Zu wenig Psychotherapeuten im 21. Bezirk

Zu wenig Psychotherapeuten im 21. Bezirk

Statistisch erleidet jede dritte bis vierte Person in Österreich im Laufe ihres Lebens einmal eine psychische Erkrankung.

Nicht nur im Falle einer psychischen Erkrankung ist der Weg zu einem Psychotherapeuten oder zu einer Psychotherapeutin unumgänglich, sondern auch bei Lebenskrisen und körperlichen Beschwerden, wie zum Beispiel Verlust von Angehörigen oder der Arbeitsstelle, Scheidung oder Trennung, allgemeine Rastlosigkeit, Schlaflosigkeit oder Verlust der Lebensfreude. Das psychotherapeutische Versorgungsangebot in Floridsdorf kann mit dieser Häufigkeit nicht mithalten: Während in ganz Österreich für 10.000 Einwohner rund zehn Psychotherapeuten zur Verfügung stehen und allein für Wien dieses Verhältnis bei rund 19 zu 10.000 liegt, beläuft es sich in Floridsdorf nur auf rund sechs Psychotherapeuten in freier Praxis je 10.000 Einwohner.

Dazu kommt, dass Psychotherapie, die in 23 gesetzlich anerkannten Methoden ausgeübt wird, im Gegensatz zu anderen Gesundheitsangeboten nicht kassenfinanziert ist, sondern von der Krankenkasse nur zu einem geringen Teil bezuschusst wird. Eine psychotherapeutische Behandlungseinheit zu 50 Minuten, für die das übliche Honorar 70 bis 150 Euro beträgt, wird von der Krankenkasse lediglich mit 28 Euro je Sitzung unterstützt. Dabei ist es wissenschaftlich erwiesen, dass sich eine Psychotherapie, deren Berufsausübung eine durchschnittliche Ausbildungszeit von sieben Jahren erfordert, nachhaltig positiv auf das persönliche Befinden auswirkt und auch Folgekosten wie zum Beispiel Frühpensionen aufgrund von psychischen Erkrankungen verhindern kann.

„In Floridsdorf mangelt es drastisch an vollständig kassenfinanzierten Psychotherapieplätzen, womit vielen leidenden Menschen, die sich das übliche Honorar nicht leisten können, eine Psychotherapie verwehrt wird. Die wenigen Beratungsstellen, die gelegentlich Psychotherapie anbieten, können den Bedarf bei weitem nicht decken”, sagt Günter Wendel, selbst Psychotherapeut.

Seine Hoffnung ist, dass der seit Jahrzehnten versprochene Gesamtvertrag für Psychotherapie auch die Situation in Floridsdorf massiv verbessern wird. Bis dahin können finanzschwache Personen bei Psychotherapeuten in Ausbildung unter Supervision günstigere Tarife finden bzw. einen individuellen Sozialtarif aushandeln, was immer wieder möglich ist.

Infos: www.psyonline.at