Donaufeld: Freigabe für die ersten 1.400 Wohnungen

Donaufeld: Freigabe für die ersten 1.400 Wohnungen

1.400 neue Wohnungen in acht Wohnbauprojekten entstehen auf 71.400 Quadratmetern bis 2023 im östlichen Donaufeld. Die Hälfte der Wohneinheiten wird als besonders günstige SMART-Variante errichtet. Während Politiker den „hochattraktiver Stadtteil“ feiern, bemerken Kritiker: Ein Musterbeispiel, was in Wien alles falsch läuft bei der Stadtentwicklung.

Im Südosten Floridsdorfs wird ein neuer Stadtteil mit rund 1.400 geförderten Wohnungen entstehen. In attraktiver, naturnaher Umgebung wird bis 2023 ein neues Wohnquartier auf einem Areal mit 71.400 Quadratmeter verwirklicht. Das Projektgebiet ist Teil des Stadtentwicklungsgebietes Donaufeld, das zwischen den Bezirkszentren Floridsdorf und Kagran liegt. Bei dem vom wohnfonds_wien in Kooperation mit der IBA_Wien durchgeführten Bauträgerwettbewerb Quartier „An der Schanze“ stehen nun die Sieger für die acht geförderten Wohnbauprojekte fest.

Die Hälfte der Wohneinheiten wird als besonders günstige SMART-Variante errichtet. Im Rahmen der IBA_Wien (Internationale Bauausstellung Wien) werden bei diesem Projekt unter dem Titel „Neues Soziales Wohnen“ neue Modelle und Verfahren erprobt und ein aktiver Beitrag zur Weiterentwicklung der Stadt geleistet. Eine Baugruppe verwirklicht mit ihrem Projekt 50 Wohneinheiten, die mit den sozialen und ökologischen Initiativen auf das gesamte Quartier wirken. Zur Unterstützung alleinerziehender Menschen gibt es Modelle, die zu einem Aufbau sozialer Netze und zur Förderung nachbarschaftlicher Kontakte beitragen. Eine lebendige Erdgeschoßzone leistet dafür einen wesentlichen Beitrag.

„Das Projekt an der Schanze bündelt die ganze Stärke des Wiener Wohnbau-Modells. Hier entsteht in Floridsdorf ein hochattraktiver Stadtteil, der leistbares und lebenswertes Wohnen mit Innovation und sozialer Nachhaltigkeit verbindet“, freut sich Wohnbaustadträtin Kathrin Gaál.

„Das Projekt An der Schanze punktet durch jede Menge Vorteile, die neuen und hochqualitativen Wohnraum für die Floridsdorferinnen und Floridsdorder bringen. Dieses Projekt bietet für Floridsdorf viele neue Möglichkeiten, schafft neue Infrastruktur und macht diesen Teil unseres Bezirks noch ein Stück lebenswerter“, so Georg Papai, Bezirksvorsteher von Floridsdorf.

Kritiker sehn das ganz anders: Dass Politiker sich regelmäßig für Landwirtschaft in der Stadt feiern, dass sogar Paradeiser in Wien angebaut werden und dann „60 Hektar verbetonieren und nachhaltig versiegeln, die zu den sieben Prozent der besten Erden in Österreich gehören, passt einfach nicht zusammen“, so ein Experte, der lieber nicht namentlich genannt werden will. Seine Kritik: Im Donaufeld keine Umweltverträglichkeitsprüfung durchzuführen (Zitat MA21: „Hat keine Auswirkungen auf die Umgebung“) sei lachhaft, der Beteiligungsprozess habe mehrheitlich enttäuschte engagierte Bürger zurück gelassen und es gibt kein Verkehrskonzept. In Entwürfen eingezeichnete Brücken und Grünzüge seien „Papiertiger“, bei einer Umsetzung müssten Anrainer enteignet werden.

Übrigens: In einer hitzigen Diskussion in der Bezirksvertretung waren am 14. Juni 2017 SPÖ und Grüne für die vorliegende Flächenwidmung. FPÖ, ÖVP, WIFF und NEOS haben abgelehnt. Das Ergebnis 28:29! Das bedeutet: Die offizielle Stellungnahme der Floridsdorfer Bezirksvertretung zur nun umgesetzten Flächenwidmung ist ablehnend. Wenige Monate später hat die rot-grüne Mehrheit im Rathaus die Flächenwidmung dennoch beschlossen, also den Bezirks-Wunsch ignoriert.

