Keine Chance auf U6-Verlängerung nach Stammersdorf!

Keine Chance auf U6-Verlängerung nach Stammersdorf!

Öffi-Check: S3 im 15-Minuten-Takt, neue Straßenbahn- & Buslinien. PLUS: Die Wünsche der Bezirkspolitik.Floridsdorf wächst. Jährlich um einige tausend Einwohner und um dutzende Wohnbauprojekte bis zu ganzen Stadterweiterungsgebieten. Die Infrastruktur – vor allem bei Bim, Bahn & Bus – stößt täglich an die Kapazitätsgrenzen. Was ist geplant, wer hat welche Ideen – eine Analyse.


Thema Nummer 1 in Floridsdorf ist eine U6-Verlängerung nach Stammersdorf. Alle Bezirksparteien fordern sie, mittlerweile seit Jahrzehnten. Fakt ist: Es wird keine U6-Verlängerung geben. Sicher nicht vor 2030. Die Prioritäten der Stadt Wien und der Wiener Linien liegen bei U1 und U5. Wiener Linien-Sprecher Michael Unger: „Der nächste Schwerpunkt beim U-Bahn-Ausbau ist innerstädtisch.  Eine U6-Verlängerung ist derzeit aufgrund des dichten Straßenbahnnetzes nicht angedacht. Der Norden der Stadt ist mit den Straßenbahnen sehr gut angebunden, sodass kein Bedarf für eine U-Bahn besteht.“ Denn, die würde untertags meist leer fahren – so die Erhebungen der Wiener Linien.

BILD: Vodicka
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Neue Bim-Linien

Was kommt ist eine Intervallverdichtung auf den Floridsdorfer Straßenbahnlinien (an Wochentagen am Morgen 3,5 Minuten), inklusive einer kompletten Neuordnung der Linienführung (Details siehe Kasten). SPÖ-Stadträtin Renate Brauner im September 2015 vor der Wahl: „Wir versprechen nur das, was wir halten können. Und das, was wir versprechen, hat nicht nur Hand und Fuß, sondern kann auch unmittelbar nach der Wahl umgesetzt werden.“ Der Zeitplan kann nicht gehalten werden. Denn die Änderungen sind an die Eröffnung des Krankenhauses Nord gekoppelt und kommen realistisch gesehen im Sommer 2018.

Für Bezirksvorsteher Georg Papai grundsätzlich das richtige Konzept: „Ich hätte gerne eine U6-Verlängerung. Aber viele Stammersdorfer sagen mir, sie haben lieber eine schnellere Bim, denn sonst kommt es zu noch mehr Bau-Verdichtung! Für FPÖ-Gemeinderat Wolfgang Irschik ist vor allem „die fehlende U6-Anbindung an das neue Spital ein Scherz. Vorallem, weil die Gleise jetzt schon fast bis zum Spital gehen – es fehlen nur wenige hundert Meter.“

S3 im 15-Minuten-Takt

Ab 11. Dezember wird die Schnellbahn in 15 Minuten-Intervallen an den Stationen Brünner Straße, Jedlersdorf und Strebersdorf und auch in Niederösterreich (bis Korneuburg) halten – was hoffentlich auch mehr Pendler auf die Bahn bringt.

BILD: Vodicka
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Bessere Busverbindungen

In letzter Zeit ist auch schon einiges in Floridsdorf passiert. Seit Schulbeginn 2015 fährt die Linie 28A ganztägig und verlängert bis zur U1-Station Aderklaaer Straße. Die Linie 34A ersetzt seit Oktober 2015 den bisherigen 33B und bietet dichtere Intervalle, vor allem in jenen Bereichen mit stärkerer Auslastung, an.
Ab 2017 soll der neue 36B den 36A unterstützen. Papai: „Mit dem schon bestehenden 36A wird die neue Buslinie 36B von Jedlesee über Großjedlersdorf im Bereich Carabelligasse/Ruthnergasse bis nach Leopoldau für eine bessere Busanbindung sorgen. Durch die Unterführung Leopoldau wird dieser Bus auch für die BewohnerInnen der Großfeldsiedlung eine fußläufige Direktverbindung zum Krankenhaus Nord bedeuten!“

Park-&-Ride Strebersdorf

Es gibt keine konkreten Pläne. Und wenn, sollte man keine falschen Erwartungen an eine solche Parkanlage haben, denn sie soll eher für die lokale Bevölkerung sein. Papai: „Die Kapazität einer Park-and-Ride-Anlage in Strebersdorf wird maximal 250 Stellplätze betragen. Wir wollen damit ja nicht die Pendler anlocken.“
Unterstützung bekommt er dabei von AK-Experten Thomas Ritt: „Pendler müssen in Niederösterreich auf die Bahn gebracht werden.“ (siehe auch Interview Seite 12). Die AK schätzt: Bleiben die Öffi-Bedingungen in Wien gleich, wird der PKW-Verkehr nach Wien bis 2030 um 52 Prozent wachsen. Wie überhaupt die Zusammenarbeit Wiens mit Niederösterreich verbesserungsbedürftig ist. Irschik: „In den 90ern bei der U1-Verlängerung hätten die Niederösterreicher ein Grundstück an der Seyringerstraße zur Verfügung gestellt. Das hat Wien nicht angenommen. Die Folge: Die Menschen in der Nordrandsiedlung beklagen sich zu Recht.“

Dritte Bim auf Donaufelderstraße

Zukunftsmusik ist eine – nach derzeitigen Stand – geplante dritte Bim auf der Donaufelderstraße. Sie soll die, im Endausbau, 15.000 Bewohner des dann verbauten Donaufelds versorgen.
Die Wohnbauaktivitäten sind auch für Irschik ein großes Thema: „Je tausend Wohnungen in Neu-Leopoldau, auf den Siemensäckern und beim Heeresspital, 6500 in Donaufeld – und für kein einziges dieser Projekte gibt es ein Verkehrskonzept.“

Ideen der Bezirksparteien

Grundsätzliches Thema im 21. Bezirk ist, „dass das starke Bevölkerungswachstum nicht mit entsprechenden Maßnahmen bei Verkehr und Infrastruktur einher geht. Die öffentlichen Verkehrsverbindungen innerhalb des Bezirkes sind zum Teil 5 bis10 Minuten länger als in den achtziger Jahren.“, meint NEOS-Bezirksrat Bernhard Koch. Seine Wunschliste: Intervallverdichtungen bei den Linien 26, 27A, morgendliche Zusatzbuslinien zum Beispiel zum Schulzentrum Ödenburger Straße und ein flächendeckendes Carsharingangebot im Bezirk. Und: „Die GEWISTA macht an jedem zweiten Laternenmast Werbung für die Citybikes! Aber in Floridsdorf bekommt man keines.“

Rascher flächendeckender Einsatz von Niederflurstraßenbahnen, Schülerbusse, Verlängerung der Linie 34A bis zum Zentrum Kagran sowie Intervallverdichtungen und Verlängerung der Betriebszeiten fordert ÖVP-Klubobmann Erol Holawatsch: „Es ist vehement abzulehnen, dass die Bezirke über der Donau verkehrstechnisch weiter stiefmütterlich behandelt werden. Wir warten vergeblich auf die lange angekündigte Verkehrsberuhigung rund um den Spitz. Und ich fordere den Ausbau des U-Bahn-Grundnetzes, wie es bereits in den 70ern geplant war.“
Die fehlenden Querverbindungen sind für alle ein Thema. Irschik: „Es gab in den 70ern den Plan einer U7 von Strebersdorf bis nach Aspern – und jetzt kappt man die direkte Bim-Verbindung auf dieser Strecke. Das ist unverständlich.“

Bim nach Wolkersdorf?

Beschleunigung der Öffis durch aktive Ampelschaltungen, Busspuren und eigene Gleiskörper, Schnellstraßenbahn nach Wolkersdorf, Realisierung des 27ers statt dem Bus 31A (von Großjedlersdorf nach Kagran), Begegnungszone im Bezirkszentrum rund ums Amtshaus und „die Umsetzung des 2016 preisgekrönten Projekts ‘Mobility Points’ in unseren Grätzeln. Es würde BewohnerInnen das Anmieten umweltfreundlicher Fahrzeuge wie E-Bikes, Elektro-Autos oder Lastenräder, direkt vor der Haustür ermöglichen“, wünscht sich die Klubobfrau der Grünen, Susanne Dietl.

Nordbrücke mautfrei?

Oberste Priorität müsse laut WIFF-Bezirksrat Hans Jörg Schimanek „aber die Verlängerung der U6 bis nach Stammersdorf haben.“ Zudem will er mautfreie Stadtautobahnen, Ableitung des Durchzugsverkehrs von der Floridsdorfer Brücke auf zwei Fahrbahnen in Richtung Nordbrücke und von dort via B3 in Richtung Donaustadt bzw. über die Lundenburgergasse zur Brünner Straße. Schimanek: „Diese Maßnahmen würden auch dem öffentlichen Verkehr zu Gute kommen.“
Die Idee einer Seilbahn auf den Kahlenberg von der U6-Station Neue Donau sei hier nur am Rande erwähnt. Entlastung würde die Umsetzung kaum bringen, wohl eher die Parkplatzsituation am Bruckhaufen versschlechtern … -H. Neumayer

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