Neue Straßenbahnlinie 27: Nur einen Tag nach der Präsentation gibt es bereits heftige Kritik. Denn während es im 22. Bezirk eine komplett neue Strecke gibt, kommt „der 27er in Floridsdorf auf Kosten des 26ers! Der 26er wird an den Randzeiten nur bis Floridsdorf geführt, Strebersdorf bekommt dann nur mehr den 27er“.
Obwohl der 27er bereits ab 6. Oktober fahren soll, sind für keine der Straßenbahnen auf der Prager und der Donaufelder Straße neue Fahrpläne bekannt. Allerdings gibt es an den Stationen bereits Hinweistafeln. „Die Linie 27 ist die neue Stammlinie nach Strebersdorf. Die Linie 26 verstärkt künftig die Linie 27 in diesem Bereich. Dadurch fahren zu den Hauptzeiten mehr Züge nach Strebersdorf. Das Angebot zu den Randzeiten bleibt gleich“, heißt es darauf. Die generellen Betriebszeiten des 26ers sind dann zwar 4 Uhr bis 1 Uhr. Ab 20 Uhr fährt der 26er aber nicht mehr nach Strebersdorf (Die Betriebszeiten des 26ers nach Strebersdorf sind dann: Mo – Fr: 06:00 – 20:00; Sa: 08:00 – 20:00; So: 11:00 – 20:00), sondern hat den Franz-Jonas-Platz als Endstation.
Erwin Toth, Bezirksrat der Grünen in Floridsdorf, hält das für keine schlaue Idee: „Der 27er kommt auf Kosten des 26ers! Der 26er wird an den Randzeiten nur bis Floridsdorf geführt, Strebersdorf bekommt dann nur mehr den 27er. Gerade auch zu den großzügig gesehenen Randzeiten ist eine Taktverdichtung auf der Prager Straße unbedingt notwendig!“

Wie genau die Intervalle auf der Donaufelder Straße (25,26 und 27) und der Prager Straße (26,27) sein werden, ist noch ein Geheimnis, weil es keine detaillierten Fahrpläne gibt. An Schultagen wird die Linie 27 während der Morgenspitze im 6,5-Minuten-Takt sowie am Nachmittag im 7,5-Minuten-Intervall unterwegs sein, hieß es von Alexandra Reinagl, Vorsitzende der Geschäftsführung der Wiener Linien, bei der Präsentation: „Zu Spitzenzeiten können wir beim 27er gemeinsam mit der Linie 26 sogar ein 3,5-Minuten-Intervall bieten!“
Vor über einem Jahr hieß es in einer Aussendung noch: „Auf dem gemeinsamen Streckenabschnitt mit der Linie 26 wird der Öffi-Verkehr mit einem Spitzenintervall von drei Minuten unterwegs sein.“ Heinz Berger, Klubobmann der Floridsdorfer Grünen, fürchtete schon damals, der 27er sei „mehr ein Marketing-Schmäh mit – wenn überhaupt – minimaler zeitweiser Intervallverdichtung. Es wird nicht der dichtestmögliche Takt gefahren werden.“ Bezirksvorsteher Georg Papai im März 2024 realistisch „Doppelt so oft wird die Straßenbahn auf der Prager Straße etwa zwischen 11 und 14 Uhr nicht fahren“, gibt er offen zu: „Aber es wird auf jeden Fall eine Intervallverdichtung zu jetzt, vor allem zur Rush Hour.“
Ein anderes Detail ist sowohl eine gute wie eine schlechte Nachricht. Nachdem heuer die maroden Schienen auf der Schloßhofer Straße saniert werden, soll 2026 auch der sanierungsbedürftige Abschnitt auf der Donaufelder Straße dran sein. Und dafür ist offenbar eine längere Sperre der Straßenbahnlinien auf diesem Abschnitt notwendig. Das lässt sich zumindest aus der Ausschreibung für einen Ersatzbus E26 im Vergabeportal der Stadt Wien vermuten: „26E. Von Floridsdorf S, U bis Josef-Baumann-Gasse Von 14. 9. 2026 bis 4. 12. 2026“, heißt es dort. Details dazu – betrifft das auch die Prager Straße? – sind noch nicht bekannt.

