Jö, Waltraut Haas ist wieder bei uns in Floridsdorf!

Jö, Waltraut Haas ist wieder bei uns in Floridsdorf!

Steht man mit Waltraut Haas vor dem Gloria Theater, bleibt man nicht lange alleine. Nach nur wenigen Sekunden kommen die ersten Fans auf den Publikumsliebling zu: „Jö, sind Sie wieder bei uns in Floridsdorf? Das freut uns aber!“ Ja, sie steht auch mit 88 Jahren wieder auf der Bühne. Denn: „Otello darf nicht platzen“! Warum das sicher nicht ihr letztes Engagement in Floridsdorf ist, Film-Pläne, Auszeichnung und wie es ihr nach ihrem schweren Sturz geht, verrät Waltraut Haas im Doppel-Interview mit Gerald Pichowetz.
FLORIDSDORFER ZEITUNG: Frau Haas, 2015 haben Sie Ihre Fans mit der Meldung über einen Halswirbelbruch schockiert. Deshalb die erste Frage: Wie geht es Ihnen heute?
Waltraut Haas: Der Markus, mein Sohn, hat gesagt: ‚Du musst zunehmen.’ Ich habe fünf Kilo abgenommen seit dem Sturz. Fünf Kilo! Vor wenigen Tagen hat mir auch eine gesagt: ‘Du musst ein bisserl zunehmen, im Gesicht schaust so spitz aus’. Worauf mir die andere Kollegin sagt,’Glaub mir, Du schaust jetzt zehn Jahr jünger aus’. (lacht)

Gerald Pichowetz: Wenn ich fünf Kilo abnimm, ist das, wie nix…

c: DFZ
Waltraut Haas vor dem Gloria Theater: „Das Publikum in Floridsdorf ist großartig!“ „Otello darf nicht platzen“
wird noch bis 2. Juli 2016 gespielt!
Termine im Mai: 8., 22. und 29. Mai um jeweils 16.00 Uhr. 7., 10., 20., 21., 27. und 28. Mai um jeweils 20.00 Uhr.
Kontakt: Gloria Theater, Kartenkasse
Tel.: 01/278 54 04, Montag bis
Samstag von 12.00 bis 19.00 Uhr,
Sonn- & Feiertags geschlossen.
c: DFZ

Sie standen auch damals kurz vor einer Premiere im Gloria Theater.
Haas: Der Herr Pichowetz hat zu mir gesagt: ‚Sag mir ehrlich, ich hab einen Ersatz für Dich, willst das machen oder willst es net machen?’ Und wie lang war das nach dem Unfall, nicht einmal ein Monat?
Pichowetz: Du bist ja erst aus der Narkose aufgewacht und hast eigentlich gleich gefragt, kann ich spielen?
Haas (lacht): Der weiß mehr wie ich. Ja, und ich hab gesagt, ich kann ihm das nicht antun, denn es war ein schönes Plakat mit uns zwei. Mir ist es wirklich innerhalb drei Wochen körperlich auch besser gegangen. Ich hab natürlich mit dem Text immer meine Probleme, aber die hab ich sowieso immer. Weil mit fast 90 Jahren, kann man sich nimmer so alles merken. Und da hab ich gesagt zu Herrn Pichowetz, ich spiele. Und er war natürlich sehr glücklich. Und das war für mich das schönste Erlebnis, er hat für mich eine große Willkommensfeier gemacht, mit einer herrlichen Torte und mit wunderschönen Blumen. Und der Clou war, bei der Premiere hat er gesagt, ‘und jetzt mach ich was, was ich noch nie gemacht habe’. Und hat sich vor mir niedergekniet und gesagt: ‘Danke, dass Du uns nicht im Stich gelassen hast.’ Und da hätte ich am liebsten gleich losgeheult. Seit der Zeit liebe ich ihn, wie meinen Bruder. Das werd ich Dir nie vergessen.
Pichowetz: Wenn dann draußen ein Star am Plakat steht, und das ist Waltraut Haas, dann muss der Star spielen.
Haas: Jeder hat halt seinen Liebling, nicht?
Pichowetz: Aber, es ist ja auch ganz einfach eine freundschaftliche Verbindung über die Jahre geworden. Und das passiert in unserem Geschäft nicht sehr häufig.
Haas: Na ja, mit Dir kann man sich ja aber wirklich nicht stören.

