„Sauregurkenzeit“

„Sauregurkenzeit“

Meine lieben „Fluaridsduafa“! Im Journalismus nennt man die Sommermonate die „Sauregurkenzeit“. Die Parlamente machen Ferien, die Leser fahren auf Urlaub, die High Society liefert kaum Schlagzeilen, die meisten Sportarten pausieren. Es gibt also nicht viel, worüber sich im Blätterwald auffällig und wirksam berichten ließe.

Und im Fernsehen laufen auch fast nur Wiederholungen. Nichts los im Lande? Mitnichten! Der Sommer gehört zu einem Gutteil kulturellen Genüssen. Heiße Sommertage laden zur Augen erfreuenden Flucht in eines der unzähligen Museen oder in ein Gotteshaus, und abends locken Thalia, Melpomene, Terpsichore und Polyhymnia in die Tempel ihrer Schützlinge, wo Tanz, Spiel und Gesang die Herzen erfreuen. Zwar bieten die meisten Theater im Juli und August kein reguläres Programm, doch laufen oft Gastproduktionen oder Sonderprogramme. Manche Schauspieler sind im Sommer mehr beschäftigt als im restlichen Jahr, wenn sie in den beliebten Sommertheatern und im Rahmen von Festspielen ihre Kunst zum Besten geben.

Auch Euer Gerald Pichowetz weilt heuer im „heiligen Land Tirol“ und darf in Kufstein den Tevje in „Anatevka“ mimen. Eine Aufgabe, die ich mit ebenso großer Freude erfülle wie sie mich. Das Schauspiel bietet jedenfalls eine lückenlose Vielfalt an unterschiedlichen Inhalten und Qualitäten. Die Bandbreite reicht von Stegreifbühnen mit lockerem Zungenschlag in volkstümlichen, amourösen Stücken, über luftig-leichte Operette und beschwingtes Musical, leicht verdaulichen Boulevard, Unterhaltungsklassiker aus dem Genre des Schwanks, klassische Komödien und Dramen, bis hin zur „Hochkultur“ als begehrten Treffpunkt der „Reichen und Schönen“.

Es ist mit Sicherheit für Jedermann etwas dabei. Es würde mich freuen, wenn möglichst viele von Euch sich gelegentlich einen Kulturgenuss gönnten. Uns Schauspielern bereiten Vorstellungen im Sommer jedenfalls ein besonderes Vergnügen, dies kann ich Euch versichern. Ich wünsche Euch von Herzen noch weiterhin einen erholsamen und in obigem Sinn einen kulturell weiterbildenden und Euch erfreuenden Sommer und freue mich auf ein Wiederlesen zu Herbstbeginn. Euer Gerald Pichowetz