Verachtet mir die Meister nicht!

Verachtet mir die Meister nicht!

Meine lieben Fluaridsduafa! Mit September begann wieder einmal die Theatersaison und ich nehme dies heute zum Anlass, mich einmal auch in eigener Sache zu Wort zu melden. Nicht, dass ich jetzt meinen Lebenslauf oder gar meine Lebenserinnerungen zum Besten geben will, nein, es drängt mich, eine Lanze für die vielen Kolleginnen und Kollegen zu brechen, die als Idealisten auf den Brettern stehen, die (für sie) die Welt bedeuten, oder die ein kleines Theater führen. Reich ist mit einem kleinen Theater noch kaum einer geworden, arm hingegen schon viele.

Ihr kennt die Geschichte des Spielens „auf Teilung“ bestimmt aus Anekdoten oder Witzen. Und gerade dieser Brauch verdeutlicht den Idealismus, mit welchem Schauspielerinnen und Schauspieler um das sprichwörtliche Butterbrot sich die Seele aus dem Leib spielen, um den Lorbeer in Form klatschender Hände zu empfangen. Keine Zeitung schreibt über sie, in keiner Fernseh-Klatschkolumne sind sie zu sehen. Sie tun dies abseits öffentlicher Wahrnehmung, deklamieren für wahre Enthusiasten der Darstellungskunst. Der Lohn ist nicht jene vergängliche Star-Verehrung, die etwa Bildschirm-Eintagsfliegen zuteil wird, nein, sie werden wirklich geliebt.

Es mag natürlich auch etwas der unverblendeten und ehrlichen Publikumsnähe geschuldet sein, aber bestimmt in großem Maße auch dem Feuer für die Kunst, das auf die Zuseher überspringt. Bitte versteht mich nicht falsch, ich stelle nicht die Darstellungskunst berühmter Zeit- und Berufsgenossen in Zweifel. Viele von ihnen haben ebenso bescheiden angefangen. Aber gerade deshalb sollten wir nicht jene vergessen, die zeitlebens in Neben- und Kleinstrollen ihr Glück finden. Somit bitte ich Euch mit den Worten aus der Welt der Handwerksgewerbe: Verachtet mir die Meister nicht, und ehrt mir ihre Kunst! Euer Gerald Pichowetz