‘Meet & Greet’ mit dem Bürgermeister

Michael Ludwig: Heimspiel in der Sektion 8. Ein Abend zwischen Selfies, Autogrammen und kritischen Fragen.

Wenige Tage nach der Kür zum Wiener SPÖ-Vorsitzenden und somit kommenden Wiener Bürgermeister besuchte Michael Ludwig eine SPÖ-Sektion in Jedlesee. Ein Heimspiel – mit unsichtbarem Gast.
Sektion 8 und Heimspiel? Da werden SPÖ-Experten stutzig. Wir reden nicht von der kritischen Alsergrund Abteilung der
Sozialdemokraten, sondern der Floridsdorfer. Und das merkt man spätestens nach Abwicklung der Sektions-Berichte: Ein Heimspiel für Ludwig, selbst Strebersdorfer. In einem mehrminütigen selbstgemachten Video wird der kommende Bürgermeister gefeiert.
Michael Ludwig (mitte) mit Jürgen Boszoki (r.) und Sektionschef Christian Schmid. Bild: Votava.
Michael
Ludwig (mitte) mit Jürgen Boszoki (r.) und Sektionschef Christian Schmid. Bild: Votava.
Allen voran vom langjährigen Ex-Leiter der Sektion, Bezirksrat Jürgen Boszoki. Der bezeichnet sich selbst humorvoll  als
‘Finanzminister Floridsdorfs’ (er leitet den Finanzausschuss im 21. Bezirk) und kann sowohl als Ludwig Vertrauter wie auch als frenetischer Fan bezeichnet werden. Der Tag der Wahl Ludwigs zum SPÖ-Vorsitzenden ist für ihn „der schönste meines Lebens – abgesehen vom WM-Titel Italiens …”
Normal gibt es in der Sektion knapp 25 aktive Mitglieder, heute ist der kleine Saal im Franz-Jonas-Hof mit 125 Leuten gesteckt voll. ‘Bürgermeisterschauen’ ist eine Gruppe eines Afghanischen Kulturvereins, oder ein Abgeordneter aus Langenzersdorf. Sie alle lauschen im Anschluss Ludwigs 45-minütigem Referat, dass er mit „hier weht der Geist der Freundschaft. Und man weiß  warum das unser Gruß ist. Das ist nicht überall so!” startet.
Ludwig und Vorgänger Franz Jonas. Bild: Votava.
Ludwig und Vorgänger Franz Jonas. Bild: Votava.

Ludwig spannt einen historischen Bogen von 1848 über 1918 und 1938 bis heute, von der neuen Bundesregierung bis in den 21. Bezirk. Nach Lob für die Sektion – „die Sektion 8 ist ein hervorragendes Beispiel, wie man sich Sektionsarbeit wünschen würde – auch in vielen anderen Teilen der Stadt. Man müsste jeden der ehrenamtlichen Mitarbeiter vergolden!” – schwört er die Anwesenden auf die Wien-Wahl 2020 ein.
Und spätestens jetzt ist auch ein gar nicht anwesender Gast dabei: Die FPÖ. Ludwig: „Der Umstand, dass wir 2015 um den  Bezirksvorsteher zittern mussten, ist ein starkes Alarmsignal. Wir werden noch  stärker präsent sein müssen.”
Das sehen auch viele der Genossen offenbar ähnlich. Denn den größten Applaus bekommt Michael Ludwig an diesem Abend für folgendes Statement: „Ich will nicht nur die Einigung innerhalb der SPÖ vorantreiben. Wir dürfen nicht automatisch ablehnen, was von anderen Parteien kommt – denn da ist nicht alles schlecht.”
Für den Mann, der ab 24. Mai Bürgermeister Wiens sein wird, ist klar: Die Auseinandersetzung 2020 wird hart. Und so Ludwig, nicht einmal als stimmstärkste Partei stelle man mit Sicherheit weiter den Bürgermeister: „In Wiener Neustadt haben sich alle zusammengetan, um einen SPÖ-Bürgermeister zu verhindern.”
Bild: Votava.
Bild: Votava.
Das soll verhindert werden, u.a. mit besserer Sozial- & Verkehrsinfrastruktur, Stärkung des Wirtschaftsstandorts Wien, der Nordostumfahrung und der dritten Piste am Flughafen Schwechat …
In der anschließenden Fragerunde landet man nach dem  Krankenhaus Nord („kein Ruhmesblatt”), Integration („Wir sind für alle Menschen da”) und der Vergabe von
Gemeindewohnungen rasch wieder bei der FPÖ. Offenbar auch das Thema, das die Funktionäre am meisten beschäftigt. Ludwig erklärt: „Es heißt nicht, dass wir uns nicht um die Menschen kümmern sollen, die FPÖ wählen. Das waren zu einem Teil Menschen, die früher ein Naheverhältnis zur SPÖ gehabt haben. Und das sind ja auch nicht alles Nazis, wie es manchmal behauptet wird. Der Großteil der FPÖ-Wähler ist deshalb zur FPÖ gegangen, weil sie enttäuscht sind, von dem was wir in der Politik umsetzen. Und die muss man zurückholen, dass dürfen wir nicht der FPÖ überlassen.”
Allerdings bleibt der SPÖ-Wien-Chef bei seiner Linie: „Eine Koalition mit der FPÖ in Wien ist ausgeschlossen. Aber wir müssen im Dialog bleiben.”
Das stellt nicht alle zufrieden. Eine  Genossin setzt nach: „Ist das nicht genau die Ausgrenzungspolitik, die uns das Genick bricht?” Ludwig: „Es gibt derzeit inhaltliche Unterschiede, die eine Koalition verhindern. Gerade die letzten Wochen zeigen das. Ich wünsche der FPÖ einen Reinigungsprozess. Vielleicht ändert sich die FPÖ. Deshalb kann man eine Koalition nicht für alle Ewigkeit ausschließen.”
Bild: Votava.
Bild: Votava.
Zum Abschluß startet der Meet & Greet-Teil des Abends. Geduldig macht Ludwig Fotos, schreibt Autogramme, führt persönliche Gespräche und nimmt so manchen persönlichen Wunsch auf! Auch in der Sektion 8 hat man den kommenden Bürgermeister nicht jeden Tag zu Gast.
-HANNES NEUMAYER
Sektionsabend mit Michael Ludwig. Alle Fotos: Votava (PID).
Sektionsabend mit Michael Ludwig. Alle Fotos: Votava (PID).
Bild: Votava.
Bild: Votava.
Bild: Votava.
Bild: Votava.