Dienstag, 6. Oktober, 2026
Start 10/2026 Besuchen Sie das Donaufeld, es steht!

Besuchen Sie das Donaufeld, es steht!

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Donaufeld von An der Schanze aus gesehen. Bild: DFZ.
Donaufeld von An der Schanze aus gesehen. Bild: DFZ.

„Besuchen Sie das Donaufeld, solange es noch steht“, schrieb die Floridsdorfer Zeitung Anfang 2017. Nun – fast exakt zehn Jahre später – heißt es: Besuchen Sie das Donaufeld, es steht! Erste Wohnungen und ein Studentenheim sind besiedelt. Aber wie geht es beim wesentlich größeren westlichen Donaufeld weiter: Wird hier trotz Klimakrise tatsächlich gebaut? Der große Donaufeld-Überblick der DFZ.

Im Stadtquartier ,An der Schanze‘ im östlichen Donaufeld an der Grenze zum 22.  Bezirk sind bereits einige Wohnbauten von Neo-Floridsdorfern bezogen, ein Studentenheim eröffnet am 1. Oktober, mit Jahresende sollten – bis auf zwei Projekte im Frühjahr – alle Gebäude fertig sein. In allen Projekten gemeinsam sollen in rund 1.858 Wohnungen, davon 75 % oder 1.383 geförderter Wohnbau, rund 4.600 neue Floridsdorfer leben.

Dazu kommen im Studenten-Apartmenthaus von Vetheim in 400 Zimmern etwa gleich viele temporäre Floridsdorfer. Wer übrigens meint, wohnen in Wien ist teuer: Ein etwa 16 m2 großes Einzelzimmer kostet inklusive Energie- und Betriebskosten sowie Strom, Bettwäsche und Reinigung 660,- Euro. Es gibt Party-, Fitness- und Cinema-Räume und einen tollen Turnsaal.

Übrigens ist man über die Dückegasse im 22. Bezirk schon schwer verärgert: Dort parken die ersten Neo-Floridsdorfer nämlich meist.

Wie sieht’s mit Öffis und Grünzug aus? 

An der Dückegasse halten die Busse 27A+B. Fix eingeplant ist eine weitere Straßenbahnlinie quer durch das Gebiet bis zur Fultonstraße – es gibt Routenpläne, dann die Donaufelder Straße zu queren und über die Bessemerstraße letztlich in Jedlersdorf zu landen. Das passiert aber erst, wenn das ganze Donaufeld verbaut ist. Die Verlängerung des 33A wird langfristig geprüft.

Plan des gesamten Stadterweiterungsgebietes Donaufeld. Bild: Stadt Wien.
Plan des gesamten Stadterweiterungsgebietes Donaufeld. Bild: Stadt Wien.

Einen Teil des geplanten Grünzuges zwischen An der Schanze und Nordmanngasse gibt es bereits. 10.000 m2 hatte der Grünzug bei der letzten Präsentation neuer Flächen und wurde „DonauGRÜNde“ genannt (siehe Plan). Für Planungsstadträtin Ulli Sima ist es „wichtig, großzügigen Grünraum für die Menschen zu schaffen und zu sichern. Im Endausbau werden am Donaufeld rund 14 Hektar, rund ein Viertel der Gesamtfläche, als Grün- und Freiraum zur Verfügung stehen, darunter bis zu 200 Meter breite Grünkorridore.“

Allerdings: Weitere Grünzug-Wege in den Norden zur Donaufelder Straße bzw. in den Süden zur Alten Donau scheinen – mangels verkaufswilliger Eigentümer – blockiert.

Donaufeld: Wie geht es weiter?  

Am 1. April 2025 fiel der Startschuss für „den Planungsprozess, einen städtebaulichen Wettbewerb“ für das ,Quartier Donaufeld Ost‘ und den westlichen Teil (,Quartier Donaufeld West‘), wie die MA21B erklärt (siehe Plan). Das ,Quartier Donaufeld Ost‘ liegt nördlich von ,An der Schanze‘. Dafür wurden teilweise Bebauungspläne festgelegt, um den Bau einer Schule und einen freifinanzierten Bau zu ermöglichen. Für einen Teil fehlen exakte Pläne.

Vor einer Woche lud die MA21B alle Miteigentümer (Wohnfonds, Bauträger und Private) zu einem Termin ein, um über das offenbar nun Stadtentwicklungsgebiet ,An den Donaugründen‘ genannte östliche Donaufeld und „ein neues durchgrüntes Wohnviertel mit überwiegend verdichtetem, leistbarem Wohnraum“ zu sprechen. Durchgrünt und verdichtet – eine Zielvorgabe, die für einen der Teilnehmer „ein Widerspruch in sich“ ist.

