Der DFZ-Check: Radfahren in Floridsdorf

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Bild: Radlobby Floridsdorf. Radfahren auf der Brünnerstraße. Radrundfahrt der Floridsdorfer Radlobby auf der Brünnerstraße. Ab Herbst laufen die Vorbereitungen für einen Radstreifen bis zu dieser Stelle (Katsushikastraße). Der Radweg im Bildhintergrund am SMZ Nord vorbei ist bereits fertig.
Bild: Radlobby Floridsdorf. Radfahren auf der Brünnerstraße. Radrundfahrt der Floridsdorfer Radlobby auf der Brünnerstraße. Ab Herbst laufen die Vorbereitungen für einen Radstreifen bis zu dieser Stelle (Katsushikastraße). Der Radweg im Bildhintergrund am SMZ Nord vorbei ist bereits fertig.
Stein

Nur vier Prozent der Alltagswege werden in Floridsdorf mit dem Rad zurückgelegt. Die DFZ hat sich nach             Verbesserungspotential umgehört. Bis auf den Bisamberg flaches Gelände, viel Grün – man sollte meinen, Floridsdorf ist ein wahres Radfahrer-Paradies. Die nackten Zahlen einer VCÖ-Studie von 2016 sprechen eine andere Sprache: Nur vier Prozent der Alltagswege werden in Floridsdorf mit dem Rad zurückgelegt. In der Landstraße sind es etwa neun Prozent. Die Floridsdorfer Zeitung hat sich nach den Gründen und dem Verbesserungspotential für Radfahrer umgehört.

In einer Radfahrstatistik hat Floridsdorf die Nase vorn: Fast 40 Kilometer dürfen bei uns gegen die Einbahn geradelt werden, das ist einsamer Spitzenwert. Im 22. Bezirk sind es acht Kilometer weniger, in Favoriten gar nur acht Kilometer gesamt. Vergeblich sucht man hingegen City-Bike-Stationen in Floridsdorf. Das Büro der zuständigen Stadträtin Maria Vassilakou versucht das so zu erklären: „Derzeit macht eine lineare Ausweitung des City-Bike-Systems nach Floridsdorf keinen Sinn. Eine Umsetzung wäre nur flächenhaft und dicht sinnvoll. Derzeit ist das geplante Soll erfüllt und ein Erweiterungsauftrag ist zum momentanen Zeitpunkt nicht gegeben.“

Wiederum bescheiden sieht es bei den Radabstellplätzen bei uns aus: 2.042 im Jahr 2015. In der Donaustadt waren es 3.668, im Neunten gar 4.089. Deshalb wurde von der Floridsdorfer Radlobby bei einem Termin bei Bezirksvorsteher Georg Papai als einer der wichtigsten Wünsche „mehr Stellplätze, vor allem an den Knotenpunkten des öffentlichen Verkehrs“ geäußert. Also etwa Bahnhof Floridsdorf oder Strebersdorf. Für den Franz-Jonas-Platz ist auch eine gesicherte Fahrradgarage in Planung, bestätigt Wiens Radverkehrs-Beauftragter, Martin Blum.

Manchmal scheitern Lösungen auch an der nicht immer friktionsfreien Zusammenarbeit zwischen Bezirk und Stadträtin. Vor Jahren war An der oberen Alten Donau als erste Fahrradstraße Wiens geplant. Vassilakou hat das ohne Rücksprache mit dem Bezirk präsentiert und der damalige Bezirksvorsteher Heinz Lehner mit „so nicht“ quittiert und abgedreht. Geworden ist es die Kuchelauer Hafenstraße.

Radfahren – Neuralgische Punkte in Floridsdorf

Es gibt natürlich auch tolle Radfahrverbindungen: Wer etwa von Strebersdorf in die Stadt will, kann das fast ohne Ampel (ab der Donauinsel). Auch etliche Querverbindungen von der Donauinsel weg funktionieren, ein eher unbekannterer Abschneider führt von der Galvanigasse unter der Nordbrückenabfahrt zum Schlingermarkt.
Ein Problem ist für Blum ist vor allem die gute Erreichbarkeit des Franz Jonas Platzes: „Das klappt nur von der Franklinstraße wirklich gut. Wir bekommen hier viele Anregungen für Verbesserungen.“

BILD: Radlobby Floridsdorf. Entwurf der Fahrradlobby für überdachte Radabstellplätze am Bahnhof Floridsdorf.
BILD: Radlobby Floridsdorf. Entwurf der Fahrradlobby für überdachte Radabstellplätze am Bahnhof Floridsdorf.

