Kaum ein Floridsdorfer kennt es, kaum jemand beachtet es: Schließlich steht das größte Denkmal, das an Floridsdorf erinnert, nicht im Bezirk selbst, sondern beim Westbahnhof und noch dazu zwischen den beiden jeweils vierspurigen Richtungsfahrbahnen des Neubaugürtels. Autofahrer werden den 17 Meter hohen Obelisk angesichts des hektischen Verkehrs rund um den Europaplatz kaum wahrnehmen, und auch Fußgänger verirren sich kaum dorthin.
Das sogenannte „Hesser-Denkmal“ wurde im Mai 1909 anlässlich des hundertjährigen Jubiläums der Schlacht bei der Schwarzen Lackenau errichtet, wo das k.k. Infanterie-Regiment Nr. 49 „Freiherr von Hess“ eine wichtige Rolle gespielt hatte. Zur historischen Auffrischung: Napoleon I. führte 1809 Krieg gegen Österreich und erreichte eine Reihe militärischer Erfolge. Ein erster Versuch, französische Truppen nach der Eroberung Wiens über die Donau zu bringen und die österreichische Armee anzugreifen, scheiterte am 13. Mai: Zwar gelang es,
etwa 1000 Mann auf die Schwarze Lackenau (damals eine Insel zwischen zwei Donauarmen) zu bringen, doch schaffte es das Hesser-Regiment unter Johann von O`Brien, die Franzosen, die etwa 700 Tote zu beklagen hatten, zurückzuschlagen.
Von Matthias Marschik
Der Fortgang der Geschichte ist bekannt: Napoleons Truppen überschritten die Donau eine Woche später in der Gegend der Lobau, verloren zwar die Schlacht von Aspern und Eßling, konnten das österreichische Heer aber bei Wagram besiegen und Österreich im Frieden von Schönbrunn entscheidend schwächen.
Das Denkmal erinnert an die militärischen Erfolge der „Hesser“ und, wie die Inschrift besagt, „insbesondere an das Gefecht in der Schwarzen Lackenau“. Zu sehen sind zwei martialische Figurengruppen: Auf der einen Seite ein brüllender Löwe mit militärischen Trophäen, auf der anderen Seite sind zwei Soldaten während des Gefechts in der Schwarzlackenau dargestellt. Ein Infanterist hält die Regimentsfahne, daneben kniet ein verwundeter Soldat. Dazwischen ragt der Obelisk in die Höhe, an der Spitze trägt er eine Bronzekopie der österreichischen Kaiserkrone.
In der zeitgenössischen Presse wurde das Denkmal hoch gelobt und die Eröffnung im Beisein des Kaisers und zahlreicher hoher Militärs ausführlich besprochen. Weniger angetan war die Arbeiter-Zeitung, die meinte, über ein solches Kriegsmonument lasse „sich streiten. Wenn aber schon ein Denkmal, dann ein schöneres, das seiner Umgebung zur Zierde gereicht“. Es erinnere an einen „gekrönten Schornstein“, der „in seiner Häßlichkeit und absoluten Sinnlosigkeit“ die Gegend verschandle.
Um 1970 und dann im Zuge des Baus der U-Bahn-Station Westbahnhof wurde das Denkmal gleich zweimal abgetragen und versetzt. Ich denke, wir hätten in Floridsdorf, etwa in der Jedleseer Au oder beim Schönungsteich, sicher einen attraktiveren Platz gefunden. Im Zeichen unserer friedlichen Gesinnung hätten wir es nur, wie bei der Lueger-Statue beim Stubentor, um ein paar Grad neigen und künstlerisch kontextualisieren müssen.















