Floridsdorf ist für Alle attraktiver geworden

Floridsdorf  ist für Alle  attraktiver  geworden

5 Jahre Bezirksvorsteher: Georg Papai über seine Bilanz, die rege Bautätigkeit, Verkehrsprobleme und seine Vision.

Exakt fünf Jahre ist Georg Papai seit 19. März Floridsdorfer Bezirksvorsteher. Seine persönliche Bilanz zieht der „Klassensprecher” des 21. Bezirks im Gespräch mit DFZ-Chefredakteur Hannes Neumayer vor dem Amtshaus Am Spitz. Und der SPÖ-Politiker erzählt seine neuen Pläne.

Wie sieht Ihre 5-Jahresbilanz aus?

Georg Papai: „In den letzten fünf Jahren ist ganz viel in Floridsdorf weitergegangen und Floridsdorf ist sicher ein Stück zukunftsfitter geworden. Ich führe viele Gespräche bei Gasthaus-, bei Würstelstand-, bei Parksprechstunden und ich bekomme rückgemeldet, wie sehr die Floridsdorfer ihren Bezirk schätzen und lieben und daran werden wir auch in Zukunft weiterarbeiten. Bezirksvorsteher von Floridsdorf zu sein, ist eine der schönsten Aufgaben die es gibt. Und ich bin ja gekommen, um zu bleiben und habe für Floridsdorf noch viel vor.”

Ihre persönlichen Highlights?

„Neue Impulse im Floridsdorfer Bezirkszentrum: Generalsanierung Pius-Parsch-Platz, Fußgängerrelationen zum Bahnhof, mehr Licht. Und dann gibt es viele Punkte, wo der Bezirksvorsteher nur der oberste Klassensprecher ist, motivieren kann und Projektentwickler und Eigentümer überzeugen kann, etwas zu tun: wie das ehemalige Woolworthgebäude oder die neue Tiefgarage am Pius-Parsch-Platz. Derzeit reden wir mit den Eigentümern des Einkaufspitz, dass auch hier ein neues und gutes Projekt entsteht. Aber auch die Grünraumgestaltung: Jedes Jahr ein neuer Park.”

Andere sagen: „Der ist ja sehr bemüht, aber die Partei steht ihm im Weg.”

„Gar nicht! Ich glaube ein Bezirksvorsteher braucht auch einen ideologischen Rückhalt und ein Wertegerüst. Und die Sozialdemokratie ist, gerade in einem historischen Arbeiterbezirk wie das Floridsdorf nach wie vor ist, ein gutes Wertegerüst; auf das ich gemeinsam mit meinem Team – meiner hervorragenden Stellvertreterin Ilse Fitzbauer oder Verkehrschef Pepi Fischer – aufbauen kann.”

Zur Zukunft: Das Thema, das die Floridsdorfer am meisten beschäftigt: Bei uns wird extrem viel gebaut. Zu viel?

„Wenn man sich andere große europäische Metropolen ansieht, ich war in Barcelona und London oder in Berlin, dann gibt es dort viele Leute, die in Kartonstädten oder unter Brücken schlafen. Wir haben das in Wien nicht. Das ist gut so. Dass auch in Wien die Mieten um 20 Prozent günstiger sind als in anderen Metropolen, liegt natürlich auch an 220.000 Wiener Gemeindewohnungen und an vielen Genossenschaftswohnungen, die gefördert errichtet werden. Jede Woche kommen in meine Sprechstunde junge Floridsdorfer Familien und sagen ‚Herr Bezirksvorsteher helfen Sie mir, wir brauchen eine neue Wohnung‘.”

Es gibt Viele die sagen, ‚wenn das so weitergeht, dann ziehe ich weg‘. Tut das dem Floridsdorfer Bezirksvorsteher nicht weh? Haben diese Floridsdorfer Pech gehabt?

„Nein, natürlich nicht. Es wird darum gehen, in einem Dialog auch die Ängste zu nehmen. Fakt ist: Ein Drittel der Floridsdorfer Fläche ist Landschaftsschutzgebiet, rund 41 Prozent der Bezirksfläche steht als Bauland zur Verfügung. Das hat sich nicht verändert. Was sich verändert hat ist, dass Floridsdorf für Alle attraktiver geworden ist! Auch Projektentwickler frei finanzierter Projekte setzen diese jetzt hier um. Insgesamt behaupte ich, dass Kräne ein Aufbruchs- und Zukunftszeichen sind in einer modernen Stadt. Ich möchte nicht in einer Stadt wohnen, wo wir darüber diskutieren müssen, weil nur noch Menschen wegziehen, welchen Teil legen wir still. Oder wo gibt es einen Stadtteil, wo man soziale Infrastruktur zurückfahren muss, weil hier keine Menschen mehr leben. Es geht darum, die Erweiterung und den Zuzug geordnet zu planen.”

