Die Polizei appelliert an die Bevölkerung, freiwillig auf Pyrotechnik zu verzichten

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Bild: PID/Martin Votava.
Bild: PID/Martin Votava.

Zu Silvester versammeln sich in ganz Wien hunderttausende Menschen, um gemeinsam den Rutsch in das neue Jahr zu feiern. Dies geschieht hauptsächlich im Bereich der Veranstaltung „Silvesterpfad“ in der Inneren Stadt, aber auch an vielen anderen Orten im ganzen Stadtbereich. Die Polizei Wien wird neben den Regelkräften mit mehreren hundert Polizistinnen und Polizisten zusätzlich in verschiedenen Einsatzabschnitten wienweit im Einsatz sein. Neben Beamten der Bezirkspolizei werden Kräfte der WEGA, der Polizeidiensthundeeinheit, der Landesverkehrsabteilung sowie des Landeskriminalamtes u.a. eingesetzt this site.

Zum Jahreswechsel werden im gesamten Wiener Stadtgebiet eine Vielzahl an Feuerwerksraketen, Knallkörpern und anderer Pyrotechnik von Privatpersonen gezündet. Das Zünden vieler gängiger Gegenstände (ab Kategorie F2: Blitzknallkörper, Schweizerkracher, alle Raketen, Knallfrösche, Sprungräder und andere) ist im Ortsgebiet ausdrücklich verboten. Darüber hinaus gibt es diverse absolute Verwendungsverbote in der Nähe von Tankstellen, Kirchen, Krankenhäusern usw. Wo und soweit es der Polizei möglich ist, wird repressiv gegen Verstöße gegen das Pyrotechnikgesetz vorgegangen. Es drohen empfindliche Strafen sowie der Verfall der mitgeführten pyrotechnischen Gegenstände. Alljährlich kommt es aufgrund der bewussten Missachtung der gesetzlichen Verwendungsverbote zu gefährlichen Situationen, Bränden und Sachbeschädigungen sowie teils schwer verletzten Personen.

Bild: LPD Wien.
Bild: LPD Wien.

Die Polizei appelliert an die Bevölkerung, freiwillig auf Pyrotechnik zu verzichten, denn die Handhabung dieser Gegenstände ist aus vielerlei Gründen gefährlich. Darüber hinaus zeugt das Zünden der lauten Raketen von hoher Rücksichtlosigkeit gegenüber Leidtragenden wie betagten Personen, Patienten in Krankenhäusern sowie Tieren. Die Explosionen belasten auch die Umwelt mit erheblichen Mengen an Schadstoffen. (Anmerkung: Bei den o.a. Inhalten handelt es sich um einen reduzierten, überblicksmäßigen Auszug aus dem Pyrotechnikgesetz 2010. Die vollständigen gesetzlichen Bestimmungen sind dem Gesetzestext zu entnehmen.)

Tiere als Leidtragende

Der Wiener Tierschutzverein meldete im Vorjahr erhebliche Probleme durch das Zünden von Raketen. Der Verein ist in Vösendorf direkt an der Grenze zum Bundesland Wien etabliert. In Zusammenarbeit mit der LPD Niederös- terreich wird es heuer im dortigen Bereich, je nach Einsatzdichte und Perso- naldisponibilität, zu verstärkten Streifenmaßnahmen durch Polizeikräfte kommen.

Böllern und Krachen erzeugt Lärm, der für viele Wienerinnen und Wiener und vor allem auch für die vielen Tiere in unserer Stadt Ärger und eine massive Belastung darstellt. Auch die durchs Krachen erhöhten Feinstaubwerte sind kein würdiger Willkommensgruß an das neue Jahr. Wohnbaustadträtin Kathrin Gaal und Landespolizeipräsident Gerhard Pürstl rufen in diesem Sinn alle Menschen in Wien zum Verzicht von „Silvesterkrachern“ jeder Art auf: „Bitte denken Sie an Ihre Mitmenschen und verzichten Sie zum Jahreswechsel auf das Zünden von Krachern. Missbrauch von Pyrotechnik kann schwerste Folgen für Sie und andere haben.“

Wohnbaustadträtin Kathrin Gaal und Polizeipräsident Gerhard Pürstl erinnern an das Kracher-Verbot. Bild: PID/Martin Votava.
Wohnbaustadträtin Kathrin Gaal und Polizeipräsident Gerhard Pürstl erinnern an das Kracher-Verbot. Bild: PID/Martin Votava.

