Verschärft Wiener Wohnen Friseur-Konkurrenz?

Verschärft Wiener Wohnen Friseur-Konkurrenz?

Ärger im Lötsch-Hof an der Brünner Straße. Wiener Wohnen setzt ‘Friseur Hollywood’ fast direkt neben das Geschäft einen neuen Konkurrenten.

Wer aufmerksam durch die Bezirksstraßen geht, wird speziell entlang der Brünner Straße, Donaufelder Straße und Floridsdorfer Hauptstraße einen plötzlichen Boom an Friseurläden entdecken. Man fühlt sich an Sonnenstudios oder Videotheken in den Achtzigern erinnert.

Speziell viele ‘Ein-Personen-Friseure’ erobern das Straßenbild. 500.000 Schilling Ablöse hatte der Inhaber des Friseursalons ‘Friseur Hollywood’ vor Jahrzehnten für das von einer Schuhhändlerin übernommene Geschäftslokal in der Ladenzeile des Gemeindebaues ‘Conrad Lötsch-Hof’ gegenüber des Floridsdorfer Marktes bezahlt. Der damalige Firmenchef Heinz Capka erinnert sich genau: „Der amtierende Bezirksvorsteher Kurt Landsmann hatte mir zuvor zugesagt, dass es in der Ladenzeile seitens der Stadt Wien künftig keine Lokalvermietung an einen zweiten Friseur geben werde. Ansonsten hätten wir das Geschäft zu diesen Bedingungen gar nicht genommen!”

Jetzt ist alles anders. Keine zwanzig Schritte und zwei Läden weiter eröffnet in Kürze ein neuer Friseur. Erst vor wenigen Wochen hat außerdem am Markt selbst ein Friseur eröffnet – und nutzt das Lokal als Büro …

Friseur Hollywood beim Schlingermarkt. Bild: Privat.
Friseur Hollywood beim Schlingermarkt. Bild: Privat.

Für Capkas Sohn und Nachfolger Michael Müllner zusätzlich ärgerlich ist, „dass die Mieten für Neumieter weitaus niedriger sind, als man sie für gleich große Geschäfte uns Altmietern vorschreibt. Ich frage mich jetzt: Will man durch solche Praktiken die heimische Geschäftswelt auf dem Floridsdorfer Markt komplett kaputt machen?”

Doch noch Lösung?

Unterstützung kommt von ‘WIFF – Wir für Floridsdorf’-Bezirksrat Hans Jörg Schimanek: „Mit solchen Vermietpraktiken ist man aber drauf und dran, alle Bemühungen zur Belebung des gesamten Marktgebietes zunichte zu machen. Gerade hier sollte man bei Geschäftsvermietungen in öffentlichen Gebäuden – etwa in der Ladenzeile des ‘Conrad Lötsch-Hofes’ – statt auf geschäftliche Monokultur auf einen breit gefächerten Branchenmix achten.”

Schimanek fordert eine Rückabwicklung des Mietvertrages für das neue Friseurgeschäft.

Bei Wiener Wohnen verweist man darauf, grundsätzlich bei der Suche nach Lokalinteressenten bemüht zu sein, „Anbieter und Branchen zu gewinnen, die im unmittelbaren Wohnumfeld noch vakant sind und für die Anrainer einen Mehrwert bieten. Branchenexklusivität gewähren wir unseren Mietern aber in der Regel nicht”. Zum konkreten Fall kann aus Datenrechtsgründen keine Auskunft gegeben werden.

Hinter den Kulissen hört man von einer indirekten Lösung: Der bisherige Mieter soll Mietrückstände haben und sein Weitergaberecht damit verwirkt haben. Dann läge die Entscheidung bei Wiener Wohnen …

Die meist pauschalierend und inhaltlich nicht korrekt ‘türkische Friseure’ genannten Läden werden auch für ihr Geschäftsmodell kritisiert: Der offizielle Mieter vermietet die einzelnen Sessel im Laden an selbstständige Friseure. Das ist auch Friseur-Innungsmeister Marcus Eisinger bewusst: „Nicht nur in Floridsdorf nehmen die Einpersonen-Friseure zu – die haben oft unterschiedlichsten migrantischen Hintergrund: Jüdisch, arabisch, Syrer oder aus Afghanistan. Das Problem ist: Sie bilden keinen Nachwuchs aus, wie Betriebe mit einigen Mitarbeitern.”

Eisinger kritisiert auch die MA63, die für die Vergabe der Gewerbeberechtigung zuständig ist: „Sehr viele neue Friseure bekommen die Gewerbeberechtigung aufgrund individueller Befähigung und nicht weil sie eine Meisterausbildung gemacht haben.” Der Innungsmeister blickt wenig rosig in die Zukunft seiner Branche: „Es macht ein Friseur neben dem anderen auf und bietet die Dienstleistung einen Euro billiger an. Da wird es bei dem einem oder anderen Betrieb zwangsläufig zu einer wirtschaftlichen Schieflage kommen.” -H. Neumayer