Citybike gerettet: Endlich bald auch in Floridsdorf?

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Symbolbild Citybike. Bild: Gewista.
Symbolbild Citybike. Bild: Gewista.

Lösung für zwischenzeitlich stillgelegte Stationen der Leih-Räder „so schnell wie möglich“; neue Stationen in Floridsdorf, Donaustadt und in neuen Stadtentwicklungsgebieten

Wiens Bürgermeister Michael Ludwig hat die Wiener Linien mit dem Betrieb der „Citybike“-Leihräder beauftragt. Der bisherige Betreiber Gewista hatte wegen Kostenfragen einen Teil der 121 Stationen stillgelegt, jetzt übernehmen die städtischen Verkehrsbetriebe das Stationsnetz und den Verleih der „Citybikes“. Mit dem Auftrag an die Wiener Linien will der Stadtchef eine Lösung für das drohende Aus für die erfolgreichen Leihräder finden.

„Ich habe die Wiener Linien als öffentlichen Mobilitätsdienstleister der Stadt Wien beauftragt, im Sinne der Wienerinnen und Wiener so bald wie möglich den Betrieb des gesamten Citybike-Netzes wiederherzustellen. Mit sobald wie möglich, meine ich in den kommenden zwei Monaten, damit noch heuer die Citybikes wieder zur Verfügung stehen“, sagte Bürgermeister Ludwig bei einem Termin heute, Mittwoch, vor Medien.

Das Angebot der Citybikes passe gut in das Mobilitätskonzept der Wiener Linien, betonte Ludwig. Die Leihräder werden schon jetzt in der „Wien Mobil“-App der Öffis angezeigt. Langfristig sollen die Wiener Linien das bestehende Citybike-Netz nicht nur betreiben, sondern auch ausbauen, so der Auftrag des Bürgermeisters. Nach der Übernahme durch die Wiener Linien und einem Ausbau soll es erstmals Stationen in Floridsdorf und der Donaustadt. „Da unterstütze ich die Forderungen der Radlobby voll. Ich bin auch dafür, neue Stationen in den Stadtentwicklungsgebieten zu bauen“, sagte Ludwig. Geht es nach dem Stadtchef, sollen die Citybikes attraktiver für die sogenannte „letzte Meile“ für Wege in der Stadt werden – also die oft kurze Strecke von der Haustür zur U-Bahn-Station oder von der Bim-Station zum Arbeitsplatz.

„Fast jede zweite Wienerin und jeder zweite Wiener hat eine Jahreskarte. Nur mit starken Öffis können wir als Stadt ambitionierte Klimaziele erreichen“, sagte Ludwig. Wien wurde im Mai auf Platz ein im Ranking der „World’s Greenest Cities 2020“ gereiht – „auch wegen dem gut ausgebauten öffentlichen Verkehrsnetzes“, erinnerte der Stadtchef. 

„Die Citybikes sind seit dem Start 2003 eine Erfolgsgeschichte“, sagte Ludwig. Die Gratis-Anbieter aus Asien, die Wien zunächst mit Leihrädern „überflutet“ hätten, seien 2018 wieder abgezogen. „Citybike ist geblieben. Das soll so bleiben“, betonte Ludwig. 

2019 wurden mehr als 10 Millionen Fahrten mit den Leihrädern gemacht; die Citybikes zählen 500.000 registrierte Benutzerinnen und Benutzer. Das Modell der Leihräder mit fixen Stationen wurde unter anderem von Städten wie Paris, Brisbane, Lyon oder Sevilla übernommen.

Die letzten rechtlichen Details würden derzeit ausgearbeitet. Teil der Vereinbarung zwischen Wiener Linien und Stadt wird auch eine finanzielle Unterstützung für Investitionen zur Anpassung des Stationsnetzes und des Ausbaus des Netzes sein. Sobald eine Lösung am Tisch liegt können dann auch die derzeit gesperrten Stationen wieder in Betrieb genommen werden. Die Vertragslaufzeit werde jedenfalls mindestens zehn Jahre betragen. 

Die Gewista betreibt seit 2003 das Citybike-System. Die ersten 61 Stationen innerhalb des Gürtels wurden auf öffentlichem Grund von der Gewista errichtet und die Kosten dafür vom Werbeunternehmen übernommen. 2010 wurde das Netz um weitere 60 Stationen außerhalb des Gürtels erweitert. Die Stadt übernahm einen Baukostenzuschuss und Miete für die Stationen. 

ÖAMTC & Radlobby begrüßen Bemühungen zur Fortführung von Citybike Wien

„Der ÖAMTC begrüßt die Entscheidung des Bürgermeisters – schließlich ist Citybike Wien ein wesentlicher Baustein für die Multimodalität in unserer Stadt“, zeigt sich Ernst Kloboucnik, ÖAMTC-Landesdirektor Wien, Niederösterreich, Burgenland erfreut. „Wir haben in den vergangenen Wochen viele Gespräche mit den unterschiedlichsten Stakeholdern geführt und uns sehr stark für einen Fortbestand des Systems eingesetzt. Das Angebot wird von vielen Wienerinnen und Wienern, Pendlerinnen und Pendlern aus Niederösterreich und dem Burgenland sowie Touristen genützt.“

