Wechselkröte & Co in Not

Wechselkröte & Co in Not

Das Donaufeld ändert sich rasant. Für die Verbauung des Ostteils unseres Bezirks laufen die Vorbereitungen. Aktuell startet auch ein Projekt neben der Schichtvilla. Die Opfer: Die Fauna und Flora Floridsdorfs.

Unsanfte Baumrodung vor Schichtvilla. Bild: Harald Illsinger.
Unsanfte Baumrodung vor Schichtvilla. Bild: Harald Illsinger.

Einer der die Veränderung penibel dokumentiert ist Naturfotograf Harald Illsinger. Auf den Schichtgründen hielt er zuletzt diverse unsanfte Baumfällungen und den Tod eines Fasans fest (siehe Bilder): „Auch wenn der Fasan bei uns nicht heimisch ist – ich verstehe nicht, warum es vor Baubeginn nicht eine verpflichtende ökologische Bestandsaufnahme gibt und dann eine ökologische Bauaufsicht.” Er gibt sich gleich selbst die Antwort: „Wahrscheinlich aus Angst, etwas zu entdecken, dass die Bautätigkeit verzögern könnte.”

Südlich der Donaufelder Straße laufen die Planungen für insgesamt 6.000 neue Wohnungen. Hier ist die eigentlich streng geschützte Wechselkröte beheimatet. Illsinger: „Obwohl es noch gar keine Bauarbeiten gibt, habe ich in der Nordmanngasse, An der Schanze und dem Drygalskiweg über 120 tote Wechselkröten in wenigen Tagen gefunden. Durchwegs Verkehrsopfer.”

Auch Prof. Elisabeth Tulla kämpft für die Wechselkröte: „Solange es den Gartenbau im Donaufeld gibt, wird es auch die Wechselkröte geben. Aber wie sollten diese wertvollen Kröten noch leben können, wenn es keinerlei Tümpel und offene, lockere, grabfähige Erde gibt?” Sie ist überzeugt: „Gäbe es ein Wiener Bodenschutzgesetz, das Donaufeld würde als hundertprozentig schützenswert eingestuft werden.”

Ein Gemüsegärtner im Donaufeld berichtete Tulla (sie hat im Donaufeld einen Gemeinschaftsgarten) von seinen jährlichen Begegnungen mit Wechselkröten, die er wie Freunde zu seinen Helferinnen zählt, denn sie streichen durch den Folientunnel und das Glashaus, wobei sie schädliche Insekten vertilgen. Insektizide werden nicht verwendet. Man kann auf die Unterstützung durch die geschätzten „Haustiere“ bauen und die Wechselkröten bekommen ausreichende Bewässerung. Auch das Regenwasser, das vom Folientunnel auf einen Punkt zusammenläuft, lässt ein temporäres Feuchtbiotop entstehen. So bleibt die Symbiose von Mensch und Tier lebendig. Hightechanlagen hingegen bieten Wechselkröten keinen geeigneten Lebensraum, da diese sich im harten, meist betonierten Boden der Hallen nicht eingraben können.

Tulla: „In der Dunkelheit und bei Regen sind sehr viele dieser sympathischen Helfer zu ihren Laichplätzen unterwegs. Neben der wunderbar schmeckenden Gemüsevielfalt der biologischen Gärtner sollten uns inzwischen auch die Wechselkröten ans Herz gewachsen sein.”

Vor wenigen Monaten wurde Tulla auch in einer Sitzung der Floridsdorfer Bezirksvorstehung mit einem Korb voll frisch geerntetem Donaufelder Gemüse vorstellig – ihr Anliegen: Mit dem Kauf von Donaufelder Gemüse wird gleichzeitig auch der Erhalt der Wechselkröte aktiv gefördert. „Es ist unfassbar: Immer mehr Menschen sammeln und bereiten Wildgemüse zu. Große Anteile der urbanen Bevölkerung sind auf der Suche nach einem Fleckerl Erde, um die intensive Geschmacksvielfalt mit all den gesunden Inhaltsstoffen des heimischen Gemüses selbst zu entdecken. Auf der anderen Seite wird immens an der Manipulation der herkömmlichen Gemüsepflanzen gearbeitet.” -H. NEUMAYER