Die meisten Floridsdorfer würden folgenden Satz unterschreiben: Die Infrastruktur – Bim, Bus, Straßen, Schulen, Ärzte – wächst nicht mit der Bautätigkeit mit!

„Auch da ist in den letzten Jahren viel passiert: Taktfrequenzverdichtung bei der Schnellbahn, Verbesserungen bei den Straßenbahnen, Intervallverbesserungen, längere Betriebszeiten und bald eine neue Linie bei den Autobussen. Eine große Herausforderung sind Pendler: ich würde mir wünschen, dass die Umlandgemeinden stärker ihre Park-and-Ride-Anlagen ausbauen. Ich führe auch ständig Gespräche mit Niederösterreichern, die sagen, sie würden gerne umsteigen, aber es gibt auf ihrem Heimatbahnhof keine Möglichkeit mehr, das Auto abzustellen.”

Andere Bezirke bekommen neue U-Bahn-Linien, Floridsdorf keine U6-Verlängerung. Schauen die Wiener Linien und Stadtpolitik ausreichend auf den 21. Bezirk?

„Die Entscheidung, die U5 zu errichten, die ich verkehrspolitisch nachvollziehen kann, aber als Floridsdorfer Bezirksvorsteher nicht gutheiße, heißt, dass zumindest die nächsten zehn Jahre die U6 nicht nach Stammersdorf errichtet wird. Ich bin mit den Wiener Linien in ständigem Dialog: Es gibt natürlich die eine oder andere Frage, wo wir nicht der gleichen Meinung sind. Ich sage klar: Es gibt im Donaufeld den Plan, eine weitere Straßenbahn zu situieren: ich werde meiner Fraktion vorschlagen, die zweite Phase des Donaufelds nicht zu widmen, bevor Schwarz auf Weiß feststeht, dass diese Straßenbahn auch tatsächlich kommt.”

Georg Papai im Gespräch mit DFZ-Chefredakteur Hannes Neumayer vor dem Amtshaus des 21. Bezirks. Bild: Robert Sturm - cordbase.com
Georg Papai im Gespräch mit DFZ-Chefredakteur Hannes Neumayer
vor dem Amtshaus
des 21. Bezirks. Bild: Robert Sturm – cordbase.com

Werden ausreichend Schulen gebaut? Für die erste Phase des Donaufelds ist etwa keine neue Schule geplant.

„In Donaufeld ist in der Stufe 2 eine neue Schule vorgesehen. In Stufe 1 mit 1.200 Wohnungen wird der Volksschulbereich über die neue Schule Attemsgasse mitversorgt – eine Gasse daneben, am Papier schon in der Donaustadt.”

Im Bezirkszentrum gibt es immer mehr Leerstände …

„Es ist auch viel gelungen: Neuer Pius-Parsch-Platz, das Sitzplatzkonzept vor dem Amtshaus. Das Bezirkszentrum funktioniert sehr gut als Umsteigeknotenpunkt. Aber aufgrund einer niedrigen Aufenthaltsqualität, gibt es eine niedrige Verweildauer. Nur wenn wir es schaffen, die Verweildauer zu erhöhen, dann wird das auch Kaufkraft in das Bezirkszentrum neu hineinziehen.

Aber man muss auch ehrlich sein: So wie es war, so wird es nicht mehr! Das liegt nicht daran, dass die Politik versagt, oder weil wir keine Möglichkeiten haben. Sondern das liegt daran, dass die Kunden ihr Einkaufsverhalten massivst verändert haben. Man wird sich überlegen müssen, was kann stattdessen in einer Erdgeschosszone eines Bezirkszentrums entstehen?”

Was könnte das sein?

„Zum Beispiel Ärzte. Erst vor zwei Wochen durfte ich in der Donaufelder Straße einen neuen Kassenkinderarzt begrüßen, der in ein Verkaufslokal im Erdgeschoß übersiedelt ist. Wir werden in nächster Zeit in Floridsdorf ein EU-Projekt rund um das Bezirkszentrum bekommen, das sich damit beschäftigt, welche Ideen, welche Konzepte, aber auch welche Maßnahmen können ein Bezirkszentrum stärken!“ Ist Verkehrsberuhigung im Bezirkszentrum ein Thema? „In der Floridsdorfer Hauptstraße werden wir (durch die Änderung auf eine Spur bei der Kreuzung Kadlec) langfristig nicht mehr zwei Spuren stadtauswärts brauchen. Da kann man überlegen, was macht man aus der einen nicht mehr benötigten Spur? Plätze mit Sitzgelegenheiten, größere schönere Schanigärten oder in einem Bereich auch Schrägparkordnung, um ein paar Parkplätze zu gewinnen.”

Hat der Bezirksvorsteher Visionen für die nächsten Jahre?

Ich hätte unheimlich gerne, dass Floridsdorf der familienfreundlichste Bezirk Wiens wird. Wir sind ein Bezirk mit viel Grünraum, mit Top Bildungseinrichtungen, mit vielen Spielplätzen, mit vielen Naherholungsgebieten. Das möchte ich weiterentwickeln, ausbauen und auch auf die Bühne holen.”

