Brutaler Überfall auf Schulbrüder Strebersdorf geklärt: Hass auf Kirche als Motiv

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In der Kirche in Strebersdorf fand der Überfall statt. Bild: Google Maps.
In der Kirche in Strebersdorf fand der Überfall statt. Bild: Google Maps.

Der brutale Überfall 2018 in der Strebersdorfer Klosterkirche Maria Immaculata ist geklärt: Zweieinhalb Jahre nach der Tat wurde ein Verdächtiger in Kroatien festgenommen, bestätigte die Polizei heute.

Kurz nach Weihnachten 2018 überfiel ein bis vor kurzem unbekannter Täter die katholische Kirche Maria Immaculata in Strebersdorf und behandelte Geistliche mit Schlägen und Tritten unheimlich brutal. lle Opfer wurden gefesselt und geknebelt. Fünf Schulbrüder wurden schwer verletzt, einer der Kirchenmänner befand sich sogar „einige Monate“, so Mimra, in Lebensgefahr. Erst nach rund vier Stunden konnte einer der Überfallenen seine Fesseln abstreifen und Hilfe holen. Es gab eine Belohnung von 30.000 Euro, ein Phantombildes und eienn Fahndungsaufruf in „Aktenzeichen XY“. Nun konnte aufgrund eines DNA-Treffer ein Verdächtiger in Kroatien festgenommen. Der 49-Jährige gestand die Tat, gab als Motiv „Hass auf die katholische Kirche“ an, hat aber keinen Bezug zu den Schulbrüdern.

Stein

Dem Landeskriminalamt Wien ist es nach umfangreichen Ermittlungen gelungen, einen schweren Raub in einer kirchlichen Einrichtung zu klären, erklärte die Polizei heute. Folgend die Aussendung der Polizei:

Ein 49-jähriger kroatischer Staatsangehöriger steht im Verdacht die Büroräumlichkeiten der Einrichtung betreten, einen 58-jährigen Mitarbeiter bedroht und geschlagen zu haben. Der Tatverdächtige habe dann das Opfer gefesselt und Bargeld aus einem Tresor im Büro gefordert. Als es gelang den Safe zu öffnen, habe sich der Angreifer einer Faustfeuerwaffe, welche sich darin befand, bemächtigt. Im Zuge des Überfalls sollen fünf weitere Mitarbeiter (63 bis 81 Jahre) die Räumlichkeiten betreten haben, die jedes Mal vom Tatverdächtigen bedroht, gefesselt und geschlagen worden seien. Bei den Angriffen soll der 49-Jährige unter anderem einen Schraubenzieher, eine Eisenstange sowie eine Schusswaffe verwendet haben, um die Opfer zu bedrohen und zu verletzen. Der Überfall dauerte mehrere Stunden, kurz nach 16:00 Uhr sei es einem Opfer gelungen, sich zu befreien und die Polizei zu verständigen.

Eine Sofortfahndung nach dem 49-Jährigen verlief erfolglos.  Die Opfer wurden durch die Angriffe teilweise schwer verletzt. Sie wurden vor Ort von mehreren Teams der Berufsrettung Wien notfallmedizinisch erstversorgt und in ein Krankenhaus gebracht.  Durch akribische Tatort- und Ermittlungsarbeit gelang es den Ermittlern des Landeskriminalamtes Wien den kroatischen Staatsangehörigen als dringend Tatverdächtigen auszuforschen.

Dank guter Zusammenarbeit mit dem Bundeskriminalamt als auch kroatischen Ermittlungsbehörden konnte man den Aufenthaltsort des Tatverdächtigen in Kroatien ausmachen. Mit dem ausreichenden Sachverhalt wurde von der Staatsanwaltschaft Wien eine europäische Festnahmeanordnung erlassen. Am 11.05.2021 gelang es kroatischen Beamten den 49-Jährigen in der Stadt Zagreb festzunehmen. Der Mann wurde nach Österreich überstellt und zeigte sich bei seiner Einvernahme umfassend geständig. 

