Neu-Leopoldau: Wohnbau auf giftigen Weltkriegsrelikten?

Neu-Leopoldau: Wohnbau auf giftigen Weltkriegsrelikten?

Als „Gefahr für Umwelt und Gesundheit der Menschen“ hat Vizebürgermeister Johann Gudenus (FPÖ) das Bauprojekt Neu-Leopoldau bei einer Pressekonferenz bezeichnet. Am Gelände eines ehemaligen Gaswerks im 21. Bezirk sollen bis 2019 rund 1.000 neue Wohnungen entstehen. Gudenus forderte einen Baustopp, solange das dortige Erdreich mit Chemikalien kontaminiert sei. Er bezog sich damit auf einen Bericht des Bundesumweltsamts, aus dem ferner hervorgehe, dass das Gelände nicht komplett saniert, sondern lediglich „gesichert“ worden sei. Forderungen der Freiheitlichen nach einer Umweltverträglichkeitsprüfung sowie einem Sanierungskonzept seien von der Stadt abgelehnt worden.

FPÖ-Gemeinderat Michael Niegl meinte, die Chemikalien seien krebserregend und könnten das menschliche Erbgut schädigen. Da sie nicht biologisch abbaubar seien, müsste das Erdreich abtransportiert werden. Die Baustelle gefährde das installierte Sperrsystem, welches ein Versickern der Chemie ins Grundwasser verhindere. Gemeinderat Udo Guggenbichler (FPÖ) sagte, die Stadt wolle das Wohnhaus „mit aller Gewalt“ bauen. Es würden „SPÖ-nahe Bauträger“ zum Zug kommen, die Auswirkungen auf Mensch und Umwelt würden nicht berücksichtigt.

Neu-Leopoldau: Baustopp?

Die FPÖ fordert nun einen Baustopp, zumindest auf dem 7 von 42 Hektar großen Zentralrauzm. Alleine hier würde eine ordnunggemäße Entsorgung laut FPÖ 170 Miollionen Euro Kosten. Mehr als der gesamte Wohnbau am Gebiet.. Denn beim Projekt mit über 1000 Wohnungen werde sicher auch Urban Gardening, Naschgarten, etc umgesetzt und eine gesundheitsschädliche Beeinträchtigung der essbaren Pflanzen könne nicht garantiert werden. Niegl vergleicht den Fall mit einem DDR-Bauprojekt, dem Ernst-Thälmann-Park, in Berlin. „Auch dort wurde auf einer vormals städtischen Gasanlage gebaut. Konsequenz wenige Jahre später klagten Anrainer über Kopfschmerzen und Vergiftungserscheinungen.“

Info-Veranstaltung zu Neu-Leopoldau

Die FPÖ richtet nun am 18. April (18 Uhr) im Haus der Begegnung in der Großfeldsiedlung (Kürschnergasse 9) eine „Bürgerinformations-Veranstaltung Neu-Leopoldau“ aus.

Neu-Leopoldau: Aufwändige Grundwassersicherung?

„Für AnrainerInnen und künftige BewohnerInnen besteht absolut kein Grund zur Sorge. Die Altlast Gaswerk Leopoldau wurde längst vom Umweltbundesamt als gesichert deklariert und es wurden schon vor Jahren Dutzende Bodenproben genommen und aufwändige Sicherungsmaßnahmen gesetzt. Alle anderslautenden Behauptungen sind nachweislich falsch“, betont der Geschäftsführer der Neu Leopoldau Entwicklungs GmbH, Peter Ruso. „Selbstverständlich wird bei den noch heuer beginnenden Bauarbeiten durch den Einsatz einer chemischen Bauaufsicht sichergestellt, dass sämtliche Risiken für jetzige und künftige AnrainerInnen und für die Umwelt ausgeschlossen werden.“

Von 2004 bis 2006 wurde der Altstandort abgesichert. Insgesamt wurden rund 25.000 Tonnen Beton und Stahlbeton abgebrochen, 1.200 Meter Rohrleitung und 500 Meter Gleise rückgebaut sowie 55.000 Tonnen Untergrund und 10.000 Tonnen Bauschutt ausgehoben und weggeführt. Rund 5.000 Tonnen davon wurden als nicht deponierbares Material entsorgt. Die offenen Gruben wurden im Anschluss mit rund 70.000 Tonnen angeliefertem Material wiederverfüllt. Danach wurden die Doppelkammerdichtwand und die Sperrbrunnenreihe abgesichert. Diese Altlastensicherungsanlage wird auch in Zukunft in Betrieb sein und ständig überprüft.

Großflächiger Austausch des Bodens

Zudem entstehen im Zuge der Hochbautätigkeiten in Summe mehr als 40 neue Gebäude auf 13 Bauplätzen. Durch diese Hochbautätigkeit und die damit einhergehenden Aushubtätigkeiten kommt es zu einem großflächigen Austausch des Bodens. Nach Abschluss der Hochbautätigkeiten erfolgt die Gestaltung der Außenflächen zwischen den Baukörpern und die Ausgestaltung des in Summe 8.151 m² großen Parks. Dabei kommt es ebenfalls zum Bodenaustausch. Nach Beendigung des Projektes kann davon ausgegangen werden, dass die gesamte Oberfläche im Gebiet neu hergestellt und ausgetauscht wurde.