Der weiße Fleck auf der Floridsdorf-Karte

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Anrainer der kleinen Siedlung beim Termin mit der DFZ. Foto: DFZ.
Anrainer der kleinen Siedlung beim Termin mit der DFZ. Foto: DFZ.

Die Kleingartensiedlung ‘SDL Dirnelwiese’ liegt nur wenige Meter neben der Prager Straße am äußersten Stadtrand. Die 13 Siedler haben mit ihren ganzjährig bewohnbaren Häusern ein Problem mit ernsthaften Auswirkungen: Sie sind ein weißer Fleck auf der Landkarte und haben keine echte Adresse.

Denn von der Prager Straße gibt es keine Zufahrt zu den Häusern. Die erfolgt über den kleinen Balgayweg und seiner Verlängerung, links der Bundesstraße. Ungewöhnlich: Die ganze Straße gehört zu Langenzersdorf und damit zu Niederösterreich. Die Kleingartenhäuser stehen aber eindeutig auf Wiener Grund.

Stein

Dem Zentralverband der Kleingärtner und Siedler Österreichs sind die Probleme bekannt: „Wir haben schon vor Jahren versucht, eine Ordnungsnummer zu bekommen, das ist aber wegen der Landesgrenze aus Wiener Sicht nicht zustande gekommen. Die Gemeinde Langenzersdorf kann als Eigentümer der Straße vor der Anlage ebenfalls keine Ordnungsnummer vergeben.“

Klingt nach einer amüsanten typisch rotweißroten Anekdote aus MA2412. In der Strebersdorfer Realität hat das unangenehme und auch sehr ernsthafte Auswirkungen. Anrainer Andreas Wolf: „Ich konnte keine ORF-GIS-Anmeldung machen, weil ich keine Adresse habe. Wirklich problematisch ist, dass wir von jeglicher Hilfeleistung wie Polizei, Rettung, Feuerwehr ausgenommen sind! Überspitzt gesagt bedeutet das, dass wir Menschen sterben lassen, wenn diese Hilfe benötigen, da es keine Ordnungsnummer gibt?“

Im Zuge eines Einbruchs war die Polizei zunächst weniger an der Tat, als an der Frage, welche Inspektion denn hier eigentlich zuständig sei, interessiert. Auch die Rettung hatte schon ihre Not, die richtige Zufahrt und dann noch die nur mit Buchstaben von A bis N benannten Parzellen zu finden. Wolf: „Mittlerweile kommen wir alle in ein Alter, wo leider Hilfe benötigt werden kann, jedoch wird keiner die richtige Parzelle finden.“ Die Post bekommt nur, wer persönlich einen guten Draht zum Postler hat.

Hier könnte die Geschichte enden, weil zwei Bundesländer keine Lösung finden. Die DFZ hat sich an den Floridsdorfer Gemeinderat Gerhard Spitzer (SPÖ) gewandt, der auch in der Kleingartenkommission der Stadt sitzt. Seine Idee: „Vor der Kleingartensiedlung gibt es einen kleinen nur geschotterten Platz. Der könnte eventuell benannt werden.“ Somit hätten die 13 Kleingärtner eine Adresse. Die Floridsdorfer Bezirksvorstehung hat schon zugestimmt. Auf Gemeindeebene wird in mehreren Stadtratbüros beraten, was die einfachste Lösung wäre. Der Platz müsste erst umgewidmet werden, bevor er benannt werden kann. Vielleicht kann man auch die Prager Straße als Adresse nutzen. Herr W: „Wir sind zwar nur 13 Siedler: Aber wir wären wirklich dankbar für Hilfe und eine Lösung!“ -H. Neumayer