Das ‘kranke Haus’ in Floridsdorf

Das ‘kranke Haus’ in Floridsdorf
Selten ist Floridsdorf so oft in den Schlagzeilen. Doch in den letzten Monaten kommen die, meist negativen, Meldungen zum Krankenhaus Nord an der Brünner Straße fast im Tagestakt: Esoterik-Skandal, zu großer und teurer Garten, häufig wechselndes Personal, ein wenig schmeichelnder Rechnungshofbericht. Aufgearbeitet wird all das gerade in einem Untersuchungsausschuss im Gemeinderat. Wir haben mit zwei Floridsdorfer Mitgliedern gesprochen.

Das Positive vorweg: Eigentlich haben wir verdächtig lange nichts von weiteren Verzögerungen gehört. Ende 2019 soll das Krankenhaus Nord in den regulären Betrieb mit Patienten starten. Rechtzeitig vor den für 2020 geplanten Wiener Gemeinde- & Bezirkswahlen. Bis dahin versuchen die Oppositionsparteien FPÖ, ÖVP und NEOS genüßlich einen Skandal nach dem anderen auszuweiden. Die SPÖ ist bemüht, jede direkte oder gar persönliche Verantwortung zurückzuweisen. Fazit des bisherigen Verlaufs des Untersuchungsausschusses: „Keiner will Schuld gewesen sein!”
SPÖ-Gemeinderat Gerhard Spitzer. Bild: Privat.
SPÖ-Gemeinderat Gerhard Spitzer. Bild: Privat.

Gerhard Spitzer (Bild) sitzt für die SPÖ im U-Ausschuss und kann „den großen Skandal, den die FPÖ aufzeigen will” nicht orten. „Niemand hat ins Ladl gegriffen. Wenn die Zeugen die Wahrheit sagen, waren die Vergabe und alle Ausschreibungen okay.”

Bleibt die berechtigte Frage: Wie kann man sich bei Inbetriebnahme und Kosten dermaßen eklatant vertun? Das Spital wird drei Jahre später eröffnen und um 400 Millionen teurer als geplant sein. Spitzer: „Die Planungsgrundlage hat sich von 300 Betten auf 785 für geschätzte 46.000 stationäre Behandlungen pro Jahr geändert. Aber vor allem liegt es an der Fehlleistung der Statikfirma. Und im Bau zieht jede Verzögerung eine Lawine nach sich, weil andere Gewerke stehen.” Im Fall des KH Nord waren sogar unverschuldete Firmenpleiten eine der Folgen.
Für die FPÖ ist Gemeinderat Michael Niegl als Ersatzmitglied im U-Ausschuss dabei. „Die U-Kommission, die den Milliardenskandal KH Nord aufzuklären versucht, wird immer wieder behindert, indem lediglich lückenhafte Informationen und Unterlagen von Seiten der Stadt und des KAV zur Verfügung gestellt werden”, berichtet er. Auch die Wahrnehmung der Zeugenaussagen klingt bei Niegl ganz anders: „Dipl.-Ing. Anton Plimon hat berichtet, dass das Grundstück an der Brünner Straße wegen Lärms, Vibrationen und der elektromagnetischen Belastung am schlechtesten für ein Krankenhaus geeignet war. Um Schall und elektromagnetische Schwingungen unter Kontrolle zu haben, mussten 20 Millionen Euro extra investiert werden.”
Die Liste der Verfehlungen wäre lang: 95.000 Euro für Esoterikberatung, 600.000 Euro für einen nutzlosen Brunnen, 46.000 m2 Heilpark um fast 6 Millionen Euro (Erhaltungskosten jährlich 250.000 Euro), mangelhafte Statikberechnungen (die zu Teilabrissen führten), Wassereintritt im Keller mit Feuchte- und Schimmelschäden als Folge, der KAV als Bauherr heillos überfordert – kein Wunder, dass manche statt vom Krankenhaus vom ‘kranken Haus’ an der Brünner Straße sprechen.
Auszug aus dem Gutachten.
Auszug aus dem Gutachten.

Neue Grundwasserprobleme: Gefahr durch Altlast Pilzgasse?

Und Niegl berichtet der Floridsdorfer Zeitung von einem bisher unbekannten Problem. Zur Absicherung mussten entlang der kompletten Brünner Straße Spundwände eingezogen werden. Diese sollten laut Gutachten im Anschluss wieder herausgenommen werden. Niegl: „Beteiligte Arbeiter haben uns glaubhaft versichert, dass die Spundwände nicht entfernt werden konnten. Offensichtlich waren die Haftkräfte zu stark, nach mehreren Versuchen hat man aufgegeben.”
Der FPÖ Gemeinderat befürchtet nun Grundwasserprobleme. Denn genau in dem Bereich verlaufen unterirdisch zwei Altarme der Donau und das auf relativ hohemNiveau. Niegl: „Bekanntlich gibt es nicht unweit die Altlast W7 in der Pilzgasse. Durch die verbliebenen Spundwände und eventuell veränderte Grundwasserströme könnten nun die Sicherungsmaßnahmen beeinträchtigt werden und eine Gefahr durch Giftstoffe bestehen.” Deshalb fordert die FPÖ eine Untersuchung.
       -Hannes Neumayer