80-Jährige verzweifelt: Ihr ‘blühendes Zuhause’ im Gemeindebau wurde zerstört

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Blühende Autokaderstraße ist Geschichte. Bild: Privat
Blühende Autokaderstraße ist Geschichte. Bild: Privat

„Blühendes Zuhause-gute Nachbarschaft” heißt eine bekannte Wiener Aktion. Das blühende Zuhause von Waltraud Bösz in der Autokaderstraße wurde jetzt von Wiener Wohnen zerstört. Die 80-Jährige hat sich 20 Jahre um das kleine ‘Gartl’ vor ihrem Gemeindebau gekümmert und ist verzweifelt.

Verzweifelt wandte sich Frau Bösz gestern an Wiener Wohnen, Bürgermeister Ludwig, Bezirksvorsteher und Floridsdorfer Zeitung. Etwa 20 Jahre hat sie sich um das Mini-Gärtchen in der Siedlung Autokaderstraße (3-7/Stiege 43) gekümmert, Pflanzen (Rosen, Flieder, Hortensie, Kirschlorbeer) und Deko selbst gekauft. Letzten Donnerstag wurden die Pflanzen abgeschnitten und heute früh sollte dann die Total-Rodungen folgen (wurde aber offenbar verschoben): „Ich habe nicht einmal eine Vorwarnung bekommen, nur der nette Herr der Firma Labau hat es mir gesagt – die Rosenblüten konnte ich noch retten. Warum hat niemand von Wiener Wohnen mit mir geredet. Da werben sie überall mit blühendes Zuhause und meines wollen sie nicht erhalten? Ich hab’ mein Herzblut reingesteckt. Und jetzt wird alles zerstört. Warum?“

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Alle Pflanzen abgeschnitten. dann wurde auch noch gerodet. Bild: Privat.
Alle Pflanzen abgeschnitten. dann wurde auch noch gerodet. Bild: Privat.

Dabei hatte Frau Bösz sogar bei der Aktion ‘Blühendes Zuhause’ der Stadt Wien mitgemacht und wurde zur Veranstaltung eingeladen. Aber schon letztes Jahr konnte sie sich aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr so gut kümmern, da half ein Nachbar mit. Sie schrieb an Wiener Wohnen, ob man den das Gärtchen nicht in die Betreuung übernehmen könnte. Antwort – keine. Bis Donnerstag: da wurden ohne Kontakt zu Frau Bösz alle Pflanzen weggeschnitten. Das bestätigt auch Wiener Wohnen: „Wir bedauern, dass Frau Bösz nicht rechtzeitig über diesen leider notwendig gewordenen Schritt informiert wurde.“

Frau Bösz: „Ich muß wohl zugeben, in letzter Zeit hab’ ich mit der Pflege nachgelassen. Durch den Sturm sind Rosen schief gestanden, es hätte auch einiges geschnitten gehört. Die brütende Hitze und ich war auch krank. Meine Freundin wollte mir ja nächste Woche helfen. Aber das kann doch nicht der Grund sein, ohne vorher mit mir zu sprechen, alles niederzumetzeln.“

Wiener Wohnen meint, „die Gestaltung der Gartenfläche wurde bisher als Entgegenkommen geduldet. Sie war jedoch nicht genehmigt.“ Das bestreitet Frau Bösz: „Eine Frechheit, dass ich als Lügnerin hingestellt werde. Ich habe sogar vom damaligen Wohnbaustadtrat Ludwig eine Erlaubnis bekommen.“

Da Wiener Wohnen „mittlerweile mit mehreren Beschwerden über den Bewuchs konfrontiert ist und die Pflanzen sehr knapp an die Fassade heranwachsen, ist deren Entfernung notwendig geworden. Allerdings kann Wiener Wohnen in diesem Fall nicht einspringen und die Pflege übernehmen, da die entstehenden Kosten an alle MieterInnen weiterverrechnet werden müssten.“ Laut Frau Bösz geht das bei einem anderen Mini-Garten in der Siedlung sehr wohl …

Frau Bösz versteht jedenfalls die Welt nicht mehr: „Jahrelang habe ich als Mieterin meine Kraft und auch Geld investiert, zur Verschönerung beigetragen. Ich habe es natürlich freiwillig und mit Freude gemacht. Mein ganzes Herzblut steckt da drinnen. Aber wir Bewohner zählen überhaupt nicht.“

Gerettete Rosenblüten in der Wohnung von Frau Bösz. Bild: Privat.
Gerettete Rosenblüten in der Wohnung von Frau Bösz. Bild: Privat.