Jede Woche kommt die Müllabfuhr und holt unseren Mist. Das war nicht immer so. Die MA 48 hat die Geschichte der Stadtreinigung und Abfallbeseitigung bis 1945 von Peter Payer und Jutta Fuchshuber aufarbeiten lassen. Die Jahre der Diktaturen werden erstmals fundiert beleuchtet.
Die planmäßige ,Kehrichtabfuhr‘ setzte in Wien bereits im 17. Jahrhundert ein. Die entscheidende Professionalisierung setzte ab dem Jahr der Weltausstellung (1873) und dann mit dem Ende der Monarchie ein. Ab 1904/05 profitierte auch Floridsdorf von der Wiener Stadtreinigung. Lange Zeit war ein Teil des heutigen 21. Bezirks der Müllplatz der Großstadt: Am Bruckhaufen gab es bereits Ende des 19. Jahrhunderts eine große Deponie, vergleichbar mit der heutigen Anlage am Rautenweg. Bekannt ist, dass der heutige Donaupark bis Anfang der 60er Jahre Brettldorf und Mistplatz beherbergte. Weniger bekannt ist, dass die Deponie ihren Ursprung geografisch gesehen etwa bei der heutigen U6-Station Alte Donau hatte. Sehr zum Leidwesen der damals noch selbstständigen Floridsdorfer, die beklagten, dass Miststierler Krankheiten in den nahen Ort brachten.
Der Weg zur sauberen Großstadt wurde manchmal von der Bevölkerung eher widerwillig angenommen: Etwa die Einführung der Mistkübel vor rund hundert Jahren. 6.000 Abfallsammelkörbe wurden ab 1924 aufgestellt. Die Polizei war angewiesen Zuwiderhandelnde, die die zylindrischen Eisengitterkörbe ignorierten, konsequent zu bestrafen. Typisch Wien: bald war „das neue Stadtmobilar so populär, dass es Eingang in die Unterhaltungskultur“, wie Kabaretts fand.
Das Buch listet penibel die jeweils verwendeten technischen Hilfsmittel und auch deren Entwicklung auf. Auch Berufsgruppen, die den Weg zur sauberen und international oft als Vorbild gelobten Großstadt ebneten, werden vor den Vorhang geholt. Eine Geschichte von Fliegenschützen, Straßenkehrern mit Anzug und Melone, Miststierlerinnen, Spritzwagen, Pferdekaps und Pressmüllwagen. Herausragend ist die reichhaltige Bebilderung auf den 150 Seiten.
Stadtreinigung und Politik waren eng miteinander verbunden. Auch in den Jahren des Austrofaschismus und während des Nationalsozialismus blieb Sauberkeit ein wichtiger Faktor für die Zufriedenheit der Bevölkerung und das Image der Stadt. Jutta Fuchshuber und Peter Payer zeigen erstmals auf, welche Zäsuren, Machtwechsel und Personalstrukturen es in dieser Zeit gab. Das Buch ist im 48er-Tandler um 48 Euro erhältlich.














