Krankenhaus Nord: Volle Auslastung im Sommer 2019 gegeben

Krankenhaus Nord: Volle Auslastung im Sommer 2019 gegeben

Es überrascht niemanden mehr: Das Krankenhaus Nord wird erst im Sommer 2019 in Vollbetrieb gehen und mit Kosten zwischen 1,3 und 1,4 Milliarden Euro noch teurer als geplant.

Nach unzähligenVerschiebungen steht der Zeitplan für die Öffnung des Krankenhaus Nord an der Brünner Straße in Floridsdorf fest: Im Juni 2019 soll der erste Patient behandelt werden. Eine weitere Verzögerung von sechs Monaten. Das sei nun „realistisch geplant“, hieß es auf einer Pressekonferenz. Von geplanten 825 Millionen könnten die Kosten auf bis zu 1,4 Milliarden Euro steigen. Im Best-Case sind es nur 1,3 Millionen Euro.

Krankenhaus Nord: Alle Infos von der Pressekonferenz

Im Rahmen einer Pressekonferenz stellten die Stadträtin für Soziales, Gesundheit und Frauen, Sandra Frauenberger, KAV-Generaldirektorin-Stellvertreterin Evelyn Kölldorfer-Leitgeb und KAV-Direktor Herwig Wetzlinger den weiteren Fahrplan zum Krankenhaus Nord vor. „Der detaillierte Terminplan für das Krankenhaus Nord ist fixiert. Der Vollbetrieb, das heißt die volle Auslastung des neuen Spitals, wird im Sommer 2019 erreicht sein“, so Wetzlinger. „Zudem gibt es speziell für diese kritische und wichtige Phase des Projektes, nämlich die Inbetriebnahmephase, einige Neuerungen wie die Stärkung der Bauherrenrolle mit der Einrichtung eines neuen mit ExpertInnen besetzten Lenkungsausschusses und eine enge Kooperation mit dem AKH und der MedUni Wien“, erläuterte Frauenberger.

„Das Krankenhaus Nord ist ein wichtiger Eckpfeiler des Wiener Spitalskonzeptes. Bis zum Jahr 2030 werden in drei Regionen sechs Spitäler und das AKH die Gesundheitsversorgung der Wienerinnen und Wiener übernehmen“, so Kölldorfer-Leitgeb. Die medizinische Versorgung Wiens wird in Zukunft in drei Regionen organisiert (Nord/Ost, Süd und West). In jeder Region gibt es zwei Partnerspitäler, deren Leistungsangebot aufeinander abgestimmt und einander ergänzend ist. Das AKH bleibt als Universitätskrankenhaus in vollem Umfang und mit seinem derzeitigen Leistungsangebot bestehen. An allen Standorten wird auch in Zukunft medizinische Grundversorgung angeboten. Ein wesentlicher Eckpfeiler des Wiener Spitalskonzepts 2030 ist die Schaffung von Zentren. Es wird zwei Arten von Zentren geben: interdisziplinäre – hier wird fächerübergreifend zusammen gearbeitet; monodisziplinäre: hier wird hohe Expertise in einem bestimmten Fach aufgebaut.

Das Krankenhaus Nord wird gemeinsam mit dem Donauspital die Region Nord/Ost versorgen. Diese beiden Häuser werden gemeinsam die Versorgung übernehmen, mit einander ergänzenden und aufeinander abgestimmten Leistungen. Im Krankenhaus Nord werden künftig jährlich rund 46.000 Menschen stationär versorgt und etwa 250.000 Ambulanzbesuche erwartet. Drei Spitalsstandorte, nämlich die Semmelweis Frauenklink, das Orthopädische Krankenhaus Gersthof sowie das Krankenhaus Floridsdorf, werden komplett ins Krankenhaus Nord übersiedeln. Aus anderen KAV-Spitälern übersiedeln einzelne Abteilungen bzw. Betten. Neu geschaffene Abteilungen gibt es im Bereich der Kinder- und Jugendheilkunde, der Kinder- und Jugendpsychiatrie, der Orthopädie und Traumatologie sowie der Anästhesie und Intensivmedizin.

Im Krankenhaus Nord wird es ein hochmodernes Notfall-Zentrum als erste Anlaufstelle für Notfälle geben. Durch die Trennung des Akutbereiches (Notfall) vom planbaren Bereich ist die Einrichtung von Fachambulanzen mit Terminen und dadurch kurzen Wartezeiten möglich. Das moderne OP-Zentrum verfügt über 16 OP-Säle, die ganztägig bespielt werden und eng mit dem Intensivzentrum kooperieren.