Nächstes Jahr gibt es in Wien und Floridsdorf wieder Wahlen. Wie schätzen Sie ihre Chancen auf Wiederwahl ein?

„Faktum ist, bei der letzten Wahl war es sehr knapp. Ich schätze meine Chancen aber gut ein. Ich nehme bei vielen Gesprächen wahr, dass mein Tempo und meine Projekte Floridsdorf voranzutreiben gut ankommen. Bei der Wahl kann man entscheiden: Will man, dass Georg Papai Floridsdorf weiter vorantreibt oder will man eine andere Fraktion, wo noch nicht einmal klar ist, wer deren Spitzenkandidat ist!”

Sie haben Ende Februar zum zweiten mal ‘21 Projekte für den 21. Bezirk’ präsentiert. Wie ist die Resonanz?

„Sehr gut. Das Projekt zeigt, wo der Bezirk Kompetenzen hat und Akzente setzt. Wir haben von einigen Floridsdorfern bereits Wünsche und Rückmeldungen für das Budget 2020.”

Alkoholverbot am Bahnhof: Kommt es fix am 1.Mai?

„Ich fordere es und wünsche es mir. Es braucht starke Begleitmaßnahmen an Sozialarbeit und einen Aufenthaltsort für alkoholkranke Menschen. Weil ein Alkoholverbot zaubert das ja nicht weg. Und ich will das nicht in eine Parkanlage oder sogar in einen Gemeindebau hineinschieben. Das Ergebnis der Evaluierung kann ich nicht im Kaffeesud voraussagen.” Interview: Hannes Neumayer

Das sagen die anderen  Parteien über Bezirksvorsteher Georg Papai

Karl Mareda. Bild: Fotostudio Vodicka.
Karl Mareda. Bild: Fotostudio Vodicka.

Karl Mareda, Vize-Bezirksvorsteher (FPÖ): „Die zahlreichen Ankündigungen des Bezirksvorstehers warten noch immer auf ihre Umsetzungen. Wie etwa Wahlversprechen aus 2015 mit einer Direktverbindung der Straßenbahnlinie 32 von Strebersdorf bis Schottenring oder einer verbesserten Verkehrsanbindung für das Donaufeld. Bitte warten heißt es leider auch bei der groß angekündigten Umgestaltung des Floridsdorfer Bezirkszentrums, der spürbaren Verkehrsverbesserung im Bezirk, dem Verkehrskonzept für die Siemensäcker oder der angekündigten Erhöhung der Aufenthaltsqualität im Bezirk.”

 

 

 

 

 

 

Heinz Berger. Bild: Privat.
Heinz Berger. Bild: Privat.

Heinz Berger, Klubchef der Grünen Floridsdorf: „Wir treten zwar für eine ökologischere Verkehrspolitik für Floridsdorf und verstärkte Maßnahmen zum Klimaschutz im Bezirk ein, aber wir schätzen die gute Gesprächsbasis mit Bezirksvorsteher Georg Papai sehr!”

 

 

 

 

 

 

Erol Holawatsch. Bild: Fotostudio Vodicka.
Erol Holawatsch. Bild: Fotostudio Vodicka.

Erol Holawatsch, ÖVP-Klubobmann Floridsdorf: „Bei allen politischen Differenzen die es zwischen uns auch gibt, ist er dennoch ein Partner mit Handschlagqualität. Das ist in der heutigen politischen Auseinandersetzung nicht immer selbstverständlich.”

 

 

 

 

WIFF - Wir für Floridsdorf Bezirksrat Hans Jörg Schimanek.
WIFF – Wir für Floridsdorf Bezirksrat Hans Jörg Schimanek.

Hans Jörg Schimanek, Klubobmann ‘WIFF - Wir für Floridsdorf’: „Papai schließt nahtlos an seine Vorgänger Landsmann und Lehner an. Auch sie hatten eher unglückliche erste Amtsperioden. Die Frage ist diesmal, ob Papai von den Floridsdorfern überhaupt die Chance auf eine weitere Periode bekommt…”

 

 

 

 

 

 

 

Monika Ruschka, Klubobfrau der NEOS. Bild: Privat.
Monika Ruschka, Klubobfrau der NEOS. Bild: Privat.

Monika Ruschka, Klubobfrau der NEOS: „Mit Herrn Papai hat kurz vor unserem Einzug ein Bezirksvorsteher übernommen, der sichtlich um mehr Transparenz und eine bessere parteiübergreifende Zusammenarbeit bemüht ist – so wie es auch unser NEOS-Anliegen ist. Ganz entkommen kann er dem alten SPÖ-Machtsystem bisher jedoch nicht. Die verkrusteten Strukturen gänzlich abzuschütteln, wäre unser Wunsch an Herrn Papai, damit wir gemeinsam das Beste für Floridsdorf bewirken können.”