Gerald Pichowetz‘ Streifzüge durch die Straßenbahngeschichte

Gerald Pichowetz‘ Streifzüge durch die Straßenbahngeschichte
Meine lieben „Fluaridsduafa“! Erinnert Ihr Euch noch an die „Amerikaner“ im Jahr 1950? Ich meine nicht die GI’s, ich meine die auch heute noch als wahre Kolosse auf Straßenbahnschienen wirkenden Tramwayfahrzeuge, die die Wiener Verkehrsbetriebe als Typ „Z“ unter anderem mit den Liniensignalen 331, 231, 132 und 17 führten.

Der Krieg hatte den Wagenpark der Wiener Straßenbahn erheblich reduziert, sodass nach preisgünstigen Triebwagen Umschau gehalten werden musste. New York hatte gerade sein Straßenbahnnetz aufgelassen, und so konnte man 1948 im Rahmen des Marshallplans 42 Straßenbahnwagen von der TARS (Third Avenue Railway System) erwerben. Diese waren allerdings überbreit und konnten im Grunde nur auf den ehemaligen Dampftramwaylinien mit breiterem Schienenabstand Dienst versehen.
So kam nach einigen kleinen Umbauten und der Umlackierung samt Umnummerierung der erste „Amerikaner“ als 331er am 13. März 1950, also vor 70 Jahren, zu seinem ersten Einsatz zwischen Franz-Josefs-Kai und Stammersdorf. Drei Besonderheiten begeisterten viele Floridsdorfer an diesem Gefährt. Zunächst  waren da die pneumatischen Türen, die erstmals einen Straßenbahnwagen bei der Fahrt stets
geschlossen hielten.
Im damals noch frostigen und schneereichen Winter eine Wohltat, und zudem auch ein Plus in  Sachen Sicherheit, denn auf- oder abspringen konnte man nicht. Dann hatten die Wagen ein damals luxuriöses Angebot an Sitzplätzen mit fast 50% der Fahrgastkapazität. Und schließlich noch die einzigartigen Sitze, die bei jeder Fahrt stets in Fahrtrichtung sitzen ließen. Der Schaffner brauchte in der Endstelle bloß durch den Wagen zu gehen und beidseitig die noch dazu gepolsterten(!) Sitze umzuklappen.
Nach der Linie 331 wurden nach und nach auch die anderen Floridsdorfer Linien bedient. Die zugelassene Fahrgeschwindigkeit betrug 40 km/h, in der Praxis schaukelte man aber schon gelegentlich mit 50 km/h durch unseren Heimatbezirk. Im September 1967 musste vom  „Amerikaner“ in Floridsdorf Abschied  genommen werden, er hatte seine Dienste getan. Im Tramwaymuseum kann noch der Wagen Nr. 4208 bestaunt werden.
        Bim Bim, Euer Gerald Pichowetz