,Geschäftesterben ist dramatisch!’

,Geschäftesterben ist dramatisch!’

Interview: ÖVP-Klubobmann Erol Holawatsch über Wahlschlappen, Wassertaxis und Ideen für den 21. Bezirk. Teil 3 unserer Interviewreihe mit  Bezirkspolitikern: Erol Holawatsch, Klubobmann der ÖVP Floridsdorf, im DFZ-Gespräch.

DFZ: Die ÖVP wurde in 10 Jahren bei den Wahlen in Floridsdorf halbiert: Von 13 % und acht Bezirksräten 2005 auf 6,5 % und vier Bezirksräte 2015. Die Gründe?

Erol Holawatsch: „Ich glaube, dass es der ÖVP in den letzten Jahren leider nicht gelungen ist, in verschiedenen Bereichen die Themenführerschaft zu übernehmen. In der Vergangenheit war es auch für ÖVP- Mitglieder schwierig herauszufinden: Für was steht die ÖVP? Jetzt unter dem neuen Obmann Gernot Blümel ist der richtige Weg eingeschlagen. Wir bemühen uns, als Volkspartei wieder ein Profil zu bekommen. Das wird natürlich nicht von heute auf morgen gelingen. Aber ich bin zuversichtlich.“

Es kann ja fast nur bergauf gehen…

„Ganz ehrlich: Es kann immer wieder weiter bergab gehen! Es steht nirgendwo geschrieben, dass es die ÖVP geben muss. Eine Bestandsgarantie gibt es für keine Partei – der Wähler entscheidet. Ich will die Bezirkspartei konsolidieren, auf starke Beine stellen. Die ÖVP Floridsdorf soll wieder die bürgerliche Stimme im Bezirk sein.“

Inhaltliche Schwerpunkte?

„Den Grünraum im Bezirk zu erhalten, endlich ein Verkehrskonzept für Floridsdorf zu erstellen. Der Ausbau des öffentlichen Verkehrs und eine sinnvolle Verbauung. Beim Schaffen von Wohnraum braucht es ein Gesamtkonzept und nicht da und dort einen Genossenschaftsbau. Und Bürgerbeteiligung ist für mich sehr wichtig: Es ist Aufgabe der Politik, die Menschen, die sich einbringen und Bürgerinitiativen gründen, ernster zu nehmen.“

Verbesserungsvorschläge?

„Stadträtin Vassilakou sollte sich bewusst werden, was Bürgerbeteiligung heißt. Nämlich nicht nur mitbestimmen zu dürfen, wo eine Sitzbank hinkommt. Die Bürger sind interessiert an Zusammenarbeit. Die Bürger wissen auch, dass es nicht immer hundertprozentige Erfolge geben kann und sind sehr kompromissbereit. Zum Beispiel die Siemensäcker: Die Bürger wollten 25 Meter Bauhöhe, die Stadtregierung 35. Es geht den Leuten also nicht darum, dass gebaut wird. Sondern um die Art der Verbauung.”

Nimmt die Stadtpolitik die Bezirke und speziell Floridsdorf nicht ernst genug?

„Ich sitze seit 2005 im Bezirksparlament. Ich glaube, dass es noch immer so ist, dass die Flächenbezirke über der Donau stiefmütterlich behandelt werden. Innerhalb des Rathauses ist man sich offensichtlich nicht bewusst, wieviele Menschen hier leben. Die Donau ist immer noch eine geistige Barriere. Wenn manche Planung in den Bezirk kommt, muss man davon ausgehen, dass derjenige, der das geplant hat, noch nie einen Fuß nach Floridsdorf gesetzt hat. Die Planer sehen sich offensichtlich die Gegend, für die sie planen, nie vor Ort an. Eigentlich bedarf es eines eigenen Konzeptes nur für Donaustadt und Floridsdorf.”

Also kein Mythos, dass sich viele Floridsdorfer vernachlässigt fühlen?

