Die ALBERTINA präsentiert heuer die erste große Daumier-Schau seit 90 Jahren, wobei seine Kunst nicht weniger aktuell erscheint als zur Entstehungszeit. Unterstützt durch wesentliche Leihgaben des Städelschen Museumsvereins aus der Sammlung Hellwig wird der französische Künstler nun in neuem Licht gezeigt. Neben zahlreichen Lithografien und Zeichnungen sind auch seine berühmten Gemälde und Skulpturen ausgestellt – sowie ein Animationsfilm zum Werk Daumiers, der auf einer Idee von Linda und Paul McCartney beruht und von letzterem vertont wurde (6. Februar – 25. Mai 2026, Propter Homines | ALBERTINA)
Die politische Lage ist instabil, eine ruchlose Clique missbraucht ihre Macht, die Wirtschaft kriselt und die gesellschaftliche Situation wird immer komplexer und unübersichtlicher. Die Schilderung der Verhältnisse im Frankreich des 19. Jahrhunderts scheint merkwürdig gegenwärtig und so ist es auch mit der zeitlos aktuellen Kunst des großen Honoré Daumier.
Mit spitzer Feder und unbestechlichem Humor hält er seiner Zeit den Spiegel vor, prangert Macht- missbrauch und soziale Missstände an. Seine schonungslose Kritik bringt ihn immer wieder in Konflikt mit der Zensur, für die Freiheit der Kunst geht er sogar ins Gefängnis. Als scharfsinniger Beobachter zeigt Daumier darüber hinaus aber auch das alltägliche Leben in der modernen Großstadt Paris.
Honoré Daumier. Spiegel der Gesellschaft
Der französische Künstler Honoré Daumier (1808–1879) fasziniert als genauer Beobachter, brillanter Zeichner und pointierter Erzähler. Großer Popularität erfreuen sich neben seinen Gemälden und Plastiken insbesondere die über 4 000 Lithografien, die er für verschiedene Pariser Zeitschriften entwarf. Mit seinen engagierten Karikaturen wurde er zum Gewissen einer Epoche des Umbruchs: Einschneidende Ereignisse wie die Revolutionen von 1830 und 1848 oder der Deutsch-Französische Krieg 1870/71 prägten sein Jahrhundert ebenso wie ein tiefgreifender sozialer Wandel. Daumier begleitete Frankreichs langen Weg von der Monarchie zur Republik mit kritischem, immer aber zutiefst menschlichem Blick auf die Umstände der Zeit. Sein Fokus galt dem Geschehen in Politik, Justiz und Kultur. Darüber hinaus kommentierte er mit feinsinniger Komik das moderne Groß- stadtleben in einer Phase des Wandels oder die ganz alltäglichen Probleme der Bevölkerung.
Neben dem umfangreichen druckgrafischen Œuvre schuf der Künstler zahlreiche Plastiken und ab Mitte der 1840er-Jahre eine zunehmende Zahl von eigenständigen Zeichnungen und Gemälden, die seine enorme gestalterische Ausdruckskraft und Sensibilität bezeugen. Daumiers Auseinander- setzung mit grundlegenden Fragen wie jener nach der Meinungs- und Pressefreiheit oder dem individuellen politischen Engagement verleihen seiner Kunst eine bis heute anhaltende Aktualität. Die Ausstellung präsentiert eine Auswahl von rund 200 Werken aus dem gesamten Œuvre und in allen Gattungen. Dabei werden die Bestände der Albertina ganz wesentlich durch wertvolle Leihgaben ergänzt. Zahlreiche Exponate stammen aus der herausragenden Sammlung des Frankfurter Daumier-Kenners Hans-Jürgen Hellwig, die 2024 als Schenkung an den Museums-Verein des Städel Museums ging. Zusammen mit ausgewählten Gemälden weiterer europäischer Leihgeber vermitteln diese Werke den außergewöhnlichen Erfindungsreichtum und Humor eines Künstlers, dessen Schaffen als Spiegel der Gesellschaft von zeitloser Gültigkeit ist.

