Kirche in Strebersdorf überfallen – der Ablauf:

Ein Tatverdächtiger (laut der Personsbeschreibung eines Opfers etwa 180cm groß, dunkles Haar, deutschsprachig mit ausländischem Akzent) bedrohte einen in der Kirche anwesenden Geistlichen mit einer Schusswaffe und forderte ihn auf, sich auf den Boden zu legen. Danach wurde der Ordensbruder über eine lange Zeit hindurch geschlagen und getreten, unter anderem mithilfe diverser Werkzeuge, wodurch er schwere Kopfverletzungen erlitt.

Einige Zeit später wollte ein weiterer Ordensbruder in der Kirche nach dem Rechten sehen und entdeckte seinen verletzten Bruder. Als er ihm helfen wollte, wurde auch er attackiert und im Kopfbereich verletzt.

Bei dem Überfall wurden ebenfalls drei weitere Geistliche verletzt. Zudem wurde nun bekannt, dass auch ein sechster Mann in einer Büroräumlichkeit von den Tatverdächtigen gefesselt worden war, wodurch er jedoch keine physischen Verletzungen erlitt.

Laut der ersten Aussage eines leicht verletzten Opfers wurde zuletzt gegen 15:30 Uhr ein Tatverdächtiger am Tatort gesichtet. Einerseits aufgrund der Verletzungen, andererseits aufgrund der Tatsache, dass die Opfer mit Schnüren, Kleidungsstücken und Kabelbindern gefesselt worden waren und sich erst befreien mussten, wurde erst um 16:16 Uhr die Polizei verständigt. Um 16:21 Uhr trafen die ersten Funkwägen an der Einsatzörtlichkeit ein.

Die Verletzten wurden von der Wiener Berufsrettung, die mit dem Katastrophenzug vor Ort war, notfallmedizinisch versorgt und in ein Krankenhaus gebracht. Rund ein Dutzend weitere Geistliche, die sich in anderen Räumlichkeiten des Pfarrhauses aufgehalten hatten, wurden von Einsatzkräften betreut.

Großräumige Absperrmaßnahmen wurden veranlasst, die Kirche sowie das direkt angrenzende Pfarrhaus wurden von WEGA-Beamten durchsucht. Zeitgleich wurde eine Großfahndung ausgelöst. Neben insgesamt 12 Streifen- und Fußstreifenbesatzungen des Stadtpolizeikommandos Floridsdorf waren auch 4 Besatzungen der Polizeidiensthundeeinheit, 27 Beamte der WEGA, 58 Beamte der Bereitschaftseinheit, 3 Besatzungen der Landesverkehrsabteilung, Logistikfahrzeuge, Ermittler des Landeskriminalamts und ein Polizeihubschrauber – insgesamt also über 120 Polizistinnen und Polizisten – am Einsatz beteiligt.

Die Fahndung nach den Tätern läuft

Die Ermittler gehen derzeit von einem Vermögensdelikt aus. Aufgrund der Vorgehensweise der Täter kann ein terroristischer Hintergrund ausgeschlossen werden. Die Polizei geht auch von keiner konkreten Bedrohung für Anrainer aus. Die Ermittlungen laufen.

Kardinal Schönborn “tief betroffen” von Überfall auf Schulbrüder

Wiener Erzbischof besucht Opfer eines Raubüberfalls im “De La Salle”-Schulzentrum in Strebersdorf

Kardinal Christoph Schönborn ist “tief betroffen” vom Überfall auf fünf Schulbrüder in Wien-Strebersdorf. “Kirchen sind Orte des Friedens und der Zuwendung – das macht uns die Weihnachtszeit in besonderer Weise bewusst. Umso trauriger ist die Nachricht vom brutalen Raubüberfall”, sagte der Wiener Erzbischof am Donnerstagabend gegenüber “Kathpress”. Unmittelbar nach Beendigung des Großeinsatzes der Polizei machte sich der Kardinal auf dem Weg, um die Ordensbrüder im “De La Salle”-Schulzentrum in Strebersdorf zu besuchen und sagte: “Gottseidank kommt so etwas in Österreich nur sehr selten vor. Ich bete für die baldige Genesung der Opfer und die Reue der Täter.”