Schlingermarkt: Viele Pläne für die Rettung

Schlingermarkt: Viele Pläne für die Rettung

Zugegeben: Der Floridsdorfer Markt hat schon bessere Zeiten erlebt. Die sollen jetzt endlich wieder aufleben. Der Schlingermarkt steht im rot-grünen Regierungsübereinkommen, Ende des Jahres soll das Konzept stehen, 2017 umgesetzt werden. Die Floridsdorfer Zeitung hat sich umgehört: Was wollen Standler, Kunden, Politiker?
Menschentrauben um Marktstände (siehe Bild unten) sucht man derzeit vergeblich. Der Eindruck am Beginn des Marktes: eher trist. Die Situation im Frühjahr 2016: Mit viel Wohlwollen betrachtet, ein Schritt nach vorne, ein dreiviertel Schritt zurück. Positiv:

– 3 neue Stände haben unlängst eröffnet. „Volle Teller“ bietet auch Frühstück und Mittagsmenü. Gleich daneben verwöhnt „Living Beauty“. Und das Vorzeigeprojekt Blumenecke. Der neue Stand von Frau Schweighofer beweist: Mit Engagement und Eigeninitiative kann ein in die Jahre gekommener Stand zu einem Schmuckstück saniert werden. Jede Diskussion über einen Abriss erübrigt sich.
– Zwei TU-Studentenprojekte beschäftigen sich mit dem Markt. Eines soll Vorschläge für ein Leitbild für Marktstand-Sanierungen, ein neues Dach etc. bis Juni erarbeiten. Die 2. Gruppe wird bereits Anfang Juni mit einem finnischen Architekten einen Holz-Pavillion errichten, in dem die Kunden frisch Gekauftes vor Ort zubereiten können und am Wochenende auch der Käsestand Unterschlupf findet. Das Projekt läuft einige Wochen.
– Im angrenzenden Schlingerhof wird die Ladenzeile (zB. das ehemalige Gasthaus) von Wiener Wohnen saniert. Vorgemerkt sind eine neue Gastro und ein Filmarchiv.
– In der Bezirksvertretung wurde eine Arbeitsgruppe aller sechs Parteien eingerichtet. „Ergebnisse sollen bis Ende 2016 vorliegen und 2017 umgesetzt werden“, so Bezirksvorsteher Papai. Speziell SPÖ und Grüne sind gefordert: Sie haben nach der Wahl 2015 den Schlingermarkt als bevorrangtes Projekt in ihr Regierungsübereinkommen geschrieben.
– In Kürze soll es wieder jeden ersten Donnerstag im Monat Veranstaltungen am Markt geben. Das Marktservice (MA59) erhofft sich auch längere Öffnungszeiten der fixen Stände.
– Ernst Gruber macht in seiner Facebook-Gruppe täglich fleißig Werbung.
Weniger gute Nachrichten: Der Hendlstand Nemec hat nach Ostern endgültig geschlossen. Warum? „Es reicht einfach. Ständig willkürliche Strafen, für neue elektrische Anlagen müsste ich 10.000 Euro ausgeben“, so der Besitzer. Sein Stand ist um 50.000 Euro zu haben. Angeblich nicht der Einzige, der einem Verkauf mehr als offen gegenübersteht. Beim „Wild“ sucht man übrigens einen neuen Fleischer, Herr Kopp steht vor der Pension.
Was soll besser werden? Speziell bei Kunden gewünscht: Einheitliche Öffnungszeiten, besserer Angebotsmix. Punkt 1 ist ein heikles Thema. Obst- & Gemüsehändler Peter Neumeister: „Ich würde schon am Nachmittag öffnen. Aber das ist eine Kostenfrage und eine Personalfrage. Es ist beinahe unmöglich jemanden zu finden.“ Ganz anders sind viele Fälle im vorderen Marktteil: Alle Stände befinden sich in Privatbesitz (Superädifikat), manche sind regulär als Lager gewidmet. Nicht wenige haben Öffnungszeiten ausgehängt, sperren aber auf, wann und wie sie wollen, bauen ‘offiziell’ um, nutzen den Stand defacto als Produktionsort. Die Behörden sind gefordert, die Einhaltung von Öffnungszeiten und Regeln streng zu kontrollieren.

