Siemensäcker: Erste Abrissarbeiten gestartet

Siemensäcker: Erste Abrissarbeiten gestartet

Ob auf den Siemensäckern in Leopoldau überhaupt gebaut werden darf, ist nicht fix. Denn noch ist die Beschwerde der Bürgerinitiative beim Bundesverwaltungsgericht gegen den negativen Bescheid zur Umweltverträglichkeitsprüfung nach wie vor anhängig. Die Abrissarbeiten am Gelände der Siemensäcker  haben allerdings bereits begonnen.

Seit Jahren tobt ein Streit um den Bau von circa 1100 Wohnungen auf dem Siemens-Gelände, kurz Siemensäcker genannt. Die Bürgerinitiative will den Bau nicht verhindern, sondern eine niedrigere Bauhöhe als 35-Meter erreichen. Diverse Verfahren sind noch anhängig, vor allem die Entscheidung über die UVP-Beschwerde.

Seit  Ende Juli werden nun am Gelände Werkstätten und Garagen des ehemaligen Siemens-Fuhrparks  (direkt an der Leopoldine-Padaurek-Straße) abgerissen. Eine Tatsache, die Helmut Sommerer von der Bürgerinitiative empört: „Eine frivole Entscheidung. Die Sozialbau AG hat wohl vergessen, dass die Beschwerde der BI Siemensäcker beim Bundesverwaltungsgericht gegen den negativen Bescheid zur Umweltverträglichkeitsprüfung nach wie vor anhängig ist. Erst für Herbst ist mit einem Anhörungstermin vor Gericht zu rechnen. Bis zur Entscheidung ist also rechtlich unklar, wann, ob und wie auf den Siemensäckern überhaupt gebaut werden darf.“

Direktor Ernst Bach von der Sozialbau AG bestätigt die Abrissarbeiten gegenüber der Floridsdorfer Zeitung: „Natürlich haben dafür auch eine Genehmigung. Auf dem Gebiet der aktuellen Abrissarbeiten wird übrigens der Park entstehen – deshalb sollte auch die Bürgerinitiative kein Problem damit haben. Für den Bau gibt es noch keine Genehmigung, dafür müssen wir erst die Gerichtsentscheidungen abwarten.“ Mit einem Baubeginn ist frühestens 2018 zu rechnen. Denn nach einer Bewilligung müssen erst di Aufträge für die einzelnen Objekte vergeben werden.

Siemensäcker: Fakten schaffen im Sommerloch

„Anscheinend will man im Fall der Siemensäcker das mediale Sommerloch nutzen und bereits Fakten schaffen. Anders ist es nicht zu erklären, dass jetzt bereits Abrissarbeiten auf dem Areal beginnen. Und das, obwohl die Beschwerde der Bürgerinitiative Siemensäcker zum UVP-Bescheid noch gerichtsanhängig ist. Gerade in Sachen Umwelt- und Tierschutz sind aber noch wesentliche Fragen zu klären. Die Stadt und die zuständige Magistratsabteilung müssen darauf pochen, dass gerichtliche Entscheidungen abgewartet werden“, betont NEOS Wien Umweltsprecherin Bettina Emmerling in Reaktion auf das aktuelle Geschehen auf den Siemensäckern. Kritisch sieht sie, dass es sich bei dem Bauträger um einen SPÖ-nahen Bauträger geht: „Hier ist die SPÖ Wien in Verantwortung, dieses Vorgehen ist mehr als unschön.“

Gerade in Sachen Umwelt- und Tierschutz sind für Sommerer noch zahlreiche Fragen ungeklärt: „Trotzdem geht die Sozialbau AG, scheinbar mit Unterstützung der MA 22, unbeirrt den Weg der Verleugnung von Problemen weiter. Bereits am 12. Juli hat fast unbemerkt eine erste Baumbesichtigung zur Bestandsaufnahme stattgefunden.“

 

Siemensäcker: Baumfällungen verhindern

Anrainer fürchten nun, dass das seit 36 Jahren gewachsene Naturrefugium gerodet wird. Sommerer: „Bleibt zu hoffen, dass die Rodungen nicht starten, bevor eine entsprechende Baubewilligung vorliegt. Auch die ausstehende Umweltverträglichkeitsprüfung, die laut EU-Richtlinie für solche Projektdimensionen eigentlich zwingend ist, sollte von der Sozialbau AG nicht leichtfertig ignoriert werden.“

Sommerer: Wo bleibt das Verkehrskonzept für Leopoldau?

Auch SPÖ-Bezirksvorsteher Georg Papai wird von der Bürgerinitiative attackiert: „Er hat  im September 2016 im Rahmen einer Informationsveranstaltung ein Verkehrskonzept für Leopoldau angekündigt, passiert ist bis heute nichts. In Zusammenarbeit mit der Sozialbau AG und den zuständigen Magistratsabteilungen braucht es im Vorfeld der Projektierung dringend ein zukunftsweisendes Verkehrs- und Infrastrukturkonzept. Nicht nur für die Straßenzüge rund um die Siemensäcker, sondern für den gesamten Bezirksteil Leopoldau. Wer glaubt, bis zu 1.200 Wohnungen verändern eine Nachbarschaft nicht maßgeblich, der irrt gewaltig.“