Roland Romano, Sprecher der Radlobby Wien begrüßt den Schritt, appelliert jedoch gleichzeitig: „Während die Stadtregierung laufend betont, den Radverkehr fördern zu wollen, geht es beim Citybike aktuell rückwärts. Statt das öffentliche Leihradsystem massiv auszubauen, ist die Hälfte der Stationen deaktiviert! Neben politischen Absichtserklärungen braucht es jetzt die rasche Wiederaufnahme des Normalbetriebs und die Verdoppelung der Stationen bis 2025.“

Beide Interessensvertreter sind sich einig, dass das System, das lange ein Vorzeigemodell für viele Städte in Europa war, weiterentwickelt werden muss, ob durch Neuausschreibung oder kontinuierliche Entwicklung aus dem Bestand. Positiv ist, dass nun ein lückenloser Übergang in ein zukünftiges System ermöglicht wird. Dafür sollte auf breiter Basis rasch Klarheit über den Ausbau des Netzes und das Tarifmodell erarbeitet werden. Ein wesentlicher Beitrag der Stadt ist dann die Schaffung der notwendigen Rechtssicherheit und die Bereitschaft zur finanziellen Unterstützung eines solchen zeitgemäßen Mobilitätsangebots.

FP-Mahdalik begrüßt Übernahme von Citybike durch Wiener Linien

„Die einzig vernünftige Lösung“ nennt der Verkehrssprecher der Wiener FPÖ, Klubobmann Toni Mahdalik, die angekündigte Übernahme von Citybike durch die Wiener Linien. Citybike habe sich als einziges funktionierendes Leihradsystem erwiesen, alle anderen Anbieter wären kläglich gescheitert. „Alles andere würde die Klimapolitik der Stadt Wien ad Absurdum führen. Zum Glück sind die Verantwortlichen diesmal aufgewacht, bevor Citybike endgültig an die Wand gefahren wird“, hofft Mahdalik auf eine jetzt rasche Lösung, dass die Leihräder den Wienern weiter wie gewohnt zur Verfügung stehen.

NEOS Wien zu Citybike-Lösung: Bürgermeister Ludwig kann sich nach peinlichem Streit als Retter inszenieren

Christoph Wiederkehr: „Eine Rettung für die Citybikes ist gut für die Stadt, doch die Umstände, die dazu geführt haben, sind peinlich für Rot-Grün.“

Erleichtert darüber, dass die beliebten Citybikes in Wien eine Zukunft haben, reagiert NEOS Wien-Spitzenkandidat Christoph Wiederkehr auf die heutigen Nachrichten, dass Bürgermeister und SPÖ Wien-Chef Michael Ludwig die Wiener Linien dazu verpflichtet, die Citybikes zu übernehmen: „Ein beliebtes Element der Mobilität in dieser Stadt hat sich besseres verdient, als der Spielball für einen unwürdigen Streit zwischen SPÖ und Grünen in der Stadtregierung zu werden. SPÖ und Grüne haben sich gegenseitig die Schuld für das drohende Ende zugeschoben und am Ende kann sich Ludwig als Retter inszenieren. Es stellt sich die Frage, ob die SPÖ genau das nicht von Anfang an geplant hat, als die SPÖ-nahe Gewista mehr Geld für den Betrieb von Vizebürgermeistern Hebein gefordert hat.“

Wölbitsch/Juraczka: Lösung für peinliches rot-grünes Citybike-Schauspiel überfällig

„Eine Lösung für das peinliche Citybike-Schauspiel der rot-grünen Stadtregierung war längst überfällig. Nun geht es darum, möglichst rasch für eine adäquate Übergangslösung zu sorgen. Es kann nicht sein, dass die über 60 Verleihstationen, vor allem im Innenstadtbereich, bis in den Herbst hinein geschlossen bleiben“, so ÖVP-Stadtrat Markus Wölbitsch. „Das misslungene Verhandlungsergebnis der grünen Verkehrsstadträtin muss nun ausgebügelt werden“, so der Stadtrat weiter. 

Bürgermeister Ludwig hat angekündigt, dass eine endgültige Lösung mit den Wiener Linien in den nächsten zwei Monaten erfolgen soll. „Damit kann die aktuelle Hauptsaison nicht genutzt werden. Ein zeitnahes Konzept für eine praktikable Übergangslösung muss deshalb rasch ausgearbeitet werden“, so auch der Verkehrssprecher der neuen Volkspartei Wien, Manfred Juraczka. ​

Gemeinderat Gerhard Kubik (SPÖ) zu Citybikes: „Auftrag an die Wiener Linien ist eine gute Nachricht!“

„Mit dem Auftrag von Bürgermeister Michael Ludwig an die Wiener Linien sind die Wiener Citybikes vorerst gerettet. Wichtig ist, dass die Räder möglichst rasch wieder für die Wienerinnen und Wiener zur Verfügung stehen. Das erfolgreiche System hat vielen Städten weltweit als Vorbild gedient und es wäre schade, wenn wir es jetzt einstellen müssten“, kommentiert Kubik die Ankündigung von Bürgermeister Michael Ludwig. 

Bis zuletzt war unklar, wie es mit dem beliebten Leihradsystem weitergeht. „Die Wiener Citybikes stehen für eine nachhaltige, aktive und leistbare Mobilität. Es ist gut, dass das System bleibt. Für uns ist aber auch wichtig, dass es darüber hinaus eine Perspektive für die Zukunft gibt – mit einem Ausbau der Stationen im gesamten Stadtgebiet, vor allem in den Außenbezirken und einer Modernisierung von Flotte und System“, so Kubik abschließend.