„Kein Mythos, das ist die Wahrheit! Ich erlebe es seit 2005, dass es so ist. Wir sollten im Rathaus dominanter auftreten. Vor allem als Bezirksvorsteher.“

Georg Papai ist seit drei Jahren Bezirksvorsteher. Was hat sich im Vergleich zum Vorgänger Heinz Lehner geändert?

„Jeder hat seinen eigenen Stil. Lehner war noch von der alten Generation, der die absolute Mehrheit im Rücken hatte und anders agieren konnte. Der neue Bezirksvorsteher muss sich viel mehr zu den anderen Parteien öffnen. Und er bemüht sich. Es ist spannend, dass jetzt in Floridsdorf die Opposition die Mehrheit hat. Das hat auch innerhalb der SPÖ zu einem gewissen Umdenken geführt. Wenn man in Zukunft im Bezirk Dinge umsetzten will, braucht man die Oppositionsparteien. Auch eine kleine Partei, wie wir, kann für die Menschen etwas umsetzen.“

Thema Verkehr: Ihre Wünsche?

„Die Brünner Straße braucht eine massive Entlastung. Der Verkehr sollte bereits in Niederösterreich an der Stadtgrenze mit einer Park-&-Ride-Anlage abgefangen werden. Um zu verhindern, dass die Autos überhaupt in die Stadt hineinfahren. Das gleiche gilt für Strebersdorf – dort könnten die Leute auch auf die S-Bahn umsteigen. Auch bei den Querverbindungen passiert nichts. Deshalb habe ich letztes Jahr provokant ein Wassertaxi gefordert. Es sollte unbedingt weiter eine direkte Verbindung von Strebersdorf in den 22. Bezirk geben. Man muss überlegen, ob der 26er das einzige Mittel ist. Zum Glück wurde das Bim-Paket, dass die Abschaffung der einzigen Direktverbindung von Strebersdorf in den 22. Bezirk vorgesehen hatte, wieder aufgeschnürt. Es hat massive Proteste aus der Bevölkerung gegeben.“

Gibt es Grenzen der Verbauung?

„Die Grenze ist erreicht, wenn Leute, die sich Erholung wünschen und Grünraum genießen wollen nicht mehr gerne nach Floridsdorf ziehen. Und wir müssen wirklich aufpassen, die Grenze nicht bald zu erreichen.“

Zuletzt wurde viel über das Geschäftesterben im Bezirkszentrum gesprochen.

„Wir müssen uns umgehend mit dem Problem des Geschäftesterbens rund um den Spitz und immer mehr leerstehender Lokale befassen. Wenn man zurückdenkt, welche Top-Geschäfte hier früher waren. Es ist von Jahr zu Jahr dramatischer zu sehen, wie das nach unten nivelliert wird. Seit 2010 haben wir die Forderung ein Geschäftsstraßenkonzept für die Floridsdorfer Hauptstraße zu erstellen und sie zur Flaniermeile zu machen. Denn, Unternehmer müssen sich wieder gerne hier ansiedeln. Das Zentrum ist unsere Visitenkarte. In Wirklichkeit wird Am Spitz bereits eine Begegnungszone gelebt. Und funktioniert. Das gehört legalisiert. Derzeit sind wir halb-schwanger.”

Was würde Erol Holawatsch als Bezirksvorsteher angehen?

„Ich würde dafür sorgen, dass Floridsdorf im Rathaus die Stimme bekommt, die es verdient. Ich würde mich dafür einsetzen, dass Floridsdorf ein Verkehrskonzept bekommt, dass den Namen auch verdient. Und ich würde Floridsdorf zum familien- und wohnfreundlichsten Bezirk Wiens machen. Floridsdorf ist ein Riesenbezirk und wir haben kein Kulturzentrum. Wir haben zwar das hervorragende Gloria Theater, aber da wäre noch Bedarf. Denn das Haus der Begegnung ist schon etwas retro …“

INTERVIEW: HANNES NEUMAYER