Bauliche Fertigstellung nach Plan, Behördengenehmigung soll zu Beginn 2019 vorliegen

„Wie kürzlich angekündigt, habe ich mir ein Bild vom derzeitigen Projektplan für das Krankenhaus Nord gemacht, um zeitnah zu berichten, wo wir stehen und wie es weitergehen wird“, so Wetzlinger. Dabei werde natürlich seine bisherige langjährige Erfahrung mit vergleichbaren Großbauprojekten einfließen und es werde Neuerungen geben, kündigte Wetzlinger an. Nach reiflichen Überlegungen hätten sich Wetzlinger und sein erfahrenes Team entschieden, den baulichen, technischen und behördlichen Teil des Projektes von der medizinischen Inbetriebnahme zu entflechten. Dies bedeute, dass das Krankenhaus Nord um etwa ein halbes Jahr später als derzeit geplant in Betrieb gehen werde. Der bisherige Terminplan wäre zwar realistisch und theoretisch umsetzbar, der neue Zeitplan nähme jedoch Druck und Risiko aus dem Projekt. Der Vollbetrieb, das heißt die volle Auslastung des Krankenhaus Nord, wird nun im 3. Quartal 2019 gegeben sein.

Das Krankenhaus Nord wird – wie geplant und angekündigt – heuer noch baulich größtenteils fertiggestellt werden. Im Jahr 2018 erfolgen dann letzte bauliche Details sowie die Mängelbehebung. Dabei ist es auch wichtig zu wissen, dass die immer wieder zitierten 8000 Mängel bei einem Projekt dieser Größenordnung keine außergewöhnlich hohe Anzahl darstellen. Wesentlich ist einzig, dass die Mängel, die bei jedem Bauprojekt entstehen, laufend erkannt und zeitnah abgearbeitet werden, was bereits passiert.

Technik, IKT und Medizintechnik werden im Jahr 2018 abgewickelt

Ebenso im Jahr 2018 erfolgen die technischen Probebetriebe für EDV und IKT sowie jene der Medizintechnik. Auch die Schulungen der medizintechnischen Geräte und betriebsorganisatorischen Abläufe laufen über das gesamte Jahr 2018, genauso wie die Behördenbegehungen und -bewilli¬gungs-einreichungen. Das Ziel bleibt aufrecht, dass Ende 2018 die Fertigstellungsanzeige zur Betriebsübernahme bei der zuständigen Behörde erfolgen soll. Sofern der Bescheid positiv ausfällt, kann dann im Jahr 2019 neben der Abarbeitung allfälliger Behördenthemen die medizinische Inbetriebnahme inklusive klinischem Probebetrieb starten. Ziel ist es, den Vollbetrieb der PatientInnenversorgung innerhalb von drei Monaten sicherzustellen, sodass die volle Auslastung des Krankenhaus Nord im Sommer 2019 gegeben ist.

Verstärkung der internen Bauherrenrolle und Kooperation mit dem AKH

„Was wir jetzt brauchen, ist eine für diese wichtige und finale Projektphase dementsprechend aufgestellte Organisation und gute Kooperationen“, erläutert der neue Krankenhaus Haus Nord-Verantwortliche Wetzlinger. Daher werde der Bauherr mit einem neuen Lenkungsausschuss verstärkt, in dem sich unter dem Vorsitz von Wetzlinger der gesamte KAV-Vorstand befindet sowie neben einer/einem VertreterIn der Personalvertretung auch der Technische Direktor des AKH, Siegfried Gierlinger. Auch vertreten sein werden im neuen Lenkungsausschuss der Ärztliche Direktor des Partnerspitals Donauspital, Lothar Mayerhofer sowie die zukünftigen Kollegialen Führung des Krankenhaus Nord, die Anfang nächsten Jahres bestellt wird.

Zur raschen Sicherung des Vollbetriebes nach Plan wird das Krankenhaus Nord-Team ab sofort auch in enge Kooperation mit dem AKH treten. Bei der klinischen Inbetriebnahme werden Ärztliche und Pflegedirektion unterstützend mitwirken. Im künftigen KAV-Simulationszentrum, das am Krankenhaus Nord-Gelände situiert sein wird und europaweit seinesgleichen sucht, werden dann in einem ersten Schritt gemeinsam mit der MedUni Wien sämtliche Schulung in Vorbereitung für den Betrieb des Krankenhaus Nord stattfinden.

Rechnungshofempfehlungen in Umsetzung

Der Rechnungshof hat dem KAV kürzlich den Rohbericht zum Krankenhaus Nord übermittelt. Der KAV wird nun seine Stellungnahmen dazu übermitteln. „Von den insgesamt 55 Empfehlungen betreffen 23 das Krankenhaus Nord. Diese sind bereits in Abarbeitung, einige davon bereits umgesetzt. Die restlichen Empfehlungen beziehen sich auf künftige Bauprojekte.

