sich die Rahmenbedingungen geändert. In Strebersdorf nutzen jetzt viel mehr Menschen die Schnellbahn. Eine Möglichkeit wäre nun die Linienführung zu belassen und nur die Intervalle zu verdichten. Aber wir probieren, ob es eine Direktverbindung vom SMZ Ost ins Krankenhaus Nord geben kann.”

Ab wann? Stadträtin Frauenberger sagt, Patienten ziehen im Krankenhaus Nord im Frühjahr 2019 ein …

„Die Straßenbahnänderung soll im Sommer 2018 kommen. Aber ich bin nicht unglücklich, dass ich für das Krankenhaus Nord nicht finanziell und zeitplanmäßig zuständig bin!“

Sonstige Verkehrsideen und – pläne?

„Wir bekommen den neuen Autobus mit dem Krankenhaus Nord, der 31A wird das Ausbaugebiet Leopoldau zusätzlich anfahren. Mit Schulbeginn wird es beim 27A durch Änderungen bei Einziehfahrten eine Intervallverlängerung geben. Aber es gibt sicher noch großen Nachholbedarf: Zum Beispiel hat sich der 32A noch keinen Millimeter zum Ausbaugebiet Grellgasse bewegt. Der fährt, wie wenn es das Gebiet nicht gäbe.“

Braucht es eine U6-Verlängerung?

„Aus meiner Sicht ja. Aber immer mehr Stammersdorfer sagen, sie wollen sie gar nicht. Weil es eine weitere Bauverdichtung bedeuten würde. Durch die Entscheidung, die U5 zu bauen, brauchen wir die nächsten 10 Jahre nicht darüber reden.“

Keine U6-Verlängerung, keine City-Bike-Station, etc. – fühlen sich Floridsdorfer zu Recht wie Stiefkinder der Stadtpolitik?

„Wir haben viele Förderungen und Projekte bekommen wie 40 Prozent Zuschuss für den Umbau der Thayagasse und die neue Lichtanlage im Wasserpark. Oder das Millionenprojekt Quartiersmanagement. Nicht im Bauch, sondern im Kopf würde ich sagen: Ganz klar ein Mythos!“

Gibt es eine unterschiedliche Eigen- und Fremdwahrnehmung von Floridsdorf?

„Viele die nicht in Transdanubien wohnen, können es sich schwer über der Donau vorstellen. Aber wir haben eine der geringsten Wegziehraten. Es gibt eine unheimlich hohe Identität mit Floridsdorf, auch ein hohes Selbstbewusstsein. Oft sogar noch als Strebersdorfer, Jedlersdorfer, …

Wer wird nächster Bürgermeister?

„Das entscheiden die Parteigremien.“

Wäre Michael Ludwig ein guter Bürgermeister?

„Natürlich!“

Interview: Hannes Neumayer

 

Georg Papai: Vom Elektroinstallateur zum Politiker

Georg Papai (geb. 10.10. 1973) ist in Jedlesee im Gemeindebau Karl-Seitz-Hof aufgewachsen. Die letzten 17 Jahre wohnt er in Donaufeld. Er ist Vater von zwei Kindern und lebt in einer Lebensgemeinschaft. Beruflich hat Papai eine Lehre als Elektroinstallateur absolviert und danach als Regionalsekretär der Gewerkschaft der Privatangestellten Betriebsrätinnen und Betriebsräte betreut. In den letzten Jahren, bevor er Bezirksvorsteher wurde, war er Organisationssekretär der SPÖ Wien und damit unter anderem für den organisatorischen Ablauf des Wiener Donauinselfestes mitverantwortlich. Er war Vorsitzender der Sozialistischen Jugend Wien und beim Wiener Arbeiterturnverein tätig. Seit 1996 war Papai im Floridsdorfer Bezirksparlament, seinerzeit als Wiens jüngster Bezirksrat. 2008 wurde er Klubvorsitzender der SPÖ Floridsdorf. Seit März 2014 ist er Floridsdorfer Bezirksvorsteher.