Bahnhof Floridsdorf: Wie gut funktioniert das Alkoholverbot?

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Alkoholverbotsschild am Bahnhof Floridsdorf - Franz-Jonas-Platz. Bild: DFZ.
Alkoholverbotsschild am Bahnhof Floridsdorf - Franz-Jonas-Platz. Bild: DFZ.

Seit 7. Februar und somit seit 100 Tagen gilt die Alkoholverbotszone rund um den Bahnhof Floridsdorf. Zeit für eine erste Bilanz.

Wichtigste Erkenntnis: Die Alkoholszene – an Spitzentagen bis zu 50 Personen – ist vom Bahnhofsvorplatz verschwunden. Aber wohin? Wo die polnische Wodka-Gruppe derzeit ist, scheint unklar. Das Grüppchen von 12 bis 15 wohnversorgten Floridsdorfern hat vor dem Amtshaus am Spitz sein Zuhause gefunden.

Bezirksvorsteher Georg Papai: „Mir ist lieber sie sind vor dem Amtshaus, als vor Schulen in der Franklinpromenade oder in einem Hinterhof. Es war klar, das Alkoholverbot zaubert die Gruppe nicht weg.“ Polizei und die Sozialarbeit haben die Gruppe im Auge und „ich muss ja von meinem Büro nur aus dem Fenster runterschauen. Ich habe mit ihnen Kontakt und etwa darauf hingewiesen, dass Bierdosen ordentlich
entsorgt werden müssen oder, dass es im Amtshaus eine Toilette gibt und sie nirgends anders hinurinieren sollen.“

Alkoholverbot Bahnhof Floridsdorf: Was sagt die Polizei?

Für die 100 Tage lautet „die aktuellste Statistik zur Alkoholverbotszone Floridsdorf“ wie folgt: Abmahnungen 127; Organstrafverfügungen 31; Anzeigen 80. Neun Mal wurden alkoholische Getränke beschlagnahmt und 184 alkoholische Getränke entsorgt. Grundsätzlich sagt die Polizei, dass „seit der Verordnung der Alkoholverbotszone nur eine geringe zweistellige Zahl an Einsätzen wegen mutmaßlicher Gewalt oder mutmaßlicher Verstöße gegen die Alkoholverbotszone gemeldet wurden“. Die Einhaltung des Alkoholverbots wird im regulären Streifendienst durch Kräfte des Stadtpolizeikommandos Floridsdorf als auch bei Schwerpunktaktionen kontrolliert. Die Polizei betont die „sehr gute Zusammenarbeit mit städtischen Dienststellen“.

Vielen Floridsdorfern fällt auf, es ist am Jonas-Platz ruhiger und vor allem auch sauberer. Papais 100-Tage-Bilanz ist „eigentlich sehr positiv. Es gibt keine Maßnahme in meinen elf Jahren, die bei mir so viel positive Resonanz auslöst: Leute haben sich am Bahnhof mehrfach bedankt.“

Bürgermeister Michael Ludwig (rechts) mit Bezirksvorsteher Georg Papai mit einer Karte der Alkoholverbortszone. Bild: Stadt Wien / Christian Jobst.
Bürgermeister Michael Ludwig (rechts) mit Bezirksvorsteher Georg Papai mit einer Karte der Alkoholverbortszone. Bild: Stadt Wien / Christian Jobst.

Im Bezirk tagte bereits die Arbeitsgruppe Franz-Jonas-Platz und holte Berichte von Polizei und Sozialarbeit ein, um die Situation laufend zu evaluieren. Ob das derzeit auf ein Jahr beschränkte Alkohlverbot verlängert wird, ist offen. Papai:  „Schauen wir, was der Sommer bringt.“