Meine lieben „Fluaridsduafa“!

Meine lieben „Fluaridsduafa“!

Ihr werdet es sicher auch schon bemerkt haben: Die Tage werden kürzer! Auch wenn der August zum Schluss also doch noch ein paar schöne Spätsommertage in der Hinterhand hatte, an die man sich mit etwas gutem Willen durchaus hätte gewöhnen können, es hilft nichts, der Herbst zieht ins Land. In den Tagen meiner frühen Adoleszenz bedeutete dies in erster Linie einmal „Schulanfang!“. Doch es gab daneben auch noch so saisonale Betätigungen wie etwa Kastanienklauben oder Drachensteigen, welche ihren Reiz mit dem eigenen Nachwuchs wiederauferstehen ließen.
Nun ist der durchschnittliche Wiener aber keiner, der bis zur Bahre sich nach Kastanien zu bücken imstande ist, und noch weniger mit selbstgebastelten Drachen herumläuft. Für diese späteren Phasen des Lebens gibt es unter anderem in Wien – und in besonders großem Ausmaß in Floridsdorf – die mit der vielgepriesenen Haupteigenschaft „Gemütlichkeit“ der hiesigen Ureinwohner in so vorzüglicher Weise kompatiblen „Heurigen“.
Kaiser Joseph II. und seiner Zirkularverordnung vom 17. August 1784 verdanken wir diese Einrichtung, mit der im Grunde die autonome Selbstvermarktung eigener Lebens- und Genussmittel ermöglicht wurde. Eine Delikatesse ist hierbei die bis vor 50 Jahren übliche Vorgehensweise, zum Heurigen sein Essen auch selbst mitzubringen, was erstaunlicherweise auch heute noch erlaubt ist, und woran man auch eine echte „Buschenschank“ erkennen kann, die auch keine warmen Speisen kredenzen darf.
Der Name des „Heurigen“ leitet sich vom althochdeutschen „hiu jaru“ („in diesem Jahr“) ab, und weist auf die zunächst primäre Ausschank des Jungweines hin, und die „Buschenschank“ verdankt ihren Namen dem meist grünen, ausgesteckten Buschen, der zur Ausschankzeit den Eingang ziert, also anzeigt, dass hier „ausg’steckt“ ist. Die 200 Hektar Weinanbaufläche Floridsdorfs werden nur von jenen Döblings übertroffen, wobei allerdings von den derzeit etwa 85 Wiener originalen Buschenschänken ein Gutteil in unserem Bezirk zu finden ist. Nun aber genug der klugen Worte, meine Lieben, geht hinaus in die romantischen Gefilde und lasst es Euch in unseren Buschenschänken und Heurigen munden, PROST! Euer Gerald Pichowetz