Pichowetz: „Möchte nicht ewig auf der Bühne stehen“

Pichowetz: „Möchte nicht ewig auf der Bühne stehen“

Gerald Pichowetz im Interview mit DFZ-Chefredakteur Hannes Neumayer über die Zukunft des Gloria Theaters, seine Pensionspläne, die Männerfreundschaft zu Christoph Fälbl und seine Gesundheit.

Eigentlich sollten die letzten Vorbereitungen für das neue Stück mit Publikumsliebling Waltraut Haas laufen …

Gerald Pichowetz: „Leider hat sie einen Oberschenkelbruch, Gott sei Dank nicht den Oberschenkelhals. Sie hat zwar gemeint, sie schafft das dann schon. Aber natürlich auf wackeligen Beinen, mit über 90 dann unter Schmerzen es vielleicht zu probieren, das will man ja nicht. Ich finde es mehr als bewundernswert, dass jemand sich in dem Alter noch so fit nicht nur fühlt – sondern auch geistig so rege ist, um etwas zu tun! Das finde ich großartig. Jetzt werden wir schauen, wie es ihr geht und das Stück irgendwann nachholen.”

Als ‚Ersatz‘ spielt Ihr ‘Boeing Boeing’ mit Christoph Fälbl.

„Wir haben es schon einmal gespielt, in der alten Bühne 21 vor 22 Jahren. Unterm Strich wird es jetzt modernisiert, eigentlich sind der Kollege Fälbl und ich schon zu alt für die Rolle. (lacht) Es ist eher unglaubwürdig, dass sich so junge Stewardessen in so alte Herren verlieben. Sonst bekommt das so etwas ‘Sugardaddy artiges’, da muss man ein bisschen aufpassen.”

Fälbl ist schon Stammgast im Gloria Theater. Ist er dein Lieblingspartner?

„Hmmh … Das ist jetzt schwer, wenn ich das sagen würde, würde ich andere treffen. Christoph und ich kennen uns jetzt schon seit über 30 Jahren aus Zeiten mit Herwig Seeböck. Wir haben uns irgendwann bei einer Fernsehgeschichte kennengelernt. So wie mit Andreas Steppan oder Dorian Steidl ist beim Christoph und mir eine private Freundschaft entstanden. Und das ist eher selten in unserem Beruf.

Oft trifft man sich zu einer Produktion, dann verliert man sich wieder aus dem Auge, sieht sich jahrelang nicht. Und dann gibt es halt doch den einen oder anderen, mit dem sich der Kontakt bei einem Heurigen vertieft. Und da gibt es dann schon wahre Männerfreundschaften. Bei Frauen bin ich da natürlich vorsichtiger. Weil da hat man ja sofort die Unterstellung, das irgendwas da wäre … Es wird ja so viel Blödsinn geredet in dem Beruf, dass es eigentlich schon schauerlich ist. Es g’fallt mir immer am meisten, wenn ich Leute treffe, die mir meine Lebensgeschichte besser erzählen, als ich sie kenne!”

Was zeichnet Fälbl als Schauspieler aus?

„Wenn du eine gewisse Popularität hast, die du nur durch ein Massenmedium erreichen kannst, hast du das Problem, dass die Leute dich damit identifizieren, was du dort – im Fernsehen – gemacht hast. In der Schublade steckst du drinnen. Und du kommst schwer raus. Mutlos wie unsere Theaterlandschaft ist, lässt man die Leute in den Laden sitzen, in denen sie sitzen. Und traut ihnen eigentlich nichts zu. Ich kenne den Christoph von einer ganz anderen Seite. Weiß, dass es ihm durchaus ein Anliegen wäre, auch ernsthafte Dinge zu spielen.”

Letzten Sommer hast Du in Tirol in Anatveka gespielt. Was steht heuer an?

„Heuer mache ich zweimal den Frosch: Einmal inszeniere ich die Fledermaus in Bad Hall und spiel den Frosch. Und zum Zweiten spiele ich in Kufstein den Frosch, gemeinsam mit Volker Heißmann. In einer Fassung mit zwei Fröschen, einem fränkischen und einem wienerischen! Anatevka war natürlich eine Charakterrolle. Die, die es gesehen haben, haben Jubelhymnen geschrieben. Was mich auch freut. Das sickert natürlich nicht bis hier nach Wien.”

Solltest Du nicht kürzer treten? Ende 2018 hat die Meldung über deinen Krankenhausaufenthalt die Fans beunruhigt…

„Das hat auch wieder mit Geld zu tun. Sehr Viele kommen ins Gloria Theater, um mich zu sehen. Tatsache ist, wenn ich nicht spiele, sind manche vergrault. Bei der Miss Marple hat es mit einer Bronchitis angefangen und ist im Krankenhaus geendet. In der Intensivstation. Das hat doch auch etwas mit zunehmendem Alter zu tun: Man geht mit sich ja nicht schonend um. Man denkt sich: rennt eh alles klass‘, wie mit 25. Das ist der Irrtum! Und das habe ich jetzt begriffen. Jetzt fehlt es noch an der Umsetzung ein bisschen.”

Viele Fragen auch mich: Wie geht es dem Pichowetz? Wie geht es Ihm?

„Wie es einem wirklich geht, weiß man ja nicht – das weiß der Blutbefund. Mir geht es persönlich gut, dem Blutbefund geht es schlecht. Es ist eine Lebensumstellung zu tätigen und die schleicht langsam in mein Leben ein. Das fängt bewegungstechnisch an. Das geht dann wieder damit einher, dass andere Leiden wieder aufs Tablet kommen, weil man sich ja doch jahrelang nicht beweglich bewegt hat. Meine letzten Bewegungszyklen waren Dancing Stars. Das ist eine Weile her.

Über kurz oder lang wird es hier im Gloria Theater sicher auch gröbere Änderungen geben müssen. Ich bin nicht ewig da. Und ich arbeite auch daran, ein bisschen im Leben noch etwas zu genießen. Wir werden uns also überlegen müssen, wer macht hier weiter. Eine Zeit lang werde ich dann noch spielen und dann auch damit aufhören. Ich bin da Realist und kein Träumer. Ich höre auch gerne auf – ich möchte nicht ewig auf der Bühne stehen.”

Keine Angst vor dem Pensionsschock?

„Nein, weil ich habe ja mit Hobbys vorgesorgt! Eisenbahnspielen, ich habe meine Traktorsammlung von Hofherr Schranz, die zu bewältigen ist, einen Garten… und es ist schön das auch mal zu genießen!”