„Grundstückstausch mit Gerasdorf”

„Grundstückstausch mit Gerasdorf”

Interview: WIFF-Klubobmann Hans Jörg Schimanek über neue Grenzen für Wien, Verkehrsprobleme & ein Antreten 2020.

Teil 2 unserer Interviewreihe mit  Bezirkspolitikern: Hans Jörg Schimanek, Klubobmann von “Wir für Floridsdorf” (WIFF) im DFZ-Gespräch.

Eigentlich wollten Sie vor der Wahl 2015 in den Gemeinderat einziehen. Das gelang nicht. Enttäuscht?

Schimanek: „Zu Beginn, weil wir uns deutlich mehr Zustimmung erwartet hatten. Viele Wähler hatten offenbar meine Person noch im freiheitlichen Lager gesehen.“

Andererseits ist WIFF mit fünf Prozent der Stimmen in Floridsdorf die erfolgreichste „Kleinpartei“ in ganz Wien. Das Geheimnis des Erfolges?

„Die Leute honorieren, dass wir eine Partei sind, die ohne parteipolitische Scheuklappen tätig ist. Uns ist jede Farbe recht. Wir sehen unsere Arbeit darin, Personen in Not, die überall „abgeschasselt“ werden, zu helfen. Wir arbeiten ausschließlich für die Bewohner in Floridsdorf.“

Erklärtes Ziel des WIFF’s war es, die absolute Mehrheit der SPÖ in Floridsdorf zu brechen. Das ist gelungen. Andererseits hätte Floridsdorf, wenn es das WIFF nicht gäbe, wohl einen FPÖ-Bezirksvorsteher.

„Erstens müsste uns der Kollege Papai dankbar sein, dass wir ihm seinen Sessel als Bezirksvorsteher gerettet haben. Das war aber nicht unser Bestreben. Aber auch die FPÖ muss uns dankbar sein. Ein freiheitlicher Bezirksvorsteher ohne Mandatsmehrheit im Bezirk und eine rot-grüne Stadtregierung: Das hieße fünf Jahre lang Prügel vor die Füße und keinen Cent mehr als Floridsdorf zusteht. Ziel ist, bei der nächsten Wahl Rot-Grün zu verhindern.“

Das klingt, als wären Sie jetzt schon sicher, 2020 nochmals zu kandidieren. Immerhin werden Sie im März 77 Jahre.

„Derzeit gibt es keine gegenteiligen Überlegungen.“

2016 hat die Bezirksvertretung beim Verkauf des Magdalenenhofs und der Flächenwidmung Siemensäcker aufbegehrt und beides mehrheitlich gegen die SPÖ-Stimmen abgelehnt. Später hat der Gemeinderat den Bezirk überstimmt. Wie unangenehm ist das für einen SPÖ-Bezirksvorsteher?

„Das ist ein Zeichen, dass der Bezirksvorsteher eigentlich ein Vasall seiner roten Freunde im Rathaus ist. Und die Interessen und den Willen der Mehrheit ignoriert. Das ist einfach undemokratisch. Denn er hat als Bezirksvorsteher einem solchen Mehrheitsbeschluss Rechnung zu tragen.“

Georg Papai ist jetzt mehr als drei Jahre Bezirksvorsteher – Ihre Bilanz?

„Floridsdorf hat um die 155.000 Einwohner und der Bezirk ist ein Machtfaktor. Wäre ich hier Bezirksvorsteher in Floridsdorf, würde ich nicht unter dem Teppich im Rathaus vorstellig werden, sondern erhobenen Hauptes hineingehen. Ich sehe ihn hauptsächlich Ausschüsse und Kommissionen gründen – aber es kommt wenig dabei heraus. Was sich sehr sehr gut entwickelt ist das Schülerparlament. Weniger goutiere ich seine Idee, um viel Geld jedes Jahr einen neuen Park eröffnen zu wollen. Wo Floridsdorf doch ein Grünbezirk par excellence ist.“

Während es im Bezirk unzählige Bauprojekte gibt, plant man im 21. und 22. Bezirk und Gerasdorf einen Wienerwald Nord-Ost.