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Lebendige Erdgeschoßzonen – Treffpunkte für die Nachbarschaft

Mit Kommunikation und attraktiven Nutzungen soll dieses Ziel erreicht werden. Für das gesamte Quartier stehen in der Erdgeschoßzone daher Einrichtungen, wie ein Kinder-Jugend-Familien-Zentrum, ein Grätzlcafé, eine Quartiers- und eine Fahrradwerkstatt oder eine Stadtteilkantine zur Verfügung. Darüber hinaus können bauplatzbezogene Gemeinschaftsräume von den BewohnerInnen genutzt werden. Für ein stärkeres Miteinander im neuen Stadtteil werden zusätzlich Angebote wie Wohnen für SeniorInnen, Wohnen und Arbeiten, Gästewohnungen oder Housing-First bereitgestellt. Am Bauplatz B / D entsteht das „kulturelle Herz“ des Quartiers mit einem Veranstaltungsraum, der auch für Externe nutzbar ist. In jenen Erdgeschoßzonen, die an die bestehende Bebauung angrenzen, sind ruhigere Wohnnutzungen vorgesehen.

Frei- und Grünraumversorgung

Das neue Stadtquartier besticht durch einen großzügigen und vielseitigen Grün- und Freiraum, der durch zwei Bereiche geprägt wird. Das „Ereignisband“ mit seinem urbanen Charakter bietet vielfältige Angebote in der attraktiven Erdgeschoßzone und kann mit zahlreichen Nutzungen im Freiraum wie Urban Gardening, Spielangeboten und Fitness punkten. Die „Stadtwildnis“ hingegen lädt zum naturnahen Spielen und Erholen ein. Als Bonus quasi vor der Haustür liegt die Alte Donau, eines der beliebtesten Wiener Naherholungsgebiete.

Angebote für Alleinerziehende

Im Quartier „An der Schanze“ wird besonders auf die Anforderungen von Alleinerziehenden mit innovativen Modellen reagiert. Flexible Raumaufteilung innerhalb der Wohnung bzw. eigenständige Wohneinheiten in Kombination mit gemeinschaftlichen Nutzungsbereichen ermöglichen sowohl Rückzug als auch unterstützende Gemeinschaft. Wohnverbünde und Wohngruppen, Housing-First bei akutem Bedarf oder temporär nutzbare Gäste-Apartments sind nur ein Auszug aus den vielfältigen Angeboten für diese Zielgruppe. Zusatzangebote wie Tagesmütter und Tagesväter sollen helfen, den Alltag zu erleichtern. Mit der Angebotsvielfalt wird die Diversität der Zielgruppe berücksichtigt. Begleitete Mitbestimmung erhöht zusätzlich die Flexibilität. Gemeinschaftlich nutzbare Einrichtungen sowie das Freiraumangebot unterstützen Kommunikation und nachbarschaftliche Kontakte. Ziel ist, dass Gemeinschaftseinrichtungen als temporär nutzbare „Wohnraumerweiterung“ für Kinderfeste und dgl. genützt werden können.

Erschließung und Mobilität

Die größtenteils fußläufige Erschließung ist ein wesentliches Merkmal des weitgehend autofreien Stadtquartiers. Sie wird durch ein dichtes Netz an Fahrradwegen und eine gute Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz ergänzt. Zwei Mobilitätsstationen bieten Bike- und Carsharing, Parkplätze gibt es in Sammel- und Tiefgaragen. Die Erschließung mit öffentlichen Verkehrsmitteln erfolgt mit der U1 im Osten, der U6 im Westen und den Straßenbahnlinien 25 und 26.

Soziale Infrastruktur

Mit den als Spiel- und Aktivitätsflächen gestalteten Freibereichen sowie einem Kindergarten mit sechs Gruppen entsteht ein großes Angebot an sozialen Treffpunkten im neuen Stadtquartier. Nordwestlich des Planungsgebietes befindet sich der Bildungscampus Donaufeld, östlich ein weiterer Bildungscampus in der Attemsgasse mit insgesamt 21 Kindergartengruppen und 30 Volksschulklassen – somit ist die Versorgung dieses Entwicklungsabschnittes mit Bildungs-einrichtungen gesichert.

Städtebauliches Leitbild – IBA

Das attraktive Stadterweiterungsgebiet an der Donau liegt bereits seit den 1990er-Jahren im Fokus der Stadtplanung und wurde im STEP 2005 (Stadtentwicklungsplan) als eines von 13 Zielgebieten ausgewiesen. Infolge wurde das Leitbild „stadtklima donaufeld“ erarbeitet: Von 2014 bis Ende 2017 wurden die Planungen von einem Beteiligungsprozess begleitet. Ein Ergebnis ist ein Stadtteilmanagement der Gebietsbetreuung Stadterneuerung als Anlaufstelle vor Ort für Anrainer/Nachbarschaft und alle zukünftigen  BewohnerInnen. Die IBA_Wien beteiligte sich als Kooperationspartner aktiv am Bauträgerwettbewerb, insbesondere an den Workshops der Dialogphase mit Bauträgern, PlanerInnen und Vertretern der interessierten Bevölkerung.