Für das ,Quartier Donaufeld West‘ werden „aufbauend auf dem Leitbild Beteiligungsprozesse, begleitende Gutachten für Verkehr, Freiraum, Klimafolgenabschätzung, etc. geplant, die uns noch mehrere Jahre beschäftigen werden“, so die MA21B. In einem städtebaulichen Leitbild sollen „Antworten auf die zentralen Herausforderungen unserer Zeit wie den Klimawandel, die Bereitstellung großzügiger Grünflächen, die Leistbarkeit des Wohnraums und der nachhaltigen Mobilität“ erarbeitet werden.

Die Befürworter des Stadtentwicklungsgebietes haben vor allem zwei Argumente. „Wir brauchen leistbaren Wohnraum“, sagt Bezirksvorsteher Georg Papai (SPÖ):  „Die Frage ist: Will ich Wohnbau am Stadtrand ohne Anbindung. Und im Donaufeld die bestversorgtesten Radieschen. Oder Wohnbau dort, wo es bereits gute Infrastruktur wie im Donaufeld gibt.“ Argument 2: Wohnbau im Donaufeld wurde bereits in den Stadtentwicklungsplänen der 90er Jahre festgeschrieben.

„Das ist, wie wenn sich die Welt seit damals nicht weiter gedreht hätte und es keinen Klimawandel gäbe. Politiker dürfen ja auch dazulernen“, sagt der Klubobmann der Floridsdorfer Grünen, Heinz Berger.

Heinz Berger. Bild: Grüne.
Heinz Berger. Bild: Grüne.

Während die Stadt also weiter plant, kämpft die Initiative ,Freies Donaufeld‘ weiter für ein ebenso freies und unverbautes Donaufeld.
Initiativensprecherin Margit Spacek verweist auf die Artenvielfalt – „hier leben Wechselkröte, Neuntöter, Ringelnatter, Zauneidechsen, Fuchs, Marder und Turmfalke“ – und den Schwemmland-Ackerboden. Es gedeihen neben Getreide sogar Artischocken oder Knollenziest: Der Boden gehört zu den 8 % hochwertigen Ackerlandes in ganz Österreich.

Neben der Bioschanze und Brombeerbauer Martin Freimüller profitiert davon auch die Ackerbäuerin Irene Maria Trunner. Sie bewirtschaftet 13 Hektar etwa mit Weizen und Roggen: „Der Auschwemmboden und das besondere Kleinklima im Donaufeld ermöglichen tolle Ernten und das um zwei Wochen früher als in umliegenden Gegenden.“ Sie wünscht sich, „dass wir wertschätzend mit Böden umgehen: Hier wachsen eure Semmeln und euer Brot!“ Denn: Wenn der Ackerboden versiegelt wird, ist er unwiderbringlich für Generationen verloren, so Trunner.

Besonders in heißen Jahren wie 2026 ist das unverbaute Donaufeld wertvoll: Die Felder sorgen für eine starke Nachtabkühlung. Kühlere Luft aus dem Umland dringt in dichter bebaute Stadtbereiche vor und trägt zur nächtlichen Abkühlung bei. Die regionale Luftleitbahn an der Donau trägt zum großräumigen Luftaustausch und zur Durchlüftung des Stadtgebiets bei.

„Bei neuen Bauvorhaben ist es wichtig, diese zu berücksichtigen und relevante Kaltluftbahnen möglichst in ihrer Funktion zu
erhalten“, sagt die Geosphere Austria. Ob der Bau von Stadtentwicklungsgebieten auf das lokale Klima Auswirkungen hat, könnte durch Mikroklimasimulationen untersucht werden.

Für ,Freies Donaufeld‘ steht fest: Eine Bebauung im Westen soll verhindert, die Bausperre aufgehoben und die alte landwirtschaftliche Widmdung eingesetzt werden.

Viele Fragen für das Donaufeld Ost und West sind offen. Was passiert mit landwirtschaftlichen Betrieben und Sportstätten wie Tennis- und Fußballplätzen? Wächst Wien noch so stark, dass man die Wohnungen überhaupt braucht? Der  Wiener Planungsdirektor Thomas Madreiter wies unlängst im Presse-Interview, darauf hin, dass in Wien 130.000 Wohnungen „untergenutzt“ sind: Leerstand aus spekulativen Motiven, Kurzzeitvermietungen, …

Und: Braucht es eine Umweltverträglichkeitsprüfung? Papai beantwortet letzteres mit ja. Der Bezirksvorsteher sagt zur DFZ aber auch, dass es „kein neues großes Bürgerbeteiligungsverfahren braucht, weil es das ja vor zehn Jahren gab“.

Geplant ist für November eine Auftaktveranstaltung, die den Startschuss für das Planungsverfahren geben soll, bei dem es „zahlreiche Möglichkeiten, mitzuarbeiten und Ideen und Anregungen einzubringen“ geben soll. „Besonders für Kinder und Jugendliche, da es vor allem sie es sind, die im neuen Stadtteil leben werden“, so das Büro der Stadträtin. -Hannes Neumayer