„Können nicht überall die U-Bahn hinbauen!”

„Können nicht überall die U-Bahn hinbauen!”

Bereits seit 2004 ist Ulli Sima Umweltstadträtin in Wien – mittlerweile mit Mega-Ressort inklusive Wiener Linien. Im Interview mit DFZ-Chefredakteur Hannes Neumayer erklärt sie, warum Floridsdorf für sie „eines unserer Hoffnungsgebiete, wo das Geld hinfließt“ ist.

Was verbinden Sie persönlich mit Floridsdorf?

Sima: „Alte Donau und Donauinsel. Das sind meine Lieblings-Badegewässer in der Stadt, da gehe ich auch wirklich gerne schwimmen. Ich bin am Wörthersee geboren und war lange auf der Suche nach einem Ersatz und habe dann die Alte Donau gefunden. Vor zwei Jahren haben wir den Arbeiterstrand freigegeben und auch die Strombucht im 22. Bezirk. Das war ein Schwerpunkt der letzten Jahre: Geschlossene Flächen an Gewässern zu öffnen und unentgeltlich zugänglich zu machen. Denn ich kenne das vom Wörthersee: Bis auf das Freibad kommt man nirgends mehr ans Ufer heran. Es war mir wichtig, dass Wien eine andere Entwicklung nimmt. So konnten wir jetzt zigtausende Quadratmeter öffnen.“

Stichwort Alte Donau: Wasserqualität und Makrophyten sind ein jährlich wiederkehrendes Ärgernis…

„Die Wasserqualität der Alten Donau ist top, die Makrophyten sind für die gute Wasserqualität wichtig. Aber ich bin mit dem Makrophytenmanagement nicht zufrieden! Das Zeug wächst leider 25 – 30 Zentimeter – in der Woche. Das ist also ein bisschen eine Sisyphusarbeit. Wir bräuchten einen Fisch der hochwachsende Makrophyten frisst und niedrige stehen lässt – aber der ist leider noch nicht erfunden!“

Wird für einen großen Bezirk wie Floridsdorf – etwa beim Verkehr – anders geplant als etwa für einen Innenstadtbezirk?

„Die Planung macht ja nicht die Politik, sondern die Wiener Linien. Und auf die verlassen wir uns total, denn die Wiener Linien haben ganz genaue Fahrgaststrommessungen. Sie wissen für jede Linie die Auslastung zu allen möglichen Tageszeiten und genau, wann Kapazitätsgrenzen erreicht sind und wann nachgebessert werden muss. Wir kennen also die Problemkinder und versuchen, zum Beispiel durch Takterhöhungen oder durch die XXL-Busse, die wir in der Pipeline haben, zu justieren. Bei der U6 haben wir den Takt auf zweieinhalb Minuten verkürzt – noch kürzer geht nicht mehr, da müsste die U6 wie der Paternoster im Kreis fahren.“

Im Wahlkampf 2015 wurden von ihrer Vorgängerin Renate Brauner geänderte Linienführungen bei 26er und 31er für unmittelbar nach der Wahl angekündigt. Passiert ist nichts. Warum?

„Nachdem ich es nicht versprochen habe, tue ich mir schwer, das zu kommentieren. Die Wiener Linien sagen mir, das wurde immer im Zusammenhang mit dem Krankenhaus Nord gesehen. Weil das Krankenhaus noch nicht fertig ist, gibt es auch die Umstellung noch nicht. Wenn es einen erhöhten Bedarf gibt, sind die Wiener Linien die ersten, die nachbessern. Wir haben ja keine Lust, den Leuten das Öffi-Fahren zu verderben!“

Wann kommt die U6-Verlängerung nach Stammersdorf?

„Überall gleichzeitig die U-Bahn auszubauen wird uns nicht gelingen. Momentan wird die fünfte Ausbaustufe der U-Bahn- Pakete gerade mit dem Bund verhandelt. Da ist die U6 nicht dabei. Prognosen für die U6 traue ich mir nicht abzugeben. Auch weil der Bund mit Finanzierungszusagen deutlich zurückhaltender geworden ist.”

Ein Problem in Floridsdorf sind sicher auch Pendler, die offenbar die vorhandenen Parkgaragen an der U1 selten nutzen.

„Das ist nicht meine Zuständigkeit, aber sobald man so etwas wie ein Parkpickerl hat, ist die Auslastung der Park-and-Ride-Garagen drastisch höher. Solange die Leute in der Nähe gratis parken können, wird es ausgenutzt werden. Das war bis zum Parkpickerl in Ottakring nicht anders.“ In wenigen Monaten beginnt der Bau des Stadterweiterungsgebietes Donaufeld für 15.000 Menschen. Im Unterschied zur Seestadt Aspern (vorab die U2) wird es am Ende, also in frühestens 10 Jahren, nur eine neue Straßenbahn geben. „Die Stadtplanung wird zwei Stockwerke über uns gemacht. Im Büro Vassilakou wird auch der öffentliche Verkehr geplant. Aber Fakt ist, wir werden nicht überall eine U-Bahn hinbauen können.“

Muss man in einem Flächenbezirk wie Floridsdorf einfach mit einem weniger dichten Öffi-Netz leben?