Ein Grund für den niedrigen Radanteil im 21. Bezirk sind sicher die großteils nicht vorhandenen Radrouten an Brünner & Pragerstraße. Egal ob von Jedlersdorf, Stammersdorf, oder Strebersdorf: Ein durchgängig gut befahrbarer Radweg ist nicht vorhanden. Zumindest auf der Brünnerstraße wird es besser: Im Bereich des Krankenhauses Nord ist stadtauswärts ein echter Radweg, stadteinwärts ein Radstreifen bereits fertig. Den Abschnitt vom Spitz bis zur Katsushikastraße will Papai im Herbst angehen: Geplant sind Mehrzweckstreifen ohne großen Parkplatz Verlust. Gleichzeitig gibt der Bezirksvorsteher aber zu: „Ich würde nicht mit dem Rad auf der Brünnerstraße fahren.“ Warum es nicht mehr baulich getrennte Radwege gibt, ist auch leicht erklärt: Sie kosten fast das Sechsfache eines Mehrzweckstreifens.

BILD: DFZ. Neuer Radweg Richtung SMZ Nord (Höhe MVC Motors)
BILD: DFZ. Neuer Radweg
Richtung SMZ Nord (Höhe MVC Motors)

Auch langfristig keine Verbesserung wird es an der Pragerstraße geben. Es bleibt bei halbherzigen Mehrzweckstreifen, etc. bis zur Koloniestraße – danach ist Radfahren auf der Pragerstraße bis zur Stadtgrenze eine Mutprobe. „Das Problem des Doorings (Anmerkung: Autofahrer räumen mit einer plötzlich geöffneten Tür Radfahrer ab) begleitet einen ständig und die Beachtung des Tempolimits ist gering“, heißt es seitens der Radlobby. Durch ganz Langenzersdorf gibt es übrigens sehr wohl einen Radweg.

Jedlersdorfer_Strasse
BILD: Radlobby Floridsdorf. Neuralgischer Punkt am Weg nach Stammersdorf: Gleich am Beginn der Jedlersdorferstraße Höhe Manhatten. Radfahrer und Fussgänger teilen sich den Weg. Fällt die Benutzungspflicht, dürften Radfahrer auch die Straße benutzen.

Ein Wunsch der Radlobby könnte hingegen erfüllt werden: Die Aufhebung der Benutzungspflicht von Radwegen ist auch für den Bezirksvorsteher in Einzelfällen denkbar. Konkretes Beispiel: Jedlersdorferstraße im Bereich des gemeinsamen Geh-/Radwegs bei „Manhatten“. Wie kompliziert Lösungen sein können, zeigt die Kreuzung Sinawastingasse und Jedleseerstraße: Längst wurde an diesem neuralgischen Punkt eine sichere Querung für Radfahrer und Fussgänger beschlossen. Jedoch legte die MA33 (Öffentliche Beleuchtung, Ampeln und Uhren) quasi ein Veto ein, weil sie sich außerstande sieht, die Unterführung ausreichend zu beleuchten.

BILD: Radlobby Floridsdorf. Mehrzweckstreifen auf der Jedleseerstraße. Jedleseerstraße.
BILD: Radlobby Floridsdorf. Mehrzweckstreifen auf der Jedleseerstraße. Jedleseerstraße.
BILD: Radlobby Floridsdorf. Sharrows auf der Jedleseerstraße.
BILD: Radlobby Floridsdorf. Sharrows auf der Jedleseerstraße.

 

 
Unangenehm für Auto- wie für Radfahrer wird es, wenn mit Muss Radstreifen auf die Fahrbahn gezwängt werden und letztlich für alle Verkehrsteilnehmer zu wenig Platz bleibt. Beispiele gibt es in Floridsdorf genug: Jedleseerstraße, Leopoldauerstraße und als Höhepunkt der sinnbefreite Mehrzweckstreifen in der Rußbergstraße. Nicht nur, dass dort für Alle zu wenig Platz ist, beginnt und endet der Weg im radfahrerischen Nirvana. Die Radlobby würde sich in solchen Fällen sogenannte Sharrows statt Mehrzweckstreifen wünschen (siehe Bilder rechts). Ein Konzept, dass aber selbst Blum für Wien nur in Ausnahmefällen auf dem Radar hat.

Bild: Grafik: wien.gv.at / MA18. Entwurf für die geplante Radlangstrecke Nord - vom Praterstern über die Wagramerstraße nach Gerasdorf.
Bild: Grafik: wien.gv.at / MA18. Entwurf für die geplante Radlangstrecke Nord – vom Praterstern über die
Wagramerstraße nach Gerasdorf.

Als Highlight zur Verbesserung der Radinfrastruktur in Floridsdorf preist man im Büro Vassilakou den Ausbau der Radlangstrecke Nord in Richtung Gerasdorf, so „wäre ein Anstieg des Anteils künftig möglich“. Von besonderer Ortskenntnis zeugt das nicht gerade: Denn die Strecke führt gerade mal im äußersten Teil über die Kürschnergasse und Aistgasse durch den 21., sonst aber durch den 22. Bezirk.
HANNES NEUMAYER