Der Mensch strebt in Wahrheit nach Anerkennung von der Wiege bis zur Bahre

Der Mensch strebt in Wahrheit nach Anerkennung von der Wiege bis zur Bahre
Meine lieben „Fluaridsduafa“!
Vielleicht habt Ihr in einem Medium, etwa in einer Zeitung oder in einem sozialen Medium vor wenigen Wochen davon gelesen, dass man mir eine Ehrung zuteil werden ließ. Es war anlässlich der jüngsten Premiere im Gloria Theater, als der Herr Bezirksvorsteher mir diese in Form eines schönen Wappentellers überreichte, da man meinte, ich hätte mir besondere Verdienste um das kulturelle Leben in Floridsdorf erworben.

Ein wohlmeinender Freund schrieb mir übrigens in Bezug auf die Inschrift auf diesem Wappenteller: „Für ein kleines Dankeschön (so steht es da nämlich geschrieben) ist dieser Teller eigentlich zu groß. Andererseits ist er für Deine Verdienste
wiederum zu klein!“
Nun kann man darüber freilich geteilter Meinung sein. Wer mich kennt, der weiß, dass ich meine Profession aus Überzeugung und Leidenschaft ausübe. Und darin, dass es hierseits der Donau an festen Theatern mangelt und dass mich meine Theaterleidenschaft dazu getrieben hat, ein solches zu gründen, sehe ich keinen besonderen „Verdienst“, zumal ein Theater in der Regel mehr Geld benötigt als einspielt. Aber vielleicht ist mit „Verdienst“ auch gar nicht mein Einkommen gemeint.
Nun gut, Ehrungen und Anerkennungen freuen einen sicher. Ein Schelm, wer das leugnet. Der Mensch strebt in Wahrheit nach Anerkennung von der Wiege bis zur Bahre. Und man sollte auch niemanden des Glückgefühls daran berauben, einem anderen Menschen eine Freude zu bereiten!
Das Brot des Mimen ist jedoch in erster Linie aus dem Lachen, den Tränen und der Verzauberung der Zuseher gebacken. Der Backofen wird andererseits mit den zur Verfügung stehenden finanziellen Mitteln befeuert. Die sicherzustellen, darin liegt dann auch oftmals die wahre Herausforderung für einen Prinzipal.
Dass das Gloria Theater bereits so viele Jahre die kulturelle Landschaft unseres Heimatbezirkes bereichern kann, das ist nur mit zufriedenen und treuen Zusehern möglich, und mit politischen
Verantwortlichen, die die Existenz einer solchen Bühne als wichtig erachten und unterstützen.
            Euer Gerald Pichowetz