Floridsdorf: Gemeindebau nach Otto Felix Kanitz benannt

Floridsdorf: Gemeindebau nach Otto Felix Kanitz benannt

„Otto-Felix-Kanitz-Hof“ in Kummergasse 7 erinnert an Pädagogen, der im KZ Buchenwald ermordet wurde.

Seit 21. März 2019 trägt der Gemeindebau in der Floridsdorfer Kummergasse 7 offiziell den Namen eines großen Wiener Pädagogen, Politikers und Kinderfreunds: „Otto-Felix-Kanitz-Hof“.

„In einer Zeit, als die Prügelstrafe als normales Erziehungsmittel galt, trat Otto Felix Kanitz für eine gewaltfreie Erziehung ein. Dieser Zugang war damals mutig und er ist auch heute noch inspirierend“, betonte die Frauen- und Wohnbaustadträtin Kathrin Gaal. „Seine Ideen fanden sich in den 60er- und 70er-Jahren im Konzept der antiautoritären Erziehung wieder. Die Ferienlager der Kinderfreunde sind bis heute ähnlich organisiert“, führte sie aus.

„Die Benennung städtischer Wohnhausanlagen hat in Wien Tradition, mit der nicht nur bedeutende Persönlichkeiten geehrt werden, sondern die auch die Identifikation der Bewohnerinnen und Bewohner mit ihrem Zuhause fördert. Otto Felix Kanitz hat als pädagogischer Referent der Kinderfreunde und Begründer der 1. Österreichischen Kinderrepublik sein Leben in den Dienst der Kinder gestellt: Ein würdiger Pate für dieses Beispiel eines familienfreundlichen kommunalen Wohnbaus“, stellte Floridsdorfs Bezirksvorsteher Georg Papai fest.

Zwtl.: Zur Person Otto Felix Kanitz

Otto Felix Kanitz wurde 1894 als Sohn eines jüdischen Rechtsanwaltes in Wien geboren. Er verlor infolge der Scheidung seiner Eltern früh seine Mutter und verbrachte einen Teil seiner Kindheit im Waisenhaus. Dort wurde er streng katholisch erzogen.

Nach dem Akademischen Gymnasium studierte Kanitz Philosophie und Pädagogik. Erste pädagogische Erfahrungen sammelte er als Betreuer bei den Kinderfreunden. 1919 übernahm Kanitz dann die Leitung eines Ferienlagers für 500 Arbeiterkinder im ehemaligen Flüchtlingslager Gmünd. Erstmals wandte er dort sein erzieherisches Konzept an. Selbstverwaltung und Demokratie wurden im „Kinderparlament“ erlernt.

Um die gleiche Zeit eröffnete Kanitz im Schloss Schönbrunn eine Erzieherschule mit angeschlossenem Internat.

Kanitz engagierte sich auch politisch: 1929 organisierte er für die Sozialistische Arbeiter-Jugend das 2. Internationale Jugendtreffen in Wien mit mehr als 50.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Kurz hatte er ein Mandat im Bundesrat inne.

Im November 1938 wurde Otto Felix Kanitz in Wien von der Gestapo verhaftet, 1940 im KZ Buchenwald ermordet.

Zwtl.: Zur Wohnhausanlage

Der Otto-Felix-Kanitz-Hof in der Kummergasse 7 entstand von 1993 bis 1995. Er beherbergt 188 Gemeindewohnungen. Neben einer Polizeistation sind auch sechs Wohnungen, die für Menschen mit Behinderungen geeignet sind, integriert. Die gesamte Anlage verfügt über fünf Geschoße und ist mit mehreren Dachterrassen ausgestattet.