Samstag, 14. Februar, 2026
Start 8-9/2025 „Ein zuverlässiger, treuer Begleiter …“

„Ein zuverlässiger, treuer Begleiter …“

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Alexander Rippka bei der Arbeit. Foto: Michaela Kraus-Boneau.
Alexander Rippka bei der Arbeit. Foto: Michaela Kraus-Boneau.

Der Floridsdorfer Alexander Rippka stellt in Handarbeit Lederwaren wie Taschen und Geldbörsel her.

Haben sie sich eigentlich schon einmal überlegt, wer Taschen herstellt? Die richtige Antwort wäre: Ledergalanteriewarenerzeuger und Taschner. Einer der letzten, der das in Wien noch als echtes Handwerk betreibt, ist der gebürtige Floridsdorfer Alexander Rippka.

Die Wirtschaftskammer zählt aktuell 98 Ledergalanteriewarenerzeuger und Taschner in Wien. Die meisten davon sind jedoch Großproduzenten und keine Handwerksbetriebe wie ,Taschner Alexander‘. So bezeichnet Rippka seine Werkstätte in der Neubauer Kaiserstraße 8, die er selbst ,Shop-Atelier‘ nennt. Hier kann man dem Handwerker einerseits direkt bei der Arbeit zusehen. Andererseits sieht man viele der fertigen Stücke. Die Palette reicht von Kleinlederwaren wie Geldbörsel, Etuis oder Gürtel, über (Laptop-)Rucksäcke, Businesstaschen bis zur klassischen Handtasche – letztere natürlich in unzähligen Ausführungen wie Schulter-, Umhänge- & Henkeltasche oder Beutel. Insgesamt stehen etwa 40 Modelle für Damen wie Herren zur Auswahl. Dazu später.

Denn zunächst wäre da die Frage, wie kommt man eigentlich dazu, Taschner zu werden? Alexander Rippka verbrachte etwa die ersten 20 Jahre seines Lebens inklusive Matura in Floridsdorf. Danach arbeitete er einige Jahre beim Schuhhändler GEA, unter anderem in der Filiale Am Spitz. Er lernte die Waldviertler Schuhfabrik kennen und war von der Kreativität und den vielfältigen Möglichkeiten der Lederverarbeitung nachhaltig fasziniert. Die Neugierde trieb ihn dann weiter zu großen Modehäusern wie Hugo Boss und Bally, wo er eine Karriere vom Verkäufer bis zum Filialleiter machte.

Letztlich ebnete sein Chef beim Maßschuhmacher Scheer ungewollt den Weg. Rippka erinnert sich: „Er wollte auch Taschen anbieten und hat mich beauftragt, einen Produzenten zu suchen. Drei hab ich im Wiener Raum gefunden. Einer war Albert Pattermann. Er hat nur gemeint: ,Wenn’s Taschen wollen, können’s mein Geschäft übernehmen und die Taschen selber machen‘!“

Klingt jetzt wie eine gut erfundene Geschichte, war jedoch tatsächlich so. Rippka entschied sich mutig für Veränderung, wurde zeitgleich auch erstmals Vater. Er ging bei Pattermann noch zwei Jahre in die Lehre, machte die Befähigungsprüfung, übernahm das Geschäft und verlegte es 2018 von der Westbahnstraße in die Kaiserstraße. Pattermann war übrigens ein alter Wiener Traditionsbetrieb, der seit 1931 bestand.

Rippkas Produkte stehen für Handwerk, perfekte Detailverarbeitung, Qualität, lange Haltbarkeit, Exklusivität und zeitloses Design. Für die 40 Modelle kann man aus 30 Lederfarben und -arten wählen, Details wie Inneneinrichtung oder Länge der Henkel, Art der Verschlüsse oder Farbe der Metallteile mitbestimmen oder die zukünftige Lieblingstasche mit Monogramm versehen – alles ,Made in Vienna‘. Ein Großteil des Leders kommt aus der Toskana, meist sogar rein pflanzlich gegerbt.

Wer voll auf Individualität setzen will, kann mit dem sympathischen Chef auch sein ganz persönliches Modell entwickeln. Einen guten Einblick in sein Werk gibt der Ledergalanteriewarenerzeuger – der vor 150 Jahren wohl bereits zum K.u.k Hoflieferanten ernannt worden wäre – außerdem auf seiner Instagram-Seite (taschneralexander.wien).

Die Frage, „wieviele Stunden Arbeit fließen in eine Tasche?“, beantwortet er so: „Wenn die Entwicklung einer Tasche abgeschlossen ist, dauert die Erzeugung etwa acht Stunden. Wobei die Entwicklung in meinem Fall eigentlich nie ganz abgeschlossen ist, weil ich immer wieder irgendetwas verändere. Dann dauert es erst wieder länger, weil wir die neue Idee ausprobieren müssen. Meine Arbeit ist in diesem Sinn ein ewig andauernder, kreativer Prozess, der, im Gegensatz zur seriellen Fertigung, niemals eingegrenzt oder wirklich abgeschlossen ist.“

Die Taschen des Exil-Floridsdorfers verstehen sich als Gegenentwurf zur Industrie- und Massenware. „Wiens wohl edelste Taschen“, schrieb ein Magazin unlängst euphorisch. Eine Arbeit, die zugegeben ihren Preis hat. Dafür bekommt man eine Tasche, die ein Unikat ist und nicht zigtausende andere auch tragen. Ein Stück, das man sein Leben lang hegen und pflegen wird, vielleicht sogar vererben. Rippka: „Wenn ich eine Tasche mache, dann lege ich mein Herzblut hinein und meinen Wunsch, dass sie ein treuer und zuverlässiger Begleiter sein möge.“
-Hannes Neumayer

Infos: Alexander Rippka, Kaiserstraße 8, 1070 Wien. www.taschneralexander.wien