Anzeige oder Strafe bis 3.600 Euro

Im gesamten Wiener Ortsgebiet herrscht zu Silvester striktes Feuerwerksverbot und die Polizei ist wegen illegaler „Kracherei“ rund um den Jahreswechsel stets im Hochbetrieb. Pyrotechnik-Rowdys und „Zündlern“ von Raketen, Böllern, Krachern und Co drohen dabei Strafen bis zu 3.600 Euro oder gar Anzeigen.

Jedes Jahr Brände und schwere Verletzungen

Beim Hantieren mit pyrotechnischen Gegenständen – auch aufgrund von Fehlfunktionen der Produkte – kommt es leider jedes Jahr zu teilweise schweren Verletzungen. Meist sind Gesicht und Hände davon betroffen, Narben und der Verlust von Fingern oder der ganzen Hand bleiben für den Rest des Lebens eine schlechte Erinnerung an eine dann mehr als unglückliche Nacht.

Zudem werden durch fehlgeleitete Silvesterraketen immer wieder Brände auf Balkonen ausgelöst, die für die BewohnerInnen und NachbarInnen – vom Einfamilienhaus bis in den Gemeindebau – ein großes Risiko darstellen und die VerursacherInnen sehr teuer zu stehen kommen können.

Wiener Tierschutzverein: Silvester – für Tiere kein Grund zum Feiern

Alle Jahre wieder muss es leider sein: Der Wiener Tierschutzverein (WTV) bittet die Bevölkerung auch heuer wieder, von Silvesterfeuerwerk Abstand zu nehmen. Denn für Menschen mag der Jahreswechsel ein Grund zum Feiern sein, für Tiere ist er eher da Gegenteil: eine Horrornacht.

„Die Knallerei rund um Silvester bedeutet für viele Haustiere und Wildtiere extremen Stress und ist pure Tierquälerei. Einige Tiere geraten dadurch gar in Lebensgefahr“, sagt WTV-Präsidentin Madeleine Petrovic. Hunde und Katzen besitzen bekanntermaßen ein wesentlich
feineres Gehör als Menschen und leiden unter der extremen Lärmbelastung oft Höllenqualen. Auch den vielen Wildtieren ergeht es
oft nicht anders. Denn leider bleibt es ja vielerorts nicht bei einem kurzen Feuerwerk gleich nach Mitternacht. Bereits seit Anfang Dezember sind Böller und Raketen heuer bereits zu hören.

Wie schlimm sich Feuerwerk auf die Tiere auswirkt, davon kann man sich leider jedes Jahr an Silvester im Wiener Tierschutzhaus in
Vösendorf selbst ein Bild machen: „Wer einmal gesehen hat, wie sehr unsere Hunde unter dem Knallterror leiden, aus Panik jämmerlich jaulen, unruhig in ihren Zwingern umherirren oder vor Angst urinieren, der überlegt es sich mit Sicherheit, ob er die Raketen an Silvester vielleicht doch nicht zündet. Dieser Anblick ist Jahr für Jahr aufs Neue erschütternd“, so Petrovic.

Im WTV basteln PflegerInnen sowie ehrenamtliche HelferInnen bereits seit einigen Wochen Beschäftigungsmaterial für Hunde und
Katzen, um ihnen den Stress zum Jahreswechsel etwas erträglicher zu machen. Zudem werden einige WTV-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
sowie ehrenamtlich tätige Menschen traditionell auch in diesem Jahr in der Silvesternacht im WTV anwesend sein, um den Tieren ein wenig von ihrer Angst zu nehmen.