c: Gloria Theater
c: Gloria Theater

Wie haben Sie es geschafft, so rasch wieder fit zu werden?
Haas: Fit bin ich deshalb, weil ich wirklich diszipliniert bin. Ich steh’ in der Früh auf um sieben, mache Turnübungen, aber nicht mehr wie höchstens fünf bis zehn Minuten. Und dann geh ich mit meinem Hund eine halbe Stunde spazieren. Und dann erst wird gefrühstückt. Und dann geht’s mit dem Taxi nach Floridsdorf. Weil leider, leider, kann ich nicht mehr Autofahren. Weil durch diesen Halswirbelbruch, kann ich nicht sehen, ob ein Auto mich überholt. Ich kann nicht einparken. Das kann ich alles nicht mehr machen. Und darüber bin ich sooo unglücklich.
Dafür sind Sie besser im Geschäft als viele Kolleginnen, wenn man ihren Terminplan ansieht. Was ist das Geheimnis ihres anhaltenden Erfolges?
Haas: Disziplin!
Pichowetz: Das ist natürlich schon eine Gabe, die man haben muss. Die Großen in der Branche haben nie Allüren, sind nie schwierig – und da gehört die Waltraut dazu. Und der, der da halt gern möchte, drum heißt´s ja auch, der Möchtegern – das sind dann diejenigen, die Zores machen. Das hat´s bei ihr nicht gegeben, hat´s bei ihrem Mann, Erwin Strahl, nicht gegeben. Da ist man sofort herzlich aufgenommen worden.
Seit Ende April läuft „Otello darf nicht platzen“. Die Floridsdorfer hoffen, nicht der letzte Auftritt von Waltraut Haas bei uns.
Pichowetz: Wir haben noch einige Projekte vor. Also die Waltraut wird noch lange nicht in Pension gehen. Also wir haben zwei Sachen, die können wir schon verraten.
Haas: Die Oide? (lacht) Willst Du das wirklich schon verraten?
Pichowetz: Aber ja. Es ist ein bisschen ein Fachwechsel. Die „Gschichten aus dem Wienerwald“ sind in Planung. Und die darin befindliche böse alte Frau wird die Waltraut spielen. Das ist eine Rolle, in der man sie sicherlich noch nie gesehen hat. Ein absolutes Charakterfach.
Und dann haben wir als zweites Projekt, noch eine Verfilmung, „Der Himmel auf Erden“ – das ist auch ein Theaterstück. Das machen wir im Herbst darauf…
Haas: …wenn ich noch leb’ (beide lachen)! Ich sag immer zum Markus: „Wenn ich noch leb, Schatzi.“ „Hör auf! Solche Sachen darfst Du gar nicht sagen!“, sagt er dann und ist richtig sauer.
Pichowetz: Das ist ein bissel eine Koketterie bei den älteren Kollegen. Die alten Rollen muss ja auch wer spielen. Das ist ja der Nachteil, man altert ja nur körperlich, man altert ja nicht geistig.
Nervt es Sie eigentlich manchmal immer noch auf´s Mariandl angesprochen zu werden?
Haas: Im Gegenteil. Ich freu mich drüber. Es ist ja nicht nur das Mariandl, sondern die Rösslwirtin kommt genau so oft. Also einmal Mariandl, einmal Rösslwirtin. Ich habe an die 70 Filme gemacht, und die, die gehen eigentlich unter, weil die beiden so populär waren.
Sie wären ja fast nicht zum Mariandl geworden?
Haas: Sie hatten die Maria Schell für die Rolle schon abgelehnt. Die wollten ein wirklich ganz junges Mädel fürs Mariandl. Ich hab mit 17 ausgeschaut wie 15. Also ich komm dorthin, zum Willy Forst, dem Hörbiger, dem Moser. Gezittert hab ich am ganzen Körper, Jessas, wenn die jetzt sagen, die gfallt uns net. Hörbiger und Forst haben mich prüfend angeschaut. Er net, der Moser. Er hat nur geschaut und hat gesagt: „Also pass auf, jetzt sag i da ans, Du bist für mich die Hasi und ich bin für Dich der Hansi.“
Und dann hat er gesagt zu die anderen: „Und die Klane lasst´s in Ruah, die steht unter meinem Schutz.“ Und von dem Moment an war er mein Papa. Ich hab meinen Vater verloren, als ich fünf Jahre alt war. Und er war ein hundertprozentiger Vaterersatz. Immer hat er mich beschützt, wenn irgendwas war, hat er gesagt: „Brauchst nur zu mir kommen, i moch des scho.“
Der Clou war ja der: Ich bin ja echt blond und der Willy Forst hat die Probeaufnahmen gesehen und hat gesagt, das geht net. Meine echten blonden Haare haben im Schwarz-Weiss-Material weiß ausgeschaut. Hat er gesagt, wir werden jetzt die Haare rot färben. Na, so war das. Ich hab das kleine Mariandl mit roten Haaren gespielt.
Ist Film auch noch Thema?
Haas: Ja, jetzt mach ich einen Film, wo ich die Mutter einer schlüpfrigen Person spiele, die in einem Sexshop arbeitet. Ihr Mann will scheinbar sexuell nichts mehr von ihr wissen… Eigentlich wollte ich das nicht spielen, ist mir peinlich. Aber mein Sohn Markus hat gesagt, warum nicht? Dann bist endlich die Rösslwirtin und das Mariandl los.
Pichowetz: Du bist ja schon in einem Alter, wo Du alles machen kannst.
Letzte Frage: Was bedeutet es für Sie, im Gloria Theater zu spielen?
Haas: Das war unglaublich, damals nach dem Sturz. Das Publikum hat sich vielleicht gefreut, dass ich noch leb. Aber das war ja jedes Mal ein Riesenapplaus. Und das ist lustig, wenn ich auf die Strasse komm’ und auf das Taxi wart, bin ich schon ein paar Mal angesprochen worden: ‘Jö, san´s wieder bei uns. San´s gern bei uns?’ Sag ich, „Natürlich!“ Also wirklich, ganz, ganz lieb, die Leute sprechen mich an, „Wir freuen uns ja so. Sie haben jetzt scho oft bei uns gspült.“ Sag ich: „Ja und gerne.“
Pichowetz: Zum Abschluss verraten wir noch ein kleines Geheimnis: Waltraut hat heuer ihr 70-jähriges Bühnenjubiläum. Deshalb hat mich die Stadt gefragt, ‘was kann man der Waltraut Haas für eine Auszeichnung geben?‘ Ich habe Sie daheim besucht und gefragt: was hast denn schon? Und die Waltraut hat mich zu einer Jausen eingeladen und dann hat sie aufgetischt Orden über Orden. Dann habe ich dem Bürgermeister geschrieben: „Entschuldigen, die Frau Haas ist ausdekoriert. Es gibt nix mehr zum Holen.“ Der Bürgermeister selbst hat dann beschlossen, Waltraut Haas wird mit dem goldenen Rathausmann geehrt!
-Interview: HANNES NEUMAYER