Bisamberg: Hund reißt Reh – aber es gibt keine Konsequenzen!

Bisamberg: Hund reißt Reh – aber  es gibt keine Konsequenzen!

Senderstraße in Stammersdorf: Hundebesitzer nicht ausforschbar / Jäger können keine Anzeige erstatten / Allein im Revier Stammersdorf wurden 2018 13 Rehe von Hunden gerissen!

Tatort Senderstraße: Am ersten Weihnachtsfeiertag beobachtete ein Spaziergänger wie ein freilaufender Hund ein Reh riß und tötete. Konsequenz: Keine. Die Polizei nimmt nicht einmal eine Anzeige entgegen.

Martin B. spaziert am 25. Dezember im oberen Teil der Senderstraße in Stammersdorf mit seiner Frau und Tochter: „Wir sehen wie der Hund das Reh reißt. Schreien, aber der Hund lässt nicht los, bis das Reh sich nicht mehr bewegt. Besitzer war keiner in der Nähe.”, schildert er den grausamen Vorfall auf  Facebook. B. ruft die Polizei und geht weiter.

Großes Bild: Martin B.  hielt den traurigen Vorfall am 25. Dezember fest.
Großes Bild: Martin B. hielt den traurigen Vorfall am 25. Dezember fest.

Nach fünf Minuten begegnet er beim Magdalenenhof einem Mann mit einem Hund, der so aussieht wie der, der das Reh gerissen hat: „Noch dazu hatte der Hund eine blutverschmierte Schnauze. Wir machten den Mann darauf aufmerksam, was wir gesehen haben und zeigen ihm das Foto. Der Mann ist ziemlich betroffen und eilt davon.”

Die Polizeibeamten informieren die Jäger, die das tote Tier nur noch abtransportieren können. Erstaunt sind die Jäger, als sie später auf der Polizeistation Anzeige erstatten wollen: Geht nicht! Deshalb unternimmt die Polizei – zumindest offiziell – keine weiteren Anstrengungen zur Ausforschung des Täters bzw. des Hundebesitzers. Ein grundsätzlich korrektes Vorgehen, wie DFZ-Rechtsexperte, Anwalt Mag. Alexander Rimser, bestätigt.

Georg Andrä, Wiener Landesjägermeister Stellvertreter und Jagdleiter der Jagdgesellschaft Stammersdorf. Bild: Privat.
Georg Andrä, Wiener Landesjägermeister Stellvertreter und Jagdleiter der Jagdgesellschaft Stammersdorf. Bild: Privat.

Darüber ist Georg Andrä nicht glücklich. Er ist Wiener Landesjägermeister Stellvertreter und Jagdleiter der Jagdgesellschaft Stammersdorf: „In so einem Fall werden wir gerufen und müssen das Reh entsorgen. Es ist unser Revier und unser Reh!” Der Hundebesitzer konnte nicht ausfindig gemacht werden. Andrä: „Weimaraner gibt es in der Umgebung nicht viele. Aber der Hund wurde seither nicht gesehen.” Was theoretisch gar nicht so schwer wäre: Der gesuchte Hund hat ein markantes Kennzeichen: Einen geknickten Schweif. Deshalb ist Andrä sich auch sicher: „Wir kennen zwei Weimaraner im Revier, die waren es nicht!”

70 Euro Schaden

Sollte der Besitzer doch noch gefunden werden, drohen keine radikalen Konsequenzen, die Stammersdorfer Jägerschaft hat jetzt keinen Zivilprozess im Sinn. „Der Besitzer soll sich melden: Es wäre nett, wenn wir das Reh ersetzt bekommen.”

Was ist ein Rehleben wert?

Kommt darauf an, ist die Antwort der Experten. Der Abschußpreis für einen guten Bock kann schon bei 2.000 Euro liegen. Im Fall eines Wildbretes: 70 Euro. Das wäre auch ‘die Strafe’ für den Hundebesitzer. Kein Einzelfall Im Stammersdorfer Revier gibt es derzeit circa 100 Stück Standwild. Also Wild, das sich permanent im Revier aufhält. Andrä (Bild unten): „Die Anzahl der von Hunden gerissenen Rehe ist leider dramatisch angestiegen: In unserem Revier gab es 2018 13 Hunderisse. Zum Vergleich: Sogenannte ‘Verkehrsrehe’, also bei Unfällen getötete Tiere gab es sieben. Insgesamt also 20 Stück sogenanntes ‘Fallwild’.

Norbert Walter. Foto: Landesverband Jäger Wien.
Norbert Walter. Foto: Landesverband Jäger Wien.

2017 waren es sogar 38! Damit ist Floridsdorf ein absoluter Ausreißer in der Statistik: „In Floridsdorf wurden 2018 insgesamt 59 Rehe erlegt, davon waren 39 reguläre Abschüsse durch Jäger und eben 20 Stück Fallwild”, berichtet Landesjägermeister Norbert Walter. In ganz Wien gab es im Jagdjahr 2017 bei Rehwild 405 Stück Wildabschuss, davon 136 Stück Fallwild.

Übrigens: In drei der 13 Fälle 2018 in Floridsdorf konnten die Hundebesitzer ausfindig gemacht werden. „Die Besitzer sind immer einsichtig und ersetzen das Reh”, weiß Andrä. Übrigens muss im Stammersdorfer Revier kein Hundebesitzer damit rechnen, dass sein Vierbeiner von einem Jäger abgeschossen wird. Andrä: „Ich bin hier jetzt 27 Jahre Jagdleiter, es wurde kein Hund erschossen.”

Walter, im Bezirk auch als Winzer bekannt: „Als Wiener Landesjägermeister appelliere ich daher an alle Hundebesitzer, zum Schutz der Wildtiere ihre Hunde im Flur, Wald und in den Weingärten nicht frei laufen zu lassen.” -Hannes Neumayer