Auf Planquadrat mit Floridsdorfs Polizei

Auf Planquadrat mit Floridsdorfs Polizei

Drei vorläufige Abnahmen der Lenkberechtigung, 255 durchgeführte Alkovortests und drei durchgeführte Alkomattests, ein  Schnellfahrer ohne Lenkberechtigung (113 km/h), acht Anzeigen wegen Lenkens ohne Lenkberechtigung, zwei gefälschte Begutachtungsplaketten, 92 Anzeigen wegen abgelaufener ‘Pickerl’, vier Abnahmen der Kennzeichentafeln, 58 Organmandate sowie 158 Anzeigen, 11 Fahrzeuge wurden der Prüfanstalt der MA46 vorgeführt mit insgesamt 31 Anzeigen. Das ist die nüchterne Bilanz des ‘Planquadrats’ der Floridsdorfer Polizei in der Nacht von 9. auf 10. August. DFZ-Chefredakteur Hannes Neumayer hat die polizeiliche Schwerpunktaktion begleitet.

Los geht es um 19 Uhr mit einer Einsatzbesprechung in der Hermann Bahr-Straße. Bezirksinspektor Christian Sandner erklärt die gemeinsame Aktion mit der Donaustädter Polizei. Neben unterschiedlichen Polizeieinheiten, Landesverkehrsabteilung, der Parkraumüberwachung, einem Team der MA46 inklusive Prüfanlagen und einem Schnellrichter, ist diesmal auch die Finanzpolizei dabei (und die MA59 zur Überprüfung der Gewerbeordnung). Die interessiert sich speziell für unsaubere Taxi-Unternehmer und Uber-Fahrer. Wie man letztere erkennt? Sandner: „Viele haben Kärntner Kennzeichen. Taxifahrer haben bessere Ausbildung und müssen auch unbescholten sein!”

Außerdem soll verstärkt auf gestohlene Fahrzeuge geachtet werden, „besonders beliebt sind neben Dauerbrennern wie Audi A6 auch Mazda 3 & CX5”. Kommandozentrale ist der Parkplatz auf der Floridsdorfer Brücke. Losgehen wird es gegen 22.30 Uhr – vorerst heißt es für die Zweier-Teams „freie Jagd, dann machen wir die Brücke zu”.

Links: Bezirksinspektor Sandner mit Hannes Neumayer. Bild: Fotostudio Vodicka.
Links: Bezirksinspektor Sandner mit Hannes Neumayer. Bild: Fotostudio Vodicka.

Ich begleite Sandner und seinen neuen oberösterreichischen Kollegen, Bezirksinspektor Huber. Es ist für einen Mittwoch Abend ruhig auf der Brünner Straße. Gegen 19.40 Uhr wird der erste Fahrer angehalten – er hat im Auto telefoniert. Er ist der Erste von circa 300, der mit „Guten Abend, Lenker- & Fahrzeugkontrolle. Führerschein und Fahrzeugpapiere, bitte” begrüßt werden wird. Er scheitert schon daran, denn der Führerschein fehlt.  Seine Daten werden per Funk abgefragt, und er muss das tun, was der Wiener ‘Blasen’ nennt – den Alkovortest machen. Das gilt ausnahmslos für Jeden, erzählen die Beamten. Hätte ich nicht gewußt, „Rausreden ist diesbezüglich also unmöglich”, denke ich mir. Die kurze Handy-Nutzung gesteht der Fahrer nach ebenso kurzem Zögern. „Das macht normal 50 Euro für Telefonieren und 20 Euro für den nicht mitgeführten Führerschein. Sind Sie mit 20 Euro einverstanden?“, fragt Sandner den jungen Mann. Ist der natürlich.

„Warum so kulant”, frage ich Sandner, „weil ein Journalist dabei ist?” Sandner lacht: „Nein. Er war freundlich und einsichtig. Es gilt: wie man in den Wald ruft, so kommt es zurück!” Kann man glauben, muss man nicht, denke ich mir. Am Ende der Aktion wird seine Einstellung auch bei der Beobachtung vieler seiner KollegInnen bestätigt werden. Es ist allerdings auch keiner der Kontrollierten ausgezuckt. Und auch ich habe auch schon Polizisten erlebt, deren Verhalten ich nicht verstanden habe.

