Der Mann, der in die Kälte schwimmt

Der Mann, der in die Kälte schwimmt

Floridsdorfs Extremschwimmer Josef Köberl will im Juli den eisigen britischen Nordkanal durchqueren.Die durchschnittlichen Wiener stecken Ende Mai oder Anfang Juni zaghaft ihre Zehen in die noch frischen Gewässer von Neuer oder Alter Donau. Josef Köberl kostet das nur ein Schmunzeln. Die durchschnittlichen Wiener stecken Ende Mai oder Anfang Juni zaghaft ihre Zehen in die noch frischen Gewässer von Neuer oder Alter Donau. Josef Köberl kostet das nur ein Schmunzeln. Floridsdorfs ‘Eisschwimmer’ trainiert das ganze Jahr, um sein großes Ziel zu erreichen: Die Durchquerung des britischen Nordkanals.

Der Nordkanal liegt zwischen Nordirland und Schottland, ist circa 35 Kilometer breit und kann Mitte Juli eine Wassertemperatur von 12 – 14 Grad aufweisen. Für Köberl seine zweite große Herausforderung, den Ärmelkanal hat er bereits durchquert.Dabei ist der heute 40-Jährige ein Spätberufener. Erst 2010 hat er mit dem (Eis-)Schwimmen begonnen: „Eigentlich bin ich ja ein nicht so guter Schwimmer. Aber mich fasziniert, dass ich beim Schwimmen so gut abschalten kann. Und bei Kanaldurchquerungen ist es vor allem der Fight mit sich selbst. Denn der Kopf sagt: ‘Es ist zu kalt, lass es!’. Du musst eine Strategie entwickeln, um durchzuhalten.” Die von Köberl: „Ich denke an die Familie. Was sie in dem Moment  gerade macht.“

Alle Bilder: Robert Sturm. cordbase.com

In der Vergangenheit hat Josef Köberl bereits einige harte Schwimmerfahrungen gemacht. Neben dem Ärmelkanal, zweimal die Ice Mile – 1609,8 Meter bei unter 5 Grad Wassertemperatur. Er hat ‘24 Stunden Schwimmen’ sowie ‘48 Stunden Schwimmen’ hinter sich. In Wien organisiert er im Winter, als Präsident der Ice Swimming Association Austria, regelmäßig Eisschwimmen.Köberl wohnt heute in Jedlersdorf, kommt ursprünglich aber aus dem Ausseerland. Dort ist man auch im Sommer frische Gewässer, wie den Grundlsee gewohnt. „In Österreich ist man als Eisschwimmer Außenseiter, in Irland bist du der Held. Die wissen was es bedeutet, bei heftiger Tide und 14 Grad Wassertemperatur den Nordkanal zu durchqueren.”

Josef Köberl an der Alten Donau. Bild Robert Sturm. cordbase.com.
Josef Köberl an der Alten Donau. Bild Robert Sturm. cordbase.com.

In seinem Fall noch dazu ohne Neoprenanzug. Damit ist er quasi der Reinhold Messner des Wassers. Ein Vergleich, der dem sympathischen Wahl-Floridsdorfer durchaus gefällt: „Ja, was ich vorhabe, ist wie den K2 ohne Sauerstoff zu besteigen!”

Um in der Zeit vom 15. bis 20. Juli einen ‘Zeit-Slot’ für den Nordkanal zu bekommen, musste er sich erst qualifizieren. In Carlingford bei der Trainingsserie ‘Hit the Wall’ konnte Köberl seine Mauer durchbrechen. Es wurden mehrere Schwimmbewerbe ausgetragen, darunter ein ‘1-Stunden-Nachtschwimmen’, ein 2km-Wettkampf bei 12 Grad, ein 7,5 km Wettkampf bei 13 Grad und ein 90 Minuten Schwimmen im Viererteam und darauf eine halbe Stunde in 10-11 Grad kaltem Wasser.

Josef Köberl an der Alten Donau. Bild Robert Sturm. cordbase.com.
Josef Köberl an der Alten Donau. Bild Robert Sturm. cordbase.com.

Der Höhepunkt war die Quali für den Nordkanal. Hier galt es acht Stunden im Meer mit wechselnden Gezeiten, starkem Wind und sechs Stunden Dauerregen im 13 Grad kalten Meer zu überstehen. Köberl schaffte dabei 20 km. Durchfroren aber glücklich konnte er seine Starterlaubnis entgegennehmen. Nun folgt ein Training in Slowenien. Danach werden noch einige Wettkämpfe in Österreich geschwommen. Haupttrainingsgebiet für Köberl, der im Verteidigungsministerium arbeitet und für militärische Überflugsgenehmigungen zuständig ist, sind ganzjährig Neue und Alte Donau.

Dennoch ist der Nordkanal kein Selbstläufer. Die Gewässer sind vier Grad kälter als der Ärmelkanal, „was sehr viel ausmacht”. Die Wellen sind giftiger und die Quallen lästige Begleiter auf den 35 Kilometern, übrigens zwei mehr als der Ärmelkanal. Köberl: „Die große Gefahr darin besteht zu unterkühlen. Auch Quallen aller Art können zum Showstopper werden, darunter die Portugiesische Galeere.” 14 bis 15 Stunden soll die Durchquerung von Bangor nach Portpatrick dauern. Sie kostet schon 600 Euro Genehmigung, Begleitboot und Reise summieren sich auf 7.500 Euro (Köberl sucht noch Sponsoren)! Schafft er es, gibt es im Ziel eine „schöne Erinnerungsmedaille”. Und ganz sicher die Anerkennung der Einheimischen. Denn: 2000 Menschen haben den Ärmelkanal durchschwommen. Aber erst 45 den Nordkanal.

Josef Köberl an der Alten Donau. Bild Robert Sturm. cordbase.com.
Josef Köberl an der Alten Donau. Bild Robert Sturm. cordbase.com.

Für Josef Köberl soll es nur eine Station zu seinem großen Gesamtziel sein: Die ‘Ocean 7’. Die sieben größten Kanaldurchquerungen der Welt. 2018 steht Gibraltar am Plan. Abenteuer in Japan, Neuseeland, bei San Francisco und vor Hawaii warten. Am Ende ist dann vielleicht auch die Familie dabei: „Mein Frau hat gesagt, sie kommt erst mit, wenn es zu den wärmeren Reisezielen geht”, schmunzelt Köberl.

Übrigens: Ein Floridsdorfer Gewässer steht nicht auf der To-Do-Liste. Köberl lacht: „Der Marchfeldkanal ist und bleibt unbezwungen!           -HANNES NEUMAYER