„Ich darf mit Stolz sagen, dass der Wienerwald Nord-Ost auch ein Kind von WIFF ist. Der leider verstorbene Donaustädter Bezirksvorsteher Norbert Scheed hatte die Idee für einen Wienerwald Ost geboren. Ich habe Kontakt aufgenommen und vorgeschlagen, gleich einen Grüngürtel vom Bisamberg bis zum 22. Bezirk zu machen. Schön, dass Vassilakou und Co die Idee aufgegriffen haben. Weniger gefällt mir, dass sie nicht erwähnt haben, dass die Idee von WIFF war.“

Wird im Bezirk zu viel gebaut?

„Richtig ist: Wien wächst. Und, dass Floridsdorf ein Entwicklungsbezirk ist, ist auch richtig. Aber die Verbauung ist grundsätzlich falsch angelegt. Allein die völlige Fehlplanung des Standortes des Krankenhauses Nord. Das hätte auf das Areal des Heeresspitals gehört. Und ich würde mit Niederösterreich einen Deal mit Grundtausch machen, die Grenze von Wien verändern. Zum Beispiel die großen Flächen zwischen Seyringerstraße, Wagramerstraße und Gerasdorf. Die U1 könnte man am besten bis Süssenbrunn verlängern und das Gebiet an der U-Bahn mit einigen tausend Wohnungen besiedeln. Zuerst gehört jedenfalls die Infrastruktur geschaffen, dann die Bebauung.“

Manche haben den Eindruck, Floridsdorf wird vor allem bezüglich öffentlichem Verkehr schlechter behandelt als andere Bezirke. Ein Mythos?

„Schlechter behandelt nicht. Andere Bezirke haben eine größere Lobby im Rathaus.“

Thema Verkehr: Wo sehen Sie Problemzonen in Floridsdorf?

„Die Verengung der Fahrbahn auf eineinhalb Spuren beim Krankenhaus Nord auf der Brünnerstraße ist eine derartige Unsinnsplanung. Wenn daneben bei MVC Autos abgeladen werden, ist es dort überhaupt aus. Ein Horror. Oder die gestrichene Linksabbiegerspur an der Brünnerstraße: Jedlersdorf ist in der Früh komplett zu, die Amtsstraße total verstopft! Für uns hat die U6-Verlängerung oberste Priorität. Und ich wünsche mir eine Evaluierung der Buslinien.“

Seit Jahrzehnten soll dem Schlingermarkt geholfen werden. Warum dauert das solange?

„Weil Sie kein Geld haben. Die Millionen werden für Naschmarkt und Karmelitermarkt ausgegeben. Und Wiener Wohnen lässt die Geschäfte rund um den Schlingermarkt verkommen. Die müssten längst neue Fenster und Heizungen im Schlinger- und Lötschhof machen.“

Was würde Hans Jörg Schimanek als Bezirksvorsteher als erstes angehen? „Ich würde einmal alle Fraktionen zusammenfangen und eine gemeinsame Vorgangsweise für die nächste Legislaturperiode festlegen: Eine ganz große Koalition im Interesse der Bevölkerung des Bezirkes. Weil gegeneinander wissen wir eh schon wie es geht die letzten Jahrzehnte! Das würde auch dem Bund gut anstehen.“

Eine persönliche Frage: Was treibt einen mit fast 77 noch so an? Sie könnten ja auch mit ihrer Frau Weltreisen machen.

„Weil es mir ganz einfach Spass macht. Und man macht es ja auch für sich selber. Wenn man für jemand anderen etwas erreicht hat und helfen konnte, freue ich mich am Abend: ‚bumm – heut’ warst wieder gut, haben wir was zusammengebracht‘. Solange ich es kann mache ich es.“