Straßenbahnlinie 27: Die Präsentation
Von 28 Haltestellen wurden sechs neu errichtet. Ein Plus für die Fahrgäste: Die Neubaustrecke entlang den Haltestellen Berresgasse, Scheedgasse, Stemolakgasse, Schukowitzgasse, Aspern Nord/Mayrederbrücke sowie Aspern Nord ist größtenteils unabhängig vom PKW-Verkehr und damit besonders zuverlässig. „Mit der Linie 27 erweitern wir das Wiener Straßenbahnnetz um eine leistungsstarke Verbindung, die mit dem weiteren Ausbau der Stadtentwicklungsgebiete künftig rund 20.000 Fahrgäste täglich umweltfreundlich ans Ziel bringt. Besonders wichtig ist uns dabei, dass wir nicht nur neue Strecken schaffen, sondern auch die Qualität und Zuverlässigkeit im Öffi-Netz weiter erhöhen“, so Reinagl.
Die Stadtentwicklungsgebiete Berresgasse und Heidjöchl erhalten von Beginn an eine direkte, hochrangige Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz. Insgesamt werden nach Fertigstellung der neuen Stadtteile 34.000 Anrainer in Gehdistanz von der neuen Straßenbahnlinie profitieren – auch das betrifft nur Donaustädter. Eher wenige Floridsdorfer werden vom Spitz bis nach Aspern Nord fahren.
Im Norden fährt der 27er zur U6 Floridsdorf und weiter über die U1 Kagraner Platz, von hier braucht man mit der Linie 27 nur rund 17 Minuten bis zur U2-Station Aspern Nord. Beim neuen Öffi-Knoten treffen sich nun U-Bahn, S-Bahn, Busse und die neue Straßenbahn. Ein besonderes Highlight: Das 120 Meter lange und rund 15 Meter breite, neu errichtete Brückentragwerk bei Aspern Nord: Darauf fährt die Linie 27 über der U2 und der S-Bahn. Von der Bim-Haltestelle Aspern Nord/Mayrederbrücke können die Fahrgäste bequem auf die U2 und die S-Bahn oder vice versa umsteigen.
„Ab 6. Oktober bringen wir mit der Linie 27 bereits die zweite neue Straßenbahn in diesem Jahr auf Schiene! Die 27er verbindet zwei stark wachsende Bezirke miteinander und schafft mit insgesamt 13,5 Kilometer Strecke, davon 2,4 Kilometer Neubaustrecke, Anschluss an gleich drei U-Bahnen sowie die S-Bahn. Besonders stolz bin ich auf die klimafitte Gestaltung ganz nach unserem Motto „Raus aus dem Asphalt“ entlang der künftigen Hirschstettner Hauptallee: Hier haben wir bereits 300 Bäume für den modernen Grün-Boulevard gepflanzt und ein 800 Meter langes Grüngleis gebaut. Der neue Zwei-Richtungs-Radweg mit 1,8 Kilometer Länge führt durchgängig bis in die Seestadt“, so Planungs- und Mobilitätsstadträtin Ulli Sima.
Herzstück der Neubaustrecke ist die künftige Hirschstettner Hauptallee, ein dreispuriger Grün-Boulevard ohne Autoverkehr. Denn diese Strecke teilen sich Öffi-Fahrgäste, Radfahrer*innen und Zufußgehende. Dort ist die Linie 27 auf einem 800 Meter langen, klimafitten Grüngleis unterwegs, während Radfahrer*innen auf dem baulich getrennten 1,8 Kilometer langen Zwei-Richtungs-Radweg bis in die Seestadt gelangen. Damit gibt es eine durchgängige Radverbindung von dem beliebten Badeteich Hirschstetten direkt in die Seestadt. 300 neu gepflanzte Bäume entlang der Strecke ergänzen bereits jetzt die klimafreundliche Neugestaltung und spenden Schatten an heißen Sommertagen. Ein weiteres Plus: Durch die neue Straßenbahnlinie 27 ergibt sich ein CO2-Einsparungspotenzial von bis zu 1.600 Tonnen pro Jahr, heißt es in einer Aussendung.
Georg Papai, Bezirksvorsteher Floridsdorf: „Die neue Linie bedeutet nicht nur eine deutliche Verbesserung der Querverbindung zwischen Floridsdorf und Donaustadt. Die Verstärkung auf dem Abschnitt gemeinsam mit dem 26er ist ein wichtiger Impuls zur Stärkung der Achse Prager Straße. Auch wird die Voraussetzung geschaffen, dass künftig das Stadterweiterungsgebiet Donaufeld erschlossen werden kann und auf der Donaufelder Straße trotzdem ausreichend Kapazität vorhanden ist.“

















