Begrünte Wartehäuschen als weiterer Beitrag im Kampf gegen Hitzeinseln

Begrünte Wartehäuschen als weiterer Beitrag im Kampf gegen Hitzeinseln

Mit einer Vielzahl von Maßnahmen kämpft die Stadt Wien gegen klimawandelbedingte Hitzeinseln in der Stadt. Im Frühjahr hat Umwelt-Stadträtin Ulli Sima ein Maßnahmenpaket in der Höhe von rund 3 Millionen Euro auf den Weg gebracht: 2,3 Millionen Euro Klima-Förderung stehen für Bezirke zur Verfügung. Damit können zahlreiche Maßnahmen, wie die Pflanzung größerer Stadtbäume, Nebelduschen, Wasserfontänen oder Pergolen finanziert werden. Für Fassaden-, Dach und Innenhofbegrünungen wurden die bestehenden Fördermittel um rund 500.000 Euro erhöht. Zusätzlich gibt es ein 8 Mio. Euro Sonderbudget für großflächige Baumpflanzungen. Neben der Aufstockung des Budgets für Vertikalbegrünungen, Innen- und Dachbegrünungen sowie dem weiteren Ausbau von Grünflächen, gibt es nun einen Pilotversuch mit begrünten Wartehäuschen: „Die Wiener Stadtgärten waren hier erneut innovativ. Gemeinsam mit den Wiener Linien und Gewista haben sie ein System entwickelt und umgesetzt das mit schnellwüchsigen Pflanzen ein dichtes Blätterdach bildet. Damit wird das Wartehäuschen beschattet und die Umgebungstemperatur gesenkt. Zudem ist die Begrünung eine optische Aufwertung für die Umgebung“, so Öffi-Stadträtin Ulli Sima, die heute den Prototypen bei der Straßenbahnhaltestelle der Linie 1 am Franz Josefs Kai präsentiert hat. Zu Beginn werden fünf Wartehäuschen begrünt. Weitere Standorte sind am Julius-Raab-Platz gegenüber der Urania, am Parkring 12 A, der Vorgartenstraße bei U-Bahn-Station-Krieau, am Universitätsring Ecke Stadiongasse geplant. Das Pilotprojekt wird ein Jahr lang evaluiert.

5 m lange „Mauerkatzen“ bilden kühlendes Gründach

Konkret werden dazu je zwei Stück 120 cm breite und 60 cm hohe Pflanztröge an der Rückseite der Wartehäuschen aufgestellt, die den Pflanzen ausreichend Lebensraum bieten und mit einem Wasserspeicher und einem wasserspeichernden, humosen Substrat ausgestattet sind. Sie werden mit rund fünf Meter langen Parthenocissus tricuspidata ‚Veitchii‘ – auf Deutsch „Mauerkatze“ – bepflanzt. „Die Besonderheit ist, dass hier nicht nur die Vertikale begrünt wird, sondern sich die schnellwüchsigen Pflanzen aufs Dach legen und mit ihren großen, glänzenden Blättern in kurzer Zeit ein kühlendes Blätterdach bilden“, erklärt Joachim Chen, Stv. Leiter der Wiener Stadtgärten. Nach dem Sommer erfreut dann die prachtvolle, rote Herbstfärbung der Pflanzen das Auge der Öffi-NutzerInnen. Die Pflege der begrünten Wartehäuschen aus dem Pilotversuch übernehmen die Wiener Stadtgärten. Vor einigen Monaten wurde parallel dazu gemeinsam mit drei Schülern der Höheren Bundeslehr- und Forschungsanstalt für Gartenbau in Schönbrunn ein Begrünungsprojekt umgesetzt. Eine Haltestelle des 62A in Meidling wurde als Teil einer Diplomarbeit, die zur Aufgabe hatte, die Luftverschmutzung und den Klimawandel zu verringern, mit duftenden Kräutern begrünt. Eine direkte Bepflanzung am Dach ist bei den älteren Modellen der Wartehäuschen aus statischen Gründen und aufgrund der gebogenen Dachform schwierig. Bei den Wiener Linien gibt es rund 2.200 Wartehäuschen, die von der Gewista betrieben werden.

