‘Kein Handlungsbedarf bei Straßenbahn & Bus’

‘Kein Handlungsbedarf bei Straßenbahn & Bus’

Die Straßenbahn ist bummvoll, der Bus fährt zu selten und die nächste Öffi-Station ist viel zu weit weg. Nicht selten beschweren sich Floridsdorfer über den öffentlichen Verkehr im Bezirk. Fakt oder Fiktion? Das hat die Floridsdorfer Zeitung mit dem Experten der Wiener Linien besprochen.

‘Angebotsplaner’ heißt die Aufgabe von Robert Wolfram. Seit 37 Jahren steht er bei den Wiener Linien im Dienst. Zunächst als Straßenbahnfahrer, seit Jahrzehnten ist er nun für die Analyse der bestehenden Linien und die Angebotsplanung zuständig. „Ausschließlich aus fachlicher Sicht”, wie er betont, „nicht aus politischer!” Die geplanten Änderungen im Straßenbahnnetz im Zuge des KH-Nord-Baus sieht er primär als politischen Wunsch zur Verbesserung des Komforts für Fahrgäste. Er und seine sechs Mitarbeiter „schlagen mögliche Varianten vor, aber wir entscheiden nicht”.

Problem Schulbeginn

Er kommt beim Lokalaugenschein Anfang September am Bahnhof Floridsdorf um 8.00 Uhr morgens rasch auf den Punkt: „Sehen Sie sich die Straßenbahnen und Autobusse an: Sind die voll? Nein. Klar wollen die Menschen nicht zu lange warten, aber aus fachlicher Sicht gibt es nirgends Handlungsbedarf.” Die Wiener Linien messen das Fahrgastaufkommen immer öfter mit automatischen Zählgeräten in den Fahrzeugen, darüber hinaus gibt es manuelle Zählungen. Und zwar in 30-Minuten-Einheiten im stärksten Querschnitt, „also an den zwei, drei Stationen mit dem meisten Verkehr und auch zu Spitzenzeiten”, so Wolfram.

Ergebnis: Eine Auslastung der Verkehrsmittel von circa 50 Prozent in Floridsdorf. Maßnahmen wie Intervallverdichtungen setzen die Wiener Linien aber erst bei 65 bis 70 Prozent. Zu hohe Ansprüche! Ausnahmen: Im Schülerverkehr morgens um etwa 7.30 Uhr. „Da müssen wir wegen des einheitlichen Schulbeginns um 8 Uhr innerhalb von 10 Minuten tausende Kinder, zum Beispiel in die Franklinstraße und Umgebung, in die Schule bringen. Warum da kein gestaffelter Unterrichtsbeginn möglich ist, verstehe ich nicht! Das würde eine echte Entlastung bringen.”

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Grundproblem für den Experten: „Die Ansprüche sind insgesamt sehr hoch. Ich denke, die Floridsdorfer können mit dem Angebot sehr zufrieden sein. Jede Intervallverdichtung bedeutet neue Fahrzeuge zu kaufen, neue Mitarbeiter einzustellen. Und das muss natürlich auch bezahlt werden”, so Wolfram. Der übrigens selbst Floridsdorfer ist und in der Großfeldsiedlung lebt.

Außerdem sei viel passiert: Es fahren immer mehr größere Niederflurstraßenbahnen, in denen 20 Menschen mehr Platz finden. Beim 34A wurden bei der Übernahme die Intervalle verdichtet. Durch die Linien 25 und 26 gibt es im Bereich Donaufelder Straße deutlich mehr Angebot, der 28A ist ganztags unterwegs und wurde an die U1 angebunden, um einige Beispiele zu nennen.

Ein weiteres Problem am Bahnhof Floridsdorf: Für mehr Öffis ist kaum noch ausreichend Platz vorhanden. Die Verkehrsfläche ist beschränkt.

Eine U6-Verlängerung ist aus Expertensicht ebenso nicht notwendig: Etwa 12.000 Fahrgäste erreichen mit der U6 täglich den Bahnhof Floridsdorf in 160 Zügen. Macht knapp 80 Fahrgäste durchschnittlich pro Zug. Platz hätten 800. -HANNES NEUMAYER