
Noch bis 30. August 2026 läuft die Donauinsel-Sonderausstellung im Wien Museum. Zur Vertiefung mit oder ohne Museumsbesuch bietet sich der 400 Seiten starke Begleitband „Die Donauinsel – 21 Kilometer Freiraum“ an.
Während das Highlight der Ausstellung ein Originalmodell aus den Siebzigern ist, besticht das Buch der Herausgeberinnen (und Ausstellungs-Kuratorinnen) Martina Nußbaumer und Ulrike Krippner durch die Vielfältigkeit. Los geht es mit einem Rückblick auf die Entwicklung der Donauregulierung in Wien, gespickt mit zahlreichen teilweise nie umgesetzten Plänen vor allem auch für unser linkes Donauufer. DFZ-Kolumnist Matthias Marschik erzählt von Nutzung, Vorschriften, Konflikten und der Überlieferung im und um das Überschwemmungsgebiet.
Ausführlich wird die konkrete Umsetzungsgeschichte der Planungen des Baus der Donauinsel ab den Plänen von August Zottl 1954 beleuchtet. Ein Projekt, wie Peter Eigner schreibt, „das vielerorts als utopisch erachtet wurde“. Dass Donauinsel und Neue Donau hauptsächlich ein Natur- und Freizeitparadies werden, war selbst während des Baus und eines Ideenwettbewerbs alles andere als klar.

So plädierte etwa Erich Leischner, ein pensionierter Architekt der Stadt Wien, für eine dichte Bebauung südlich der Nordbrücke bis zu monumentalen Türmen bei der Reichsbrücke – auf der Insel! Stararchitekt Roland Rainer wollte Bepflanzung und Sportgelegenheiten und die Bebauung des rechten Ufers mit Industrie- und Infrastrukturanlagen.
War im Vorfeld die Nutzung der Donauinsel heftig umstritten, wurden dann – man glaubt es heute kaum – die Platzierung jedes Baums oder das Überleben des Zinkerbachls, etc. bis ins Detail geplant. Erlebbar machen diesen Prozess mehrere Interviews im Buch von direkten Beteiligten wie Bruno Domany, der bis 1992 Donauinselkoordinator war.
Insgesamt beleuchtet „Die Donauinsel“ die 21 Kilometer Freiraum in circa 60 vielfältigen Kapiteln: Von Kunst, Kultur und PR, über Porträts von Inseltieren wie der Beutelmeise, der Flockenblumen-Langhornbiene, der Gabel-Azurjungfer oder der Knoblauchkröte und natürlich auch Pflanzen bis zum Klimawandel. Außergewöhnlich wird das Buch durch den fünften und längsten Abschnitt: In „Freiraum für Alle“ werden die Nutzer der Insel – Nacktbader, Skater, Sprayer, Griller, Slackliner, u.v.m. – portraitiert. Neben einem Besuch der Ausstellung im Wien Museum ist das Buch für alle Insel-Fans eine absolute Pflichtlektüre.
Infos: Die Donauinsel – 21 Kilometer Freiraum, Martina Nußbaumer, Ulrike Krippner; Falter-Verlag, 431 Seiten, 38 €.













