Zwei Häuser vor Abriss gerettet

Zwei Häuser vor  Abriss gerettet

Zu Sommerbeginn arbeiteten die Abrißbirnen in Wien auf Hochtouren. Wegen der Novelle der Bauordnung hatten es viele Hausbesitzer plötzlich eilig mit dem Abriß. Bekanntes Opfer in Floridsdorf: Das Hotel Karolinenhof. Im 21. Bezirk wurde in sechs Fällen ein Baustopp verfügt. In zwei Fällen wurde der Abbruch untersagt.

Am 28. Juni 2018 beschloss der Wiener Landtag eine Novelle zur Bauordnung, die einen stärkeren Schutz für gründerzeitliche Gebäude, die bisher nicht in Ortsbild-Schutzzonen lagen, vorsieht und Schutzzonen nach § 7 (1) BO auch nicht mehr auf ein „in sich geschlossenes Ganzes” beschränkt.

Nun ist nicht nur der Abbruch von Bauwerken in Schutzzonen und Gebieten mit Bausperre bewilligungspflichtig, sondern auch der Abbruch von Gebäuden, die vor dem 1.1.1945 errichtet wurden. Nämlich, wenn der Magistrat bestätigt, dass an der Erhaltung des Bauwerkes infolge seiner Wirkung auf das örtliche Stadtbild kein öffentliches Interesse besteht. Dieser wichtige Schritt hatte zur Folge, dass es unmittelbar vor dem Inkrafttreten zu einer Häufung von Abrissen vor allem gründerzeitlicher Gebäude kam. Die Baupolizei hat in den ersten Juli-Tagen wienweit rund 70-80 Baustopp-Bescheide erlassen.

Da im 21. Bezirk nur sehr wenige Gründerzeit-Häuser in Schutzzonen liegen, wollten die Grünen wissen, bei welchen Objekten in Floridsdorf Abrisse gestoppt wurden und brachten für die Bezirksvertretung am 12. September eine Anfrage ein. Resultat: Bei sechs Gebäuden im 21. Bezirk wurde die Einstellung eines Abbruchs verfügt. Bei vier Objekten aus der Zwischenkriegszeit wurde nach Prüfung der Abriss genehmigt, da an der Erhaltung kein öffentliches Interesse bestand.

In 2 Fällen wurde jedoch ein Abbruch untersagt: „Bei einem Haus in der Anton-Störck-Gasse 83, wo der historistische Fassadenschmuck bereits teilweise abgeschlagen worden war, sind im Erdgeschoß die Spuren der Demolierungsarbeiten zu sehen”, bedauert Grünen-Bezirksrat Gerhard Jordan nach einem Kontrollgang.

Und in der Gerstlgasse 7 sind die Fenster aus dem obersten Geschoß herausgerissen. Hier handelt es sich um ein Wohnhaus mit spätsecessionistischem Dekor, das 1912 von Franz Palisek errichtet wurde. Das Objekt steht in einem Grätzl von Jedlesee/ Neujedlersdorf, das zu einem maßgeblichen Teil von spätgründerzeitlicher Bebauung aus den Jahren 1910 bis 1914 geprägt ist. Jordan wünscht sich, dass die historischen Gebäude „hoffentlich wieder hergestellt werden. Und hoffentlich gelingt es dem Gesetzgeber, Bedingungen zu schaffen, die die Sanierung von Altbauten wirtschaftlich attraktiver machen als einen Abriss. Der mündet oft in gesichtslose Investoren-Architektur und in die Zerstörung bestehender Ensembles.”

Fassade des  Gründerzeithauses in der Gerstlgasse. Bild: Jordan.
Fassade des
Gründerzeithauses in der Gerstlgasse. Bild: Jordan.