Lokalaugenschein: Wie sicher ist der Bahnhof Floridsdorf?

Lokalaugenschein: Wie sicher ist der Bahnhof Floridsdorf?

Der Franz-Jonas-Platz mit dem Bahnhof Floridsdorf zählt nicht zu den beliebtesten Plätzen im 21. Bezirk. Aber er ist der am meisten frequentierte. Immer wieder macht der Platz Negativ-Schlagzeilen in Sachen Sicherheit und Sauberkeit. ÖVP-Stadtrat Markus Wölbitsch war mit dem Ex-Polizisten und Sicherheitssprecher der ÖVP, Karl Mahrer, im Rahmen einer Sicherheitstour vor Ort. Die DFZ hat die Politiker beim Lokalaugenschein begleitet.

Es ist Mitte Juni und ein untypischer Tag. Nach bzw. vor der Hitzewelle ist es heute kühl und regnerisch. Pech für die ÖVP-Truppe, deren Bezirksvertreter ihren Kollegen berichten, „dass die Baumscheiben am Franz Jonas Platz sonst gut gefüllt sind”. Mahrer, Ex-Landespolizei- kommandant in Wien, spricht mit seinem Ex-Kollegen. Sie berichten, dass sie in Floridsdorf seit dem Alkoholverbot am Praterstern keine Verlagerung beobachten können.

Mahrer im Gespräch mit Pizza & Grill Geschäftsführer. Bild: ÖVP.
Mahrer im Gespräch mit Pizza & Grill Geschäftsführer. Bild: ÖVP.

Das sehen nicht alle so. Der nächste Halt ist ‚Pizza & Grill‘ im Bahnhofsgebäude. Betreiber Joachim Richling stellt klar: „Ich beobachte sehr wohl eine Verlagerung alkoholisierter Personen seit dem Verbot am Praterstern. Aber auch der Drogenhandel ist ein Problem: Das können wir jeden Tag beobachten, wenn die Polizeistreifen kommen und  plötzlich Leute verschwinden …“

Ein Thema, das sich durch den Nachmittag zieht: Die Sozialarbeiter der diversen Teams, die am Floridsdorfer Brennpunkt im Einsatz sind: HelpU, Fair-Play-Team, etc. Richling: „Die waren einmal bei mir – seither habe ich sie nie wieder gesehen.” Das ist der einhellige Tenor der befragten Geschäftsleute. Ausgenommen wird die Caritas, die im Durchgang zur Franklinpromenade täglich Menschen mit Speisen versorgt.

 

Erol Holawatsch. Bild: Fotostudio Vodicka.
Erol Holawatsch. Bild: Fotostudio Vodicka.

 

 

 

Erol Holawatsch, Chef der ÖVP-Floridsdorf hat in den letzten Jahren Veränderungen beim Sicherheitsgefühl der Bevölkerung bemerkt: „Ich höre von vielen älteren Menschen, dass sie Angst haben hinauszugehen. Auch vom Wasserpark werden mir viele Probleme mit Alkoholikern und Sandlern berichtet, die alle Bänke besetzen. Alte Damen erzählen mir, dass sie sich einen Pfefferspray kaufen, Herren einen Elektroschocker. Warum? Weil sie Angst haben!”

 

 

 

 

 

„Die Menschen, die hier unterwegs sind, haben nichts davon, dass es an anderen Plätzen in Wien schlimmer ist. Floridsdorfer fühlen sich unrund und unsicher, auch wenn es hier keine Kriminalitätsexplosion gibt”, zieht Mahrer Bilanz. Er will lieber mehr Präsenz auf der Straße, als Beamte in einer zusätzlichen Polizeistation im Bahnhof, die dann nur Anzeigen schreiben. Aus Sicht der patrouillierenden Polizei gibt es auch Positives zu berichten: Die Drogenprobleme im Bodenstedtpark wurden aufgelöst, die Tschetschenen vertrieben und auch mit Alkoholikern gäbe es „keine Probleme – wenn man sie richtig anspreche”. Was nicht alle Beamten können, wie ein Polzist meint. Sein Fazit: „Das Bild ist nicht schön. Aber wir sprechen von gefühlten Problemen, nicht von kriminellen.”

 

 

 

 

Holawatsch, Mahrer und Wölbitsch im Gespräch mit DFZ-Chefredakteur Hannes Neumayer. Bild: ÖVP.
Holawatsch, Mahrer und Wölbitsch im Gespräch mit DFZ-Chefredakteur Hannes Neumayer. Bild: ÖVP.

 

Lokalaugenschein im Modegeschäft. Bild: ÖVP.
Lokalaugenschein im Modegeschäft. Bild: ÖVP.

 

Nächster Halt ist die Müller-Passage und da das Mode-Geschäft Madame. „Es gibt viel zu viele Bettler – mindestens sechs. Die liegen oft betrunken vor dem Lotto-Geschäft. Kommt die Polizei, laufen sie davon. Zwei Stunden später sind sie wieder da”, ärgert sich Aradhana Narula. Schon öfters randalierten Alkoholiker in ihrem Geschäft: „Die Polizei ist sehr hilfreich, aber arm. Das Fair-Play-Team habe ich noch gar nicht gesehen.” Und ein Alkoholverbot am Franz Jonas Platz? Mahrer: „Eindeutig ja! Alkoholiker verhindern die Nutzung der Plätze zur Erholung der Anrainer. Ein Platz der versandelt, ist der Beginn einer Unsicherheitszone, die später zu einem Kriminalitätsproblem wird.” In einer Facebook-Umfrage der DFZ meinten 68 %, der Bahnhof sei der „unangenehmste Ort im 21. Bezirk”. Für Holawatsch keine Überraschung: „Ich hole meine Tochter auch von der Schülerhilfe am Franz Jonas Platz ab, weil ich nicht will, dass sie alleine auf die Bim warten muss.” -H. Neumayer