Unsere Runde geht weiter: Ein Taxi, ein Chauffeurdienst und eine Privatperson werden kontrolliert. Alles okay. Dann, auf der Jedleseer Straße nimmt uns eine junge Frau quasi mit Anlauf den Vorrang. „Nicht so clever”, denke ich mir. Huber erkennt noch im Wagen, Fahrerin und Beifahrerin sind nicht angeschnallt. Das Verhalten der jungen Frau wird für viele typisch sein. Sie ist sichtlich überrascht, verunsichert, geständig und freundlich. Polizeikontrollen scheinen für die Meisten eine ungewohnte und seltene Situation zu sein. Die beiden Damen kommen mit einmal 35 Euro statt zweimal davon. Um 20.35 kontrollieren wir in der Wenhartgasse einen polnischen Opel, der laut Anrainern hier seit Jahren an gleicher Stelle parkt. Fahrzeug & Lenker werden überprüft – auch mit polnischen Behörden gibt es längst eine Kooperation. Beanstandungen werden keine gefunden. Sandner: „Für die Anrainer ist das sicher extrem ärgerlich. Aus polizeilicher Sicht können wir nichts tun. Das Auto steht eindeutig schon länger hier – aber auch wenn es tatsächlich drei Jahre sind: Parken ist nicht verboten – solange der Wagen zum Verkehr zugelassen ist.”

Zwischendurch hören wir am Funk mit. Schon kurz vor 19 Uhr, am Weg zur Besprechung, haben Kollegen einen ‘Rotgeher’ bei der Schnellbahnstation Brünner Straße angehalten. Der junge Asylwerber ging nicht nur bei Rot über die Kreuzung, er hatte auch über 500 Gramm Cannabis dabei und gestand, schon länger mit Drogen zu dealen. Der Abend endet für ihn in der Zelle, er kommt in Untersuchungshaft. „Und anschließend wahrscheinlich in Schubhaft”, so Sandner.

Planquadrat - erste Kontrolle. Bild: DFZ.
Planquadrat – erste Kontrolle. Bild: DFZ.

Planquadrat: 19-Jähriger als Pechvogel

Gegen 21 Uhr begegnen wir dem Pechvogel des Abends. Es wird die letzte Amtshandlung vor dem eigentlichen Planquadrat sein, denn sie wird eine Stunde dauern. Hubers geschultem Auge, das haben die beiden wirklich, fällt ein Mopedfahrer auf der Jedleseer Straße auf. Wir wenden, verlieren ihn aber aus den Augen. „Kann man nichts machen”, meint Sandner, als die Maschine plötzlich aus einer Nebengasse kommt. Um es vorsichtig zu sagen, der junge Jedlersdorfer wird sich nicht hochgradig geschickt anstellen. Fahrzeugpapiere fehlen, das Moped gehört dem Bruder. Ein Blinker fehlt, der andere ist kaputt. „Seit einigen Monaten”, gibt er zu. Ich wäre vielleicht nicht ganz so ehrlich gewesen, denke ich mir. Jetzt hilft auch kein „nicht schon wieder” oder „ich habe erst seit zwei Wochen einen Job, wollte es mit dem ersten Lohn reparieren lassen” mehr. Er wird widerwillig zur Prüfanlage auf der Floridsdorfer Brücke gebracht. Dort ist schon einiges los: Taxis und ein Uber-Fahrer werden gerade kontrolliert. Nach zwei Minuten meint ein Beamter ironisch anerkennend: „Geht eh gut , die Maschin!” 92 km/h! Die MA46 prüft und findet acht weitere Mängel. Dem 19-Jährigen nützen nun weder vier Freunde, noch forsches und bittendes Verhalten. Das rote Taferl kommt runter. Besonders bitter: Ihn und seinen Bruder als Besitzer erwarten einige der Strafen gleich doppelt. Billig wird es für die jungen Floridsdorfer nicht werden. Er muss sein Moped nun nach Jedlersdorf schieben …

