Stammersdorf 80 Jahre bei Wien

Stammersdorf 80 Jahre bei Wien

Bis vor 124 Jahren war Floridsdorf eine recht kleine Ortschaft jenseits der Donau. Nach und nach wurde Floridsdorf namensgebend für die Großgemeinde und für den 21. Wiener Gemeindebezirk: Stammersdorf war als längster Bezirksteil eigenständig. Heuer begeht der beliebte Weinort „80 Jahre Zugehörigkeit zu Wien”.

 

Das wird unter anderem seit dem 23. September mit einer Ausstellung im Floridsdorfer Bezirksmuseum gefeiert. Zu sehen sind unzählige Exponate und Fotos aus der Geschichte Stammersdorfs. Dabei ist die Ortschaft einer jener Teile Wiens, der sich über die Jahrzehnte kaum, oder zumindest nur an den Rändern, verändert hat. Der älteste Nachweis menschlicher Anwesenheit ist auf ein Alter von 8-12.000 Jahren geschätzt worden. In der jüngeren Eisenzeit (um 450 v. Chr.) erscheinen bei uns die Kelten. Sie waren die Ersten, die am Bisamberg Weinreben gepflanzt haben. Erst für das 10. Jahrhundert, wurde auf Stammersdorfer Gebiet slawische Besiedelung nachgewiesen. Dorf des Slawen Stojomir Stammersdorf war im 11. Jahrhundert schon bayrische Siedlung und war als Angerdorf angelegt. Diese Dorfform ist heute noch deutlich zu erkennen. Der erste Schriftzug ist um 1200 belegt und lautet ‘Stoumarsdorf’.

Hunderte Jahre hindurch war Stammersdorf unter der Herrschaft des Schottenstifts. Die Pfarrkirche ist im spätgotischen Stil errichtet, als Wehrkirche konzipiert und später barockisiert worden. Im Pfarrarchiv erste noch vorhandene Aufzeichnungen datieren auf das Jahr 1662. Plagen wie Feuersbrünste, Pest, Cholera, Hochwässer von den Hängen des Bisamberges und militärische Auseinandersetzungen (Hussiten, Ungarn, Osmanen, Schweden und Franzosen) musste die Stammersdorfer Bevölkerung immer wieder über sich ergehen lassen. 1904/05 wurden Gebiete der ehemals selbstständigen Gemeinden Leopoldau, Floridsdorf, Groß Jedlersdorf und Jedlesee (Strebersdorf 1911) nach Wien eingemeindet (bereits 1895 hatten sie eine Großgemeinde in Niederösterreich gebildet).

Nun versuchten auch die Gemeindevertreter von Stammersdorf den gebietsmäßigen Anschluss ihrer, seit 1850 verwaltungsmäßig selbstständigen, Gemeinde an Wien zu erreichen. Obwohl seit 1886 durch die Dampftramwaystrecke mit Wien verbunden, wurde die Eingemeindung Stammersdorfs von der Wiener Stadtregierung abgelehnt. Ein Grund war auch die Nichtgewährleistung der persönlichen Sicherheit auf dem Stammersdorfer Gebiet aufgrund der großen Entfernung des Ortskernes von der nächsten Polizeistation. 1928 wurde Stammersdorf zur Marktgemeinde erhoben, im selben Jahr wurden auch die Straßen benannt.

Als 1934 die sozialistische Partei verboten wurde und von den Christdemokraten der Ständestaat ausgerufen worden war, wurden auch alle Bürgermeister auf ihre Loyalität überprüft. In Stammersdorf wurde am 29. Dezember desselben Jahres Leopold Eisenheld zum Bürgermeister gewählt. Er sollte der letzte in einer langen Reihe von würdigen Amtsträgern sein. Vier Jahre später, im März 1938, marschierten deutsche Truppen in Österreich ein. Da Wien nun am Rande des ‘Tausendjährigen Reiches’ lag, beschlossen die neuen Machthaber, die Stadt zu der flächenmäßig größten zu machen.

Ab 15. Oktober 1938 war Stammersdorf neben Klosterneuburg und vielen anderen Orten ein Teil Wiens. Als eine der wenigen heute niederösterreichischen Ortschaften verblieb Stammersdorf auch nach dem Weltkrieg bei Wien und ist seitdem ein Teil von Floridsdorf.