BILD: DFZ
BILD: DFZ. Auch die NEOS fordern „die Ansiedlung passender Leitbetriebe, eine Verbesserung des gastronomischen Angebotes und eine Aufwertung der Schleifgasse“. Obsthändler Neumeister will ein Parkdeck über einem neuen Dach.

Für den Bezirksvorsteher hängt ein Aufschwung an drei Säulen. Papai: „Adaptierung der Infrastruktur: Beleuchtung, Kanal, Wegenetz, WC-Anlagen. Gemeinsame Öffnungszeiten und Frequenzbringer am Markt. Und drittens bessere Rahmenbedingungen im Umfeld, wie attraktive Zugangsbereiche.“
Am Markt hält man von Worten der Politiker wenig, will endlich Taten sehen. Frau Hofer vom Bauernmarkt: „Ich komme jetzt seit 56 Jahren auf den Schlingermarkt: Politiker sehe ich nie – außer vor Wahlen.“
Unbestritten ist, dass gemeinsame Werbung und Marketing verstärkt werden sollen und dass die Marktstandler dabei Unterstützung brauchen. Unverständlich, dass die Wirtschaftskammer ihre „Marktförderung“ Ende 2015 eingestellt hat. Weitere Punkte nennt FPÖ-Bezirksvorsteher-Stellvertreter Karl Mareda: „Kurzparkzonen müssen ausgeweitet werden, um Parkraum für den Markt zu schaffen. Speziell Freitag und Samstag. Und von der Brünnerstraße muss es ein richtiges Zugangsportal geben, um den Markt sichtbar zu machen.“ Papai will auch die Schleifgasse aufwerten: „Ich kann mir dort für das Wochenende auch einen temporären Markt vorstellen.“
Die Grünen wünschen sich eine Kundenbefragung, schattenspendende Bäume, Sitzgelegenheiten und orten ein generelles Problem: „Die derzeit auf dem Markt vorhandenen Alkohol-Stände (und Anbieter um den Markt) ziehen nicht das Publikum an, das für den Markt insgesamt förderlich ist.“, so Gabriele Tupy. Weitere Ideen: Slow-Food-Lokale, Kinderspielangebot. ÖVP-Klubobmann Holawatsch will „den Markt zu den Kunden … oder die Kunden zum Markt bringen.“ Weitere Ideen: Eine Markt-Bimmel-Bahn oder ein Shuttledienst, Gutscheinaktion, Schmankerl-Markt Am Spitz…
Bei WIFF will Ossi Turtenwald „unbedingt auch die Ladenzeilen rund um den Markt miteinbeziehen“. Öffnungszeiten sollen in der Marktordnung festgeschrieben werden, eine rechtliche Handhabe gegen reine Lagernutzung gefunden werden. Marktoberaufseher Alfred Schwenk: „Leider geht’s erst immer von Donnerstag bis Samstag, vor allem dank des Bauernmarktes aufwärts. Ich suche ständig neue Firmen. Konkurrenz wäre gut: Obst, Gemüse, Fleisch & Geflügel aus der türkischen Linie.“ Interessierte können jederzeit vor Ort im Marktamt vorstellig werden.

 

BILD: DFZ
BILD: DFZ – Bauernmarkt

Vom Tisch ist übrigens eine Übersiedlung des Marktes Am Spitz oder den Pius Parsch Platz.
Zum Abschluss wollen wir eine der treuesten Kundinnen des Schlingermarktes zu Wort kommen lassen. Frau Machowetz kommt jeden Samstag extra aus der Schwarzlackenau: „Ich bin jetzt 82 und komme seit ich drei Jahre alt bin auf den Markt. Mittlerweile allerdings nur noch, um den Markt zu unterstützen, damit er weiter existiert.“ -HANNES NEUMAYER

BILD: MA59 Marktamtsmuseum
BILD: MA59 Marktamtsmuseum
Früher war der Schlingermarkt bummvoll.