NEOS Stefan Gara: „Fortschrittsbericht muss jetzt transparent an den Gesundheitsausschuss ergehen, sonst wackelt auch der bereits verspätete Eröffnungstermin.“

Wien (OTS) – „Es ist auf jeden Fall positiv, dass jetzt der Fahrplan für die Finalisierung und Besiedelung des Krankenhaus Nords von Stadträtin Frauenberger vorgelegt wurde. Auch die Ankündigung der Stadträtin sich nun um mehr Transparenz zu bemühen, sehen wir positiv und als Ergebnis unserer Arbeit als Opposition. Es war höchst an der Zeit, dass die Stadtregierung die bisherigen Versäumnisse eingesteht und sich um mehr Transparenz bemüht. Jetzt muss alles getan werden, damit der anvisierte Vollbetrieb mit Herbst 2019 auch tatsächlich realisiert werden kann“, betont NEOS Wien Gesundheitssprecher Stefan Gara als Reaktion auf die heutige Pressekonferenz von Stadträtin Sandra Frauenberger. „Immer wieder fordern wir einen regelmäßigen Fortschrittsbericht an den Gesundheitsausschuss um eine laufende Kontrolle der Realisierung zu garantieren. Bisher sind wir aber bei der Stadträtin auf taube Ohren gestoßen. So ein Bericht der Leitungsgruppe an den Gesundheitsausschuss wäre dringend notwendig, gerade in der finalen Phase des Projektes. Nachdem der Vollbetrieb nochmals nach hinten verschoben wurde, muss alles getan werden, damit nun wenigstens das anvisierte Datum Sommer 2019 erreicht werden kann. Und das kann nur durch volle Transparenz sichergestellt werden.“

Spitalskonzept 2030 muss kritisch evaluiert werden

Für Gara ist das Krankenhaus Nord aber nicht die einzige große Gesundheitsbaustelle in Wien: „Das Spitalskonzept 2030 basiert auf mangelnden und teilweise veralteten Fakten. Die Probleme des Konzepts wurden am Beispiel der ursprünglich geplanten Absiedlung der Augenabteilung des Donauspitals heuer bereits drastisch aufgezeigt. Deshalb muss Stadträtin Frauenberger den Mut haben, das Spitalskonzept 2030 kritisch zu evaluieren und weiterzuentwickeln v.a. hinsichtlich der Schnittstellen zu den anderen Versorgungsangeboten der Stadt. Der niedergelassene Bereich muss in die Planung der Gesundheitsversorgung miteingebunden werden, ebenso ein konkreter Ausbauplan für Primärversorgungseinheiten. Zusätzlich muss es einen stärkeren Fokus auf Prävention geben, hier muss gerade bei Kindern und Jugendlichen angesetzt werden. Daher werden wir weiter eine Task-Force für Kinder- und Jugendgesundheit einfordern“, schließt der Gesundheitssprecher.

ÖVP: Untersuchungskommission zum Krankenhaus Nord ist Gebot der Stunde

Wien (OTS) – „Dank Rot-Grün hat sich das Krankenhaus Nord zu einem Milliardengrab entwickelt und sich die Inbetriebnahme bis zum St.Nimmerleinstag hinausgeschoben“, so der designierte Stadtrat Markus Wölbitsch und ÖVP Wien Gesundheitssprecherin LAbg. Ingrid Korosec angesichts der heutigen Pressekonferenz von Stadträtin Frauenberger mit der KAV-Führung und zur Bekanntgabe einer weiteren Verschiebung bei der Eröffnung des Krankenhaus Nord. Die Parallelen zum Flughafen in Berlin seien frappierend. Nach mehreren geplatzten Eröffnungsterminen habe man sich wieder einmal auf ein neues Datum festgelegt.

So soll das Krankenhaus Nord im September 2019 in den Vollbetrieb gehen. Ob dieser Termin überhaupt halten werde, sei angesichts der Vorgeschichte zudem mehr als zweifelhaft. Nach einer verkündeten weiteren Verschiebung sei wohl auch die nächste Kostenerhöhung bestimmt nicht weit.

„Das Projekt ist zur größten Steuergeldverschwendung der 2. Republik geworden sowie eindrucksvolles Symbol für rot-grünes Missmanagement und Unprofessionalität. Die Kritik des Rechnungshofes, die kürzlich den Medien zu entnehmen war, hat uns in unseren Befürchtungen bestätigt. Die Einsetzung einer Untersuchungskommission ist deshalb das Gebot der Stunde“, so Wölbitsch.

„Wir brauchen Klarheit und Wahrheit beim Krankenhaus Nord. Die politische und administrative Verantwortung muss umgehend geklärt und die parlamentarische Kontrolle in Gang gesetzt werden“, so Korosec weiter. Die ÖVP Wien habe dazu einen fertigen Antrag auf Einsetzung einer Untersuchungskommission zur Klärung der Fehlentwicklungen beim Krankenhaus Nord vorbereitet. „Alle Fehlentwicklungen und Missstände bei Planung, Konzeptionierung, Finanzierung, Kosten bzw. Kostenentwicklung, Ausschreibung und Errichtung des Krankenhaus Nord müssen schleunigst aufgeklärt werden“, so Korosec und Wölbitsch abschließend.