Ideen-Challenge: Neue Begrünungsprojekte für Wartehäuschen gesucht

Bei Neubauten von Wartehäuschen soll die Begrünung künftig bereits in die Planung einfließen. Dafür haben die Wiener Linien gemeinsam mit der innovationsfördernden öffentlichen Beschaffung (IÖB) eine Ideen-Challenge ins Leben gerufen. „Der öffentliche Verkehr ist nicht nur die Lebensader der Stadt, sondern schafft auch neue Lebensräume. Wir wollen innovative ArchitektInnen, GärtnerInnen und anderen Unternehmen aktiv die Möglichkeit geben, ihre Ideen einzubringen“, so Günter Steinbauer, Geschäftsführer der Wiener Linien, über den Ideenwettbewerb. Bis 10. Oktober 2019 können die Ideen unter http://innovationspartnerschaft.at/challenges eingereicht werden. „Wir sind schon gespannt darauf, welche kreativen Konzepte am Markt sind. Nächstes Jahr wird es für das beste Konzept eine Ausschreibung geben.“ Die Öffis noch klimaschonender zu machen, steht derzeit klar im Fokus.

Maßnahmenpaket „Cooles Wien“: Kampf gegen die urbanen Hitzeinseln

Die Stadt Wien kämpft seit Jahren gegen den Klimawandel.  Zentraler Hebel dabei ist der weitere Ausbau der Öffis oder die umweltfreundliche Energieversorgung. Neben den vielen aktiven Klimaschutzmaßnahmen müssen aber auch Maßnahmen gegen die bereits spürbaren Auswirkungen gesetzt werden. So gibt es in der ganzen Stadt an heißen Sommertagen „Sofortmaßnahmen“ mit cooling-Angeboten: Diese reichen von intervallgeschaltenen Sprühnebelduschen der Wiener Stadtgärtner an rund 50 Plätzen, über Sprühschläuche (insgesamt 600 Meter) auf besonders heißen Plätzen wie dem Schwarzenbergplatz oder dem Praterstern bis hin zum schon legendären „Sommerspritzer“ – der Innovation der Experten von Wiener Wasser. Dabei handelt es sich um 3 m hohe Aufsätze mit 34 feinen Sprüh-Düsen auf Hydranten inklusive Trinkvorrichtung. Aktuell befinden sich die Sommerspritzer am Praterstern, am Präuscherplatz, im Resselpark, im Votivpark und in der Arbeiterstrandbadstraße. Ein weiterer Ausbau  erfolgt im nächsten Jahr.

In der ganzen Stadt gibt es über 1.000 Trinkbrunnen mit kühlem Gratis-Nass und die 25 über 3 m hohen mobilen Trinkbrunnen sind ebenfalls mit Sprühduschen versehen und kühlen die Umgebung. Wiener Wasser hat auch einen 12 m2 großen Wasservorhang im Einsatz, der für Freude und Abkühlung bei Alt und Jung sorgt.

Nachhaltige Kühlungs-Offensiven – Förderung für die Bezirke 

Neben diesen „Sofortmaßnahmen“ an heißen Tagen setzt die Stadt Wien ein umfassendes Maßnahmenpaket „Cooles Wien“ um. Es wurde ein eingangs schon erwähntes 2,3 Mio. Euro schweres Förderpaket beschlossen, im Rahmen dessen die Bezirke kühlende und klimafreundliche Schritte kofinanziert bekommen:  Von Pflanzung größerer Stadtbäume und Staudenbeeten, über Maßnahmen fürs Wasserspeichern unter Bäumen im Rahmen des sogenannten „Schwammstadt-Projekts“, bis hin zur Entsiegelung befestigter Flächen zugunsten von Grünflächen und begrünte Pergolen, die Schatten und Verdunstungskühle spenden. Auch Wasserspiele, Sprühnebel und Trinkbrunnen können gefördert werden. Für Privatpersonen wurden die Förderungen für alle Vertikal-, Innenhof- und Dachbegrünungen auf 500.000 Euro aufgestockt und die Stadt Wien will heuer und nächstes Jahr 150 begrünte Häuser umsetzen.

Alle Infos zu den Klima- und cooling-Maßnahmen auf: https://www.wien.gv.at/umwelt/cooleswien/