Donaufeld: Acht Projekte stehen fest – aber auch viel Kritik

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Bild rechts oben: Wohnbaustadträtin Kathrin Gaál bei der Präsentation mit Bezirksvorsteher Georg Papai. Links: Die acht Siegerprojekte des Wettbewerbs im Rahmen der IBA. Diese Projekte entstehen alle am östlichen Rand des Donaufelds, das direkt an die Donaustadt grenzt. Insgesamt sollen in den nächsten Jahren circa 6.000 Wohnungen errichtet werden. Fotos/Grafik: Wohnfonds, Grafik: PID/David Bohmann.
Bild rechts oben: Wohnbaustadträtin Kathrin Gaál bei der Präsentation mit Bezirksvorsteher Georg Papai. Links: Die acht Siegerprojekte des Wettbewerbs im Rahmen der IBA. Diese Projekte entstehen alle am östlichen Rand des Donaufelds, das direkt an die Donaustadt grenzt. Insgesamt sollen in den nächsten Jahren circa 6.000 Wohnungen errichtet werden. Fotos/Grafik: Wohnfonds, Grafik: PID/David Bohmann.

1.400 Wohnungen werden ab 2021 errichtet / Kritiker: „60 Hektar werden unwiderbringlich versiegelt!”

Es wird ernst im Südosten Floridsdorfs: Im ersten Schritt der Verbauung des Donaufelds entstehen bis 2023 ‘An der Schanze’ 1.400 neue Wohnungen in acht Wohnbauprojekten auf 71.400 Quadratmetern. Die Hälfte der Wohneinheiten wird als besonders günstige SMART-Variante errichtet. Während Politiker den „hochattraktiven Stadtteil” feiern, bemerken Kritiker: Ein Musterbeispiel dafür, was in Wien alles falsch läuft bei der Stadtentwicklung.

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Der wohnfonds_wien hat in Kooperation mit der IBA_Wien den Bauträgerwettbewerb für das Quartier ‘An der Schanze’ durchgeführt. Nun stehen die Sieger für die acht geförderten Wohnbauprojekte fest (siehe Bilder oben), Anfang 2021 ist Baustart. Eine Baugruppe verwirklicht mit ihrem Projekt 50 Wohneinheiten, die mit den sozialen und ökologischen Initiativen auf das gesamte Quartier wirken.

Zur Unterstützung alleinerziehender Menschen gibt es Modelle zur Förderung nachbarschaftlicher Kontakte und eine lebendige Erdgeschoßzone soll sich entwickeln: Ein Kinder-Jugend-Familien-Zentrum, ein Grätzelcafé, eine Quartiers- und eine Fahrradwerkstatt oder eine Stadtteilkantine stehen zur Verfügung, bauplatzbezogene Gemeinschaftsräume können von den Bewohnern genutzt werden. Urban Gardening, Spielangebote und Fitnesspunkte sind ebenso Fixpunkte. Ein Kindergarten mit sechs Gruppen wird neu errichtet, bezüglich Schule wird auf den Bildungscampus Donaufeld und jenen in der Attemsgasse (22. Bezirk) verwiesen.

Am Bauplatz B / D entsteht das kulturelle Herz des Quartiers mit einem Veranstaltungsraum, der auch für Externe nutzbar ist. In jenen Erdgeschoßzonen, die an die bestehende Bebauung angrenzen, sind ruhigere Wohnnutzungen vorgesehen.

„Das Projekt an der Schanze bündelt die ganze Stärke des Wiener Wohnbau-Modells. Hier entsteht ein hochattraktiver Stadtteil, der leistbares und lebenswertes Wohnen mit Innovation und sozialer Nachhaltigkeit verbindet“, freut sich Wohnbaustadträtin Kathrin Gaál. Floridsdorfs Bezirksvorsteher Georg Papai war ebenso positiv gestimmt:  „Dieses Projekt bietet für Floridsdorf viele neue Möglichkeiten, schafft neue Infrastruktur und macht diesen Teil unseres Bezirks noch ein Stück lebenswerter.”

Kritiker sehen das anders:

Es ist zwar richtig, dass das Donaufeld seit den 1990er-Jahren im Fokus der Stadtplanung steht und im STEP 2005. Andererseits feiern Politiker immer, dass es in Wien sogar noch Landwirtschaft in der Stadt gibt und Paradeiser angebaut werden. Dann „60 Hektar verbetonieren und nachhaltig versiegeln, die zu den sieben Prozent der besten Erden in Österreich gehören, passt einfach nicht zusammen“, so ein Experte, der lieber nicht namentlich genannt werden will. Eine vorhandene natürliche Stadtwildnis mit vielen geschützten Tierarten wird zerstört. Vernünftiger wäre es ‘Brachen’ wie den Frachtenbahnhof neu zu nutzen.

Im Donaufeld drückt man sich wie bei anderen Bauprojekten um die Umweltverträglichkeitsprüfung (Zitat MA21: „Keine Auswirkungen auf die Umgebung“), in dem es drei Bauphasen mit gesamt über 6.000 Wohnungen gibt.

Der Beteiligungsprozess, der von 2014 bis 2017 durchgeführt wurde, hat mehrheitlich enttäuschte engagierte Bürger zurückgelassen.

Bei der Präsentation zeigten sich Politiker begeistert: Das weitgehend autofreie Stadtquartier sei größtenteils fußläufig erschlossen. Ein dichtes Netz an Fahrradwegen und eine gute Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz (U1 im Osten, U6 im Westen und die Straßenbahnlinien 25 und 26) ergänzen das. Zwei Mobilitätsstationen bieten Bike- und Carsharing, Parkplätze gibt es in Sammel- und Tiefgaragen. Sowohl umliegende Bevölkerung wie Bürgerinitiative sehen das großteils anders. Ihre Kritik: Es gibt kein Verkehrskonzept. Die umliegenden Straßen sind jetzt schon vor dem Kollaps. Von versprochenen neuen Öffi-Linien ist längst keine Rede mehr.

Eine „Stadtwildnis“ soll neben der nahen Alten Donau zum naturnahen Spielen und Erholen einladen. Am Ende soll es zentral einen Grünraum geben, in manchen planerischen Utopien mit Donaufeldbach. Derzeit erweist sich das ebenso wie eine in Entwürfen eingezeichnete Brücke über die Alte Donau als „Papiertiger“. Die Stadt Wien nennt derzeit circa 1% der Flächen des Grünzugs ihr Eigen. Privatbesitzer müssten also billig ‘ausgekauft’ werden oder es droht ihnen sogar die Enteignung! -Hannes Neumayer