Planquadrat: Mit 113 km/h über die Brücke

Anschließend wird die Floridsdorfer Brücke beidseitig mit circa zehn Wagen gesperrt, zeitgleich die Reichsbrücke. Kurz nach 22.30 Uhr beginnt das Planquadrat. Wir stehen stadteinwärts. In die andere Richtung steht auch ein Mann der Landesverkehrsabteilung mit Radarpistole. Schon nach wenigen Minuten hört man über Funk Meldungen wie ‘Kennzeichen xyz’ 91 km/h. Den Rekord wird schon nach wenigen Minuten ein roter BMW mit 113 km/h aufstellen. Mein Mitleid hält sich ehrlich gesagt in Grenzen. Bei 113 statt 50 gibt’s keine Ausrede wie „war ja so wenig Verkehr”. Konsequenz in so einem Fall: Hat er besonders fahrlässig gehandelt, ist der Schein gleich für zwei Wochen weg. Sonst erledigt das später das Verkehrsamt. Auf unserer Seite beweist ein Hollabrunner mit seinem Kleintransporter, cool sein, statt nervös werden, ist von Vorteil. Eigentlich hätte er nämlich ohne Kontrolle durchfahren können. Doch in seiner Aufregung fährt er auf den Randstein. Wäre das nicht schon verdächtig genug, die Weinflasche am Beifahrersitz tut ihr Übriges. Auch ein paar Züge aus der Pfeife helfen nun nicht. Der Alko-Vortest ergibt 0,8 Promille, der Alkomattest 0,82. Der Führerschein ist weg, das Fahrzeug wird auf den Parkplatz gebracht.

Nahezu zeitgleich 20 Meter weiter das negative Highlight: Ein Wiener Wiederholungstäter bringt es auf 1,56 Promille. „Das ist mittlerweile ein ziemlicher Ausreißer, dafür muss man schon einiges intus haben”, so Sandner.

“Ein Andenken der Wiener Polizei”

Planquadrat auf der Floridsdorfer Brücke.. Bild: DFZ.
Planquadrat auf der Floridsdorfer Brücke. Bild: DFZ.

Die meisten Alkotests ergeben jedoch 0,0 und enden bei Sandner mit den Worten: „Mundstück bitte abziehen. Ein Andenken der Wiener Polizei!” Die meisten Lenker irritiert das leicht, doch letztlich sind sie froh, weiterfahren zu können. Gegen Mitternacht wird es ruhiger, vielleicht auch weil Ö3 und Handy-Apps vor dem Planquadrat warnen. Polizisten berichten von ihren Erlebnissen: Da war eine Ducati Monster eines Reise-Bloggers, der aber mit einer kleinen Beanstandung und 30 Euro Strafe durchkommt. Ein junger Polizist irritiert eine circa 55 Jahre alte Frau mit dem Hinweis, dass ihr Führerscheinfoto von 1992 nicht mehr ganz ihrem tatsächlichen Aussehen entspricht: „Ein weniger netter Kollege könnte Ihnen sagen, er erkennt Sie nicht und Sie haben keinen gültigen Führerschein mit. Im eigenen Interesse, machen Sie einen neuen.” Die Dame versucht die Fassung zu bewahren. Aber ganz ehrlich: Der Polizist hat nicht unrecht.

Planquadrat - Mercedes wird abgeschleppt.. Bild: DFZ.
Planquadrat – Mercedes wird abgeschleppt.. Bild: DFZ.

Mit Sandner und Huber geht es zur Reichsbrücke. Ein in die Jahre gekommener Mercedes ist nicht für den Verkehr zugelassen und hat die Kennzeichen eines anderen Autos des Fahrers oben. Die Kennzeichen werden abgenommen und der Mercedes wird nach Simmering gebracht. Zum Abschleppplatz. Ob er je abgeholt wird oder letztlich in einer Versteigerung landet?

Gegen zwei Uhr zieht Bezirksinspektor Sandner Bilanz: „Ein ruhiger Abend, aber eine erfolgreiche Aktion!”

Und meine Bilanz? Mich überrascht die Unzahl der unterschiedlichen Delikte. Wer kommt auf die Idee Pickerl zu stehlen? Für die meisten Kontrollierten ist so eine Verkehrskontrolle vor allem eines: ungewohnt! Und so überrascht, dass sie ihre Vergehen sehr offen gestehen. Ob die Position der Laserpistole etwas gemein ist, kann man sicher diskutieren. Ob 113 km/h oder 1,6 Promille okay sind, nicht.