‘Amerikaner’ in Floridsdorf

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Amerikaner Am Spitz. Bild: Mag. Alfred Luft.
Amerikaner Am Spitz. Bild: Mag. Alfred Luft.

Der zweite Weltkrieg war zu Ende und in allen Bereichen der Wiener Straßenbahn wurde am Wiederaufbau der zerstörten Einrichtungen gearbeitet. Besonders arg war der Wagenpark in Mitleidenschaft gezogen worden. Von den etwa 4000 Straßenbahn- und Stadtbahnfahrzeugen waren nahezu alle mehr oder weniger stark beschädigt.

Neue Straßenbahnwagen konnten erst 1951 ausgeliefert werden. Die Information der amerikanischen Besatzungs-Militärregierung, dass nicht mehr gebrauchte Straßenbahntriebwagen in New York gekauft werden können, kam willkommen. Dort wurde auf Betreiben des Bürgermeisters La Guardia 1948 die Straßenbahn-Ära beendet. Eine Wiener Delegation machte sich auf den Weg über den großen Teich und erwarb schließlich 42 Wagen der Nummernserie 626 bis 685. 15 gingen nach Bombay. Ein Wagen kostete daher 5.218.- Dollar oder, nach dem damaligen Umrechnungskurs, etwa 52.180.- Schilling.

Die Wagen traten eine Seereise bis Rotterdam an, um dann auf der Eisenbahn verladen, über Holland und Deutschland im Juli 1949 bis Rodaun zu gelangen. Nach Adaptierungen innen wie außen fand vom Betriebsbahnhof in der Floridsdorfer Pleitlgasse aus am 16. September 1949 die erste Polizeiprobefahrt zum Franz-Josefs-Kai statt. Der erste Betriebstag der „Amerikaner“, die in Wien die Typenbezeichnung „Z“ bekommen hatten, war dann der 13. März 1950 auf der Linie „331” nach Stammersdorf, dem Vorgänger des 31ers. In Floridsdorf war der „Z“ auch auf den Linien 132 (Eßlinggasse – Strebersdorf) und 17 / 217, von Floridsdorf nach Englisch Feld in Essling im Einsatz. Die letzten Fahrten absolvierte er als 11er im 2. Bezirk. Da die „Amerikaner“ nur neun Jahre in Amerika, aber zwanzig Jahre in Wien zu Hause waren, könnte man sie doch eigentlich „Wiener“ nennen!


Die Ausstellung im Bezirksmuseum kann bis 22. November besichtigt werden.

Amerikaner Innenleben nach Umbau. Bild: Mag. Alfred Luft.
Amerikaner Innenleben nach Umbau. Bild: Mag. Alfred Luft.