Erinnerungen eines Admiraners

Erinnerungen eines Admiraners

Der Wiener Fußball in den 1960er Jahren war geprägt von Spielern, die fast ohne Ausnahme den Sport mit ihrem Brotberuf vereinbaren mussten und deren Erfolg auf harter Arbeit fußte. Ein Vertreter dieser Gruppe ist Gerhard Pinisch, der fast seine ganze Karriere bei der Admira verbrachte.

Am 1. März 1959 steht der erst 19-Jährige zum ersten Mal in einem Bundesligaspiel für die damaligen Floridsdorfer auf dem Platz. Der vielseitige und torgefährliche Pinisch wird im Laufe seiner Karriere auf mehreren Positionen eingesetzt werden, hauptsächlich als linker Verteidiger und linker Flügel. Bei seinem Debüt läuft er als Stürmer auf und erfüllt seine Mission bestmöglich. In Donawitz erzielt er in der 69. Minute den Siegestreffer zum 3:2 für die Admira.

Alte Autogrammkarte von Pinisch. Bild: Herzog.
Alte Autogrammkarte von Pinisch. Bild: Herzog.

In seiner ersten vollen Saison hat Pinisch mit Alfred Körner einen prominenten Förderer. „Körner war Linksverbinder und ich linker Flügel. Das heißt der Körner hat mir die Pässe gegeben, damit ich die Tore machen kann. Ich war damals ein junger Spieler und er hat mir zum Start der Karriere geholfen.“ Dennoch stiegen die Jedleseer ab. Doch der sofortige Wiederaufstieg gelingt und der beidbeinige und zweikampfstarke Pinisch gehört fortan zum Stamm der Mannschaft.

Highlight: Einmal im Nationalteam

Die Qualität bleibt auch dem Teamchef nicht verborgen. Karl Decker ruft bei Admira Trainer Pesser an. „Decker hat gesagt, dass er mir, nach den guten Leistungen des letzten halben Jahres eine Chance geben möchte. Und so bin ich für die Vorbereitung auf das Spiel gegen Irland im Frühjahr 1962 eingerückt.“ Pinisch und Ernst Fiala von der Austria sollen als neues linkes Flügelpaar getestet werden. Das inoffizielle Vorbereitungsspiel gegen Bayern München sollte jedoch sein einziger Einsatz bleiben.

Kurz vor der Pause verletzt er sich und muss ausscheiden. Eine zweite Chance erhält er nicht mehr. Zwei Jahre später folgt das erste ganz große Karrierehighlight. Die Admira erreicht das Cupfinale und besiegt dort die favorisierte Austria mit 1:0. Pinisch wird mit einer ganz besonderen Aufgabe betraut. „Ich hatte im Finale den Jacare zu decken gehabt. Der war damals der beste Spieler der Austria, hat aber keinen Pecker gemacht weil ich immer bei ihm gestanden bin.“

 

Schwere Verletzung

Gut in Erinnerung ist auch Admiras Europacup-Auftritt bei Legia Warschau in Polen. „Auf der Anreise zum Stadion ist uns ein Armeeautobus von der Seite reingefahren. Dort wo wir gesessen sind war alles kaputt. Einige von uns konnten nicht spielen. Mir musste ein Zahn gezogen werden. Mehr als eine Wasserspritze hat es im Armeespital nicht gegeben. Ich habe aber trotzdem gespielt“.

Erinnerungsstücke aus der Admira-Zeit. Bild: Herzog.
Erinnerungsstücke aus der Admira-Zeit. Bild: Herzog.

Pinisch ist auf dem Höhepunkt seiner Karriere, doch die Freude währt nur kurz. Beim Meisterschaftsspiel gegen Rapid am 28.11.1964 reißen Kreuzband und Seitenband. „Das war bitter. Wir haben im Wiener Stadion gespielt und ich bin Aussendecker gewesen. Als ich auf einen Ball reingerutscht bin ist der Gegenspieler auf meinem Schuh mit den Stoppeln in meinem Schuhband hängen geblieben und hat mir den Fuß ausgedreht. Da hat es Knacks gemacht.“ Es folgte eine Operation und eine zweite.

„Bei der ersten Operation hat man das Seitenband vergessen.“ Der Weg zurück ist steinig. Die Admira spielt 1965/66 eine der besten Saisonen der Vereinsgeschichte und wird am Ende, mit drei Punkten Vorsprung auf Rapid, Meister und holt ebenfalls gegen Rapid mit einem 1:0 Sieg den Cup nach Floridsdorf. Pinisch ist zum Zusehen verurteilt. „Es hat mir nicht so viel ausgemacht. Ich war ja immer dabei auch als Ersatz, aber weil es so gelaufen ist, ist man schwer in die Mannschaft gekommen. Nach der Verletzung war man unzufrieden mit mir. Das hat länger gedauert, bis man wieder voll da ist. Ich hatte auch Schmerzen beim Spielen und war nicht mehr so beweglich wie vorher.“

In der Meisterschaft kommt Pinisch nicht mehr zum Einsatz. Dafür aber sein Bruder, der 1966/67 zweimal für die Admira auflaufen darf. 1968 verlässt Pinisch die Admira und fungiert als Spielertrainer bei Langenrohr und Trainer bei Ziersdorf. Der Job bei der EVN, den er seit der Zeit bei der Admira hat rückt in den Vordergrund. „Ich war Laborant und bin von der Admira sofort in die Firma eingegliedert worden. Ich war viel im Außendienst. Gasleitungen, Gasanalysen und nebenbei Fußball. Es waren viele von unserer Mannschaft dort. Trainer Pelikan, Füllenhals, Latzke, Breibert, Demandtke und ich.“

 

 

Foto und Eintrittskarte des einzigen Teamspiels von Pinisch. Bild: Herzog.
Foto und Eintrittskarte des einzigen Teamspiels von Pinisch. Bild: Herzog.

Erfolgreich auch bei den Mädels!

Die Erfolge, die die Spieler trotz ihres hauptberuflichen Engagements erzielen sind beachtenswert. „Wir haben ja nebenbei gearbeitet und daher waren unsere Leistungen sehr hoch einzuschätzen, weil wir ja nicht nur Fußball hatten. Das ist schon ein Unterschied, wenn ich den ganzen Tag trainieren und mich auf die Spiele konzentrieren kann.“ „Vor allem nach dem Match hat man den Mädls ein Autogramm ins Geldbörsel gegeben. Viele Fußballer haben Frauen geheiratet, die sich für den Sport interessiert haben. Die mit denen ich gegangen bin jedoch weniger, die wollten das Training nicht so gerne, weil ich da weniger Zeit für sie hatte.“

Admiraner für immer!

Die Verletzung von 1964 beendet schließlich auch seine berufliche Karriere. „Ich habe mit 65 ein künstliches Knie bekommen und wurde in die Pension geschickt.“ Heute geht Pinisch, der sich regelmässig mit Kollegen aus der alten Zeit trifft, gelegentlich ins Stadion. „Dann aber nur zur Admira“, gibt er grinsend zu. Die Fusion der Admira mit Wacker Wien 1971 ändert an der Vereinstreue nichts. -HUBERT HERZOG http://austrianfootball.blogspot.co.at