„Hinaus in unsere wunderschöne Natur!“

„Hinaus in unsere wunderschöne Natur!“

Meine lieben „Fluaridsduafa“!

Vor wenigen Wochen habe ich Euch meine Gedanken von den eisigen Gestaden der Alten Donau offengelegt. Und bei den Temperaturen des heurigen Mai und Juni kann es nicht ausbleiben, sich unser „Hausmeer“ aufgetaut anzusehen. Denn trotz des diesjährigen, besonders starken Wachstums der Wasserpflanzen zieht dieser Rest des ursprünglichen Donauverlaufs rundum junge und jung gebliebene Wasserratten an.

Nach der Zuschüttung der Roller- oder Chalupna-Lacke bei der Floridsdorfer Brücke bietet der Bereich der Alten Donau vom Angelibad bis zum Arbeiterstrandbad das letzte natürliche „Strand-Feeling“ in unserer Heimat. Aber auch die von Menschenhand geschaffenen Bäder wie jenes in der Großfeldsiedlung mit Hallen- und Freibad oder das Hallenbad in der Franklinstraße garantieren ebenso fast römische Badefreuden wie die kleineren Freiluft-Familienbäder in Strebersdorf und in Stammersdorf. Nahezu schon ein Luxus, von dem Bewohner vor allem der Bezirke innerhalb des Gürtels nur träumen können.

Hinzu kommt auch noch die Neue Donau mit der Donauinsel. An Bäder zu denken, ohne dass einem Fluaridsduafa das selige Tröpferlbad Ecke Brünner Straße / Weisselgasse in den Sinn kommt, ist unmöglich. Auch wenn dieses Bad weniger dem Planschvergnügen als der Körperreinigung diente. Pirron & Knapp (Robert Cuny de Pierron und Josef Gnapp) haben diese Wiener Institution mit ihrem großartigen Lied unsterblich gemacht, obwohl ihr der steigende Lebensstandard bald darauf den Todesstoß versetzte.

Die Vergnügungsbäder waren viele Jahrzehnte lang auch ein Ort der Kommunikation und des Kennenlernens. Heute kommt es hingegen nicht zu selten vor, dass man in einem Freibad von Menschen umgeben ist, die jeder für sich auf ihr eigenes Handy starren und im besten Fall damit Schriftverkehr treiben. Unterhaltet’s Euch wieder miteinander, meine Lieben, durch’s Reden kommen die Leut’ z’samm! Und vielleicht findet sogar ein Gigerl ein Süßes Mäd’l wieder einmal auf natürlichem Weg anstatt über eine digitale Partnerbörse. In diesem Sinne: „Hinaus in unsere wunderschöne Natur!“ Euer Gerald Pichowetz