Der Appell erfolgt auch nicht ganz uneigennützig. Zu gut sind demVerein noch die Ereignisse des Jahreswechsels von 2017 auf 2018 im Gedächtnis, als dutzende Feierwütige mehrere Stunden rund um das Areal des WTV der Knallerei frönten. Das Resultat: dutzende verstörte
Tiere, das intensive Training mehrerer Wochen und Monate zerstört. Im Vorjahr konnte so ein Vorfall durch ein breites Maßnahmenpaket der
Exekutive verhindert werden. Die Exekutive hat auch diesmal wieder zugesichert, das Pyrotechnikgesetz rund um das Gelände des WTV besonders sorgsam durchzusetzen.

Denn eigentlich ist Knallerei in besiedelten Gebieten komplett verboten. Das besagt im Übrigen auch das Pyrotechnikgesetz. Überdies steht darin geschrieben: „Die Verwendung pyrotechnischer Gegenstände und Sätze innerhalb und in unmittelbarer Nähe von Kirchen, Gotteshäusern, Krankenanstalten, Kinder-, Alters- und Erholungsheimen sowie Tierheimen und Tiergärten ist verboten.“

Eine Spende als Neujahrsvorsatz wäre für die WTV-Präsidentin daher die klügere Idee. „Jede nicht abgefeuerte Rakete hilft den Tieren. Warum also nicht stattdessen einen Euro für jeden eingesparten Feuerwerkskörper für Tierfutter spenden? Das Geld wäre in jedem Falle besser angelegt und verpufft nicht“, so Petrovic abschließend.

Eigentumskriminalität

Taschen- und Trickdiebe sehen vor allem bei großen Menschenansammlun- gen – wie etwa am Silvesterpfad – ein reiches Betätigungsfeld. Jährlich wer- den von der Wiener Polizei zu Silvester und am Tag danach etliche dement- sprechende Anzeigen entgegen genommen. Jeder kann sich selbst gegen Taschendiebstahl schützen, wenn einige simple Tipps befolgt werden. Aus- führliche Informationen und Präventionstipps zu den Themen Eigentum, Ge- walt und Belästigung, Betrug, Sucht u.v.m. bietet die Internetseite des Bun- deskriminalamtes.

Silvesterpfad

Im Zuge der Veranstaltung „Silvesterpfad“ werden auch heuer wieder hun- derttausende Menschen in die Wiener Innenstadt strömen. Gemeinsam mit dem Veranstalter wurde ein umfassendes Sicherheitskonzept erarbeitet, das an die Erfahrungswerte der Vorjahre anschließt. Im Veranstaltungsbereich wird aus Sicherheitsgründen eine Videoüberwachung gemäß den Bestim- mungen des Sicherheitspolizeigesetztes installiert und durchgeführt. Am Sil- vesterpfad herrscht darüber hinaus eine Platzordnung, die u.a. die bloße Mit- nahme von Pyrotechnik untersagt. Die genauen Bestimmungen sind auf https://wienersilvesterpfad.at/ abrufbar.

Verkehrsmaßnahmen

Am 31.12.2019 wird in der Zeit von ca. 10.00 Uhr bis 13.00 (internationaler Silvesterlauf) eine gesamte Ringsperre und ab 19.30 Uhr eine Ringsperre zwischen Operngasse und Grillparzerstraße aktiviert. Sie bleibt zumindest bis 01:30 Uhr des Folgetages aufrecht. Die Polizei appelliert, nur mit öffentli- chen Verkehrsmitteln zu den Festlichkeiten in der Inneren Stadt anzureisen.

Es werden an verschiedenen Örtlichkeiten Rammschutzmaßnahmen getrof- fen. Wo und wann diese aktiviert werden, wird nicht näher veröffentlicht.