„Ich glaube es weiß jeder, wenn er weiter hinauszieht, dass er nicht die gleiche Anbindung hat, wie im 7. Bezirk. Dafür wohnst du im Grünen. Im Vergleich zu anderen Städten haben wir ein unheimlich dichtes Öffi-Netz. Auch in den Flächenbezirken.“

Von Bezirkspolitikern kommt der Vorwurf: ‚Da planen Beamte, die nie in Floridsdorf vor Ort waren‘.

„Das kann ich wirklich zurückweisen. Das hat vielleicht vor 20 Jahren gestimmt. Die meisten Projekte, die ich in Wien umsetze, sind im 21. und 22. Bezirk. Dort ist auch noch am meisten Platz. Bis auf den Hauptbahnhof waren fast alle Parkeröffnungen jenseits der Donau. Es ist sogar umgekehrt: Die Innenstadtbezirke jammern, dass ‚alles Geld nur in die Stadterweiterungsgebiete fließt und bei uns gibt es gar nichts mehr’. Ich antworte immer, aber bei euch passt eben nicht mal mehr eine Briefmarke hin! Floridsdorf ist eines unserer Hoffnungsgebiete, wo das Geld hinfließt.“

Nur ein Mythos ist die Benachteiligung auch nicht. Im Sommer haben sich viele gefrotzelt gefühlt, weil überall die 120 City-Bike-Stationen beworben wurden, es aber über der Donau nicht eine Station gibt …

„Das kann ich verstehen. Aber in meinem Ressort passiert sicher am meisten jenseits der Donau!“

Wann gibt es die im SPÖ-Grünen- Koalitionsübereinkommen vereinbarte Aufwertung des Schlingermarktes?

„Der Markt in Floridsdorf hat eine irrsinnig gute Lage in der Nähe der U-Bahn. Und rundherum ein großes Einzugsgebiet: Und dennoch ist es einer der Märkte, die nicht funktionieren. Ein Grund ist, dass es – im Gegensatz etwa zum bei weitem nicht so gut gelegenen, aber dennoch sehr gut funktionierenden Hannovermarkt – am Schlingermarkt keine Marktgemeinschaft gibt. Dann ist alle Mühe, von außen etwas zu ändern, nicht so effektiv.

Wir sind noch ein wenig ratlos, wie wir das in die Gänge bekommen. Über den Sommer überarbeiten wir die Marktordnung. Ich finde das ja lustig: Wir werden immer gerufen wie der Messias, sollen alles heilen und über Wasser gehen auch gleich noch! Die Belebung liegt aber sicher nicht an Bänken oder Springbrunnen. Wir brauchen ein paar innovative Menschen, die bereit sind gemeinschaftlich etwas zu machen.“

Was passiert mit dem Jagdschloss Magdalenenhof, das seit 2012 leer steht? Am Cobenzl hat man in wenigen Wochen eine Zwischennutzung präsentiert, am Bisamberg ist fünf Jahre lang nichts passiert.

„Nichts passiert, stimmt nicht ganz. Alle politischen Fraktionen im Bezirk haben explizit gesagt, sie wollen dort keine Gastronomie mehr, weil man nicht will, dass Autos auf den Bisamberg fahren. So war es ja auch als der Gerer nebenan im Gasthaus Pächter war. Damals sind auch alle mit dem Mercedes raufgebraust – das wollen wir nicht.

Und wir waren nicht zu doof dafür: Aber Zwischennutzung ohne Verkehr ist uns keine eingefallen. Wir haben dann sehr lange mit der Umwidmung zu kämpfen gehabt. Das ist nun umgesetzt. Mein Plan war, das Objekt mit dieser neuen Widmung zu verkaufen. Weil als Stadt wollen und können wir den Magdalenenhof nicht mehr nutzen: Es ist etwas abgelegen und mit dem Auto kommst du auch nicht hin. Das Ziel wäre also wohl, dass man zwei oder drei Wohnungen errichtet. Aber die Entscheidung hängt jetzt schon relativ lange beim Koalitionspartner, von dem wir keine Freigabe bekommen!“

Die Grünen wollen aber eine Nutzung der Stadt.

„Ich verstehe nur nicht, wie das gehen soll, ohne Verkehr zu generieren. Aber vielleicht können wir die Fußgängerbeauftragte hinaufsetzen (lacht). Die einzig vernünftige Lösung ist